Autor Thema: November 2009: Halldór Laxness - Sein eigener Herr  (Gelesen 9478 mal)

Offline JMaria

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November 2009: Halldór Laxness - Sein eigener Herr
« am: 31. Oktober 2009, 09:37 »
Hallo zusammen,

morgen beginnt unsere Leserunde "Sein eigener Herr (Sjálfstætt fólk). Erschienen im Original 1934/35 in zwei Bänden zu je zwei Teilen.
Ich lese die Übersetzung von Bruno Kress, mit einem Nachwort von Hubert Seelow, aus dem Steidl Verlag.

Das Werk gliedert sich in vier Hauptabschnitte:
-Besiedler Islands
-Schuldenfreie Wirtschaft
-Schwere Zeiten
-Konjunktur
 
Die Übersetzung von Bruno Kress erschien 1968; Hubert Seelow hat sie behutsam überarbeitet.
Ich freu mich auf unsere Leserunde.

Schöne Grüße
Maria
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Offline JMaria

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November 2009: Halldór Laxness - Sein eigener Herr
« Antwort #1 am: 31. Oktober 2009, 09:51 »
ein paar Daten:

Halldór Kiljan Laxness  (geboren als Halldór Guðjónsson; * 23. April 1902 in Reykjavík; † 8. Februar 1998 in Gljúfrasteinn bei Mosfellsbær) war ein isländischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger. - http://de.wikipedia.org/wiki/Halld%C3%B3r_Laxness

Es ist eine Freude, die Bücher von Halldór Laxness zu lesen. Da kommt ein Autor aus einem der randständigsten Gebiete Europas, aus Island, - und er schreibt "für die Welt", so kann man das hinsichtlich seines Werks in aller Emphase sagen. schreibt Sabine Peters im Büchermarkt - http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/165399/

die derzeit ausführlichste Biographie über Laxness ist von Halldór Gudmundsson - http://www.perlentaucher.de/buch/28483.html





Rezension in der NZZ
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/menschen_mythen_und_verblendung_1.661937.html
« Letzte Änderung: 1. November 2009, 17:48 von JMaria »
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Offline Monolith

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #2 am: 1. November 2009, 15:08 »
Hallo zusammen,

ich lese auch die Ausgabe aus dem Steidl Verlag und habe mich gestern bis Kapitel Sieben: Das Herzleiden vorgelesen.

Ganz zu Beginn aufgefallen sind mir die genauen Zeitangaben, wenn es um den Aberglauben ging. So etwa: Von Anfang Februar bis nach Pfingsten konnte man das Gespenst im Gehöft laut sprechen hören, ... (S.9, Steidl). Ich hab das Ganze, da es ja ziemlich gehäuft auftritt als Ironie gedeutet. Was meint ihr dazu?

Im dritten Kapitel, bei der Rede anlässlich Bjarturs und Rosas Hochzeit schien mir die "Dichterin" von Hölzchen auf Stöckchen zu kommen. Als sie gegen Ende das Wort "Sozialismus" endlich benutzte fiel mir erst dann auf, dass sie das idyllische Landleben bestimmt nicht nur um seinetwillen so ausschweifend geschildert hatte.  Naja, besser spät als nie  :breitgrins:

Freue mich auf eine interessante Leserunde!  :smile:

Offline susi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #3 am: 1. November 2009, 16:47 »
Hallo ihr Lieben,

Ich habe gestern abend angefangen zu lesen und fand den Einstieg mit der Sage sehr ungewohnt, aber passend. Was mir vor allem aufgefallen ist, sind die extrem detaillierten Beschreibungen. Ich finde das macht es ziemlich authentisch und ich persönlich kann mich gut hineindenken in das Geschehen.

@ Monolith: Ich denke die genauen Zeitangaben könnten auch darauf hinweisen dass das Geschehen von damals auch heute noch Bedeutung hat. Denn normalerweise ist es ja unüblich in Überlieferungen genaue Zeitangaben zu machen. Aber ich hatte den Eindruck, dass das ganze dadurch irgendwie präsenter wurde. Was meinst du dazu?

Liebe Grüße

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #4 am: 1. November 2009, 17:44 »
Hallo zusammen,

wie Susi bin ich auch der Meinung, dass der Hinweis des Gespenstertreibens zwischen Februar und Pfingsten bereits ein Hinweis für die gegenwärtige Zustände sind und dass der  Aberglaube nicht nachgelassen hat. Es ist aber auch etwas verwirrend, denn es geht danach gleich wieder zurück in den Strom der Zeit, wie die Sage weitergeht,, ... S. 10 Es kann nicht später als gegen Ende der Amtszeit des Herrn Bischofs Gudbrandur gewesen sein...

der lutherische Bischof Gudbrandur:
lt. Theologische Realenzyklopädie, Band 16 Von Gerhard Krause,Gerhard Müller könnte das um die Zeit 1627 gewesen sein
Gudbrandurs Bibel war jahrhunderte lang das Lehrbuch der Isländer.

Ich finde, es liest sich auch sehr lyrisch, dazu noch der Einbau von Gedichten/Gesänge.... und der Singsang von Bjartur, wenn er Wörter und Sätze wendet und dreht. (S. 17 über den Hund und S. 19 über die Schafe):

..was der Mensch sucht, das findet er - beim Hund ....  was der Hund sucht, findet er beim Menschen; suchet so werdet ihr finden

Wenn ich meine Schafe durchbringe .... meinen Verpflichtungen nachkomme, dann komme ich meinen Verpflichtungen nach und habe meine Schafe durchgebracht...

Ob dieser Singsang in irgendeiner Tradition wurzelt?


Aberglaube, Naturalismus und Idylle geben sich bisher die Hand.
Sehr krass fand ich Schäferidylle auf S. 15 im Gegensatz zu den Seiten davor:

Ein kleiner Bach fließt an der Lämmerwiese entlang, er fließt im Halbkreis um die Wiese, klar und kalt, und versiegt nie......
Dann zwitschert es froh in Wiese und Moor.


da könnte man die Sage über die Wiedergänger direkt vergessen:

Nordische Mythologie
In den Sagas sind Wiedergänger in der Form des Draugrs ein häufiges Motiv. So zum Beispiel in der Hrómundar saga Gripssonar oder in der Laxdœla saga. Wer einem Wiedergänger begegnete, dem drohte oft ein baldiger Tod. Auffallend ist hier die Betonung der Körperlichkeit des Wiedergängers, die sich zum einen in seiner übermenschlichen Kraft zeigt, zum anderen aber auch in seiner Verwundbarkeit: Draugar können getötet werden, indem ihnen der Kopf abgeschlagen wird.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wiederg%C3%A4nger

Ich komme zum 3. Kapitel "Hochzeit".

der Name Bjartur bedeutet "hell".

Schöne Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 1. November 2009, 18:00 von JMaria »
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Offline Steffi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #5 am: 2. November 2009, 15:58 »
Hallo zusammen !

Ich lese auch die Steidl-Ausgabe.

Da ich schon mal in Island war, kann ich mir die Natur und die Gegenden sehr gut vorstellen. Auch, dass Aberglaube sehr stark dort verwurzelt ist. Die Natur ist dort einfach übermächtig und den einzigen Halt können dort spirituelle Dinge geben.

Der erste Teil heißt ja "Besiedler Islands" - damit wird deutlich, dass Bjartur in einer alten Tradition steht. Er muss beweisen, dass er genausogut wie alle seine Vorfahren ist oder sogar noch stärker, wenn er sein besonders unheilvolles Land besiegen will. Die Mischung zwischen der ersten irischen Besiedlung durch Mönche und die nachfolgenden Wikinger mit ihren nordischen Göttern, dann Christianisierung, wobei daneben immer noch die alten Götter verehrt wurden, mal evangelisch, mal katholisch, wird von Laxness geschickt eingesetzt, um diese Traditionen und die vielfältigen spirituellen Werte zu zeigen.


Zitat von: Monolith schrieb:
Im dritten Kapitel, bei der Rede anlässlich Bjarturs und Rosas Hochzeit schien mir die "Dichterin" von Hölzchen auf Stöckchen zu kommen.

Mir kommen ihre Ideen sehr romantisch vor, vielleicht auch ein Seitenhieb auf die Bauernromane Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. "Sein eigener Herr" ist ja nach Hamsuns "Segen der Erde" geschrieben worden, vielleicht ein Gegenentwurf ? Übrigens, die Dame stammt ja aus Vik "...hatte sie den Bauern Jon aus lauterem Interesse am idyllischen Landleben geheiratet;" Ich schätze es könnte  Vik i Myrdal, es hat knapp 280 Einwohner. Die Gegend und der schwarze Strand sind sehr beeindruckend, aber auch schon sehr einsam (guckt euch mal die Gegend auf google maps an). Sollten wir das als Ironie verstehen ?

Zitat von: JMaria
Ob dieser Singsang in irgendeiner Tradition wurzelt?

Bjartur ist ja auch ein Dichter - wieder eine isländische Tradition.

Interessant fand ich, dass sich die Themen auf der Hochzeit immer nur um Krankheiten (meist Schafskrankheiten) drehten. Jeder hat dazu eine andere Meinung, was schon zeigt, dass es doch ein ganz individuelles Völkchen ist.

Ich komme zu Kapitel 4.

Gruß von Steffi


Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #6 am: 3. November 2009, 11:09 »
Hallo zusammen,


Da ich schon mal in Island war, kann ich mir die Natur und die Gegenden sehr gut vorstellen. Auch, dass Aberglaube sehr stark dort verwurzelt ist. Die Natur ist dort einfach übermächtig und den einzigen Halt können dort spirituelle Dinge geben.

auffallend ist für mich, dass Bartjur zwar keinen Stein auf Günnvors Grab werfen wollte, doch sich morgens gen Osten verneigt. Seiner Frau billigt er ihren Aberglauben nicht. Das kann nicht gut gehn. Die Ehe steht unter keinem guten Stern. Schon der Pfarrer spricht nicht mehr als ihm vorgeben wird. Man kann sich so manches ausmalen, was zwischen den Zeilen steht. Mich hat bereits stutzig gemacht, dass die Frauen sich neugierig um ein Baby scharten, das unehelich auf die Welt kam. Dann die Hinweise auf Rosas Übelkeit und Appetit ....

Das Kapitel "Hochzeit" fand ich voll tragikomischer Begebenheiten. Die Gespräche über Würmer, insbesondere dem Drehwurm und wie die Männer dann zu den elementaren Denkweisen zurückkehren, wie ein Wurm ist ein Wurm, ein Mensch ist ein Mensch .. o.ä.

Der Kreislauf der Jahreszeiten und der Kreislauf Geburt und Tod wird, so schätze ich mal, im Buch eine große Rolle spielen, so wie auch metapherartige Hinweise auf "Kreislauf", wie z.B. der Drehwurm oder im 2. Kapitel, als sich der Hund im Kreis dreht und Bjartur ihn ausschimpfte, keinen Unfug zu machen... laufe ich im Kreis und belle?.. Doch genau das macht er ein paar Abschnitte weiter ... Wahrscheinlich kam ihm in den Sinn daß er mit dieser Bemerkung unbekannte Mächten eine Angriffsfläche bot, denn plötzlich drehte er sich im Frühlingswind um, drehte sich ganz im Kreis und sagte in alle Himmelsrichtungen: ...

vielleicht bilde ich mir einen Zusammenhang auch nur ein ;-)

Zitat von: Steffi
Der erste Teil heißt ja "Besiedler Islands" - damit wird deutlich, dass Bjartur in einer alten Tradition steht. Er muss beweisen, dass er genausogut wie alle seine Vorfahren ist oder sogar noch stärker, wenn er sein besonders unheilvolles Land besiegen will. Die Mischung zwischen der ersten irischen Besiedlung durch Mönche und die nachfolgenden Wikinger mit ihren nordischen Göttern, dann Christianisierung, wobei daneben immer noch die alten Götter verehrt wurden, mal evangelisch, mal katholisch, wird von Laxness geschickt eingesetzt, um diese Traditionen und die vielfältigen spirituellen Werte zu zeigen.

ja, dieser Bjartur hat noch etwas urwüchsiges an sich. Seine Selbständigkeit ist ihm alles, da gibt es kein Weichen und kein Kompromiß.

Zitat von: Steffi
Zitat von: Monolith

Im dritten Kapitel, bei der Rede anlässlich Bjarturs und Rosas Hochzeit schien mir die "Dichterin" von Hölzchen auf Stöckchen zu kommen.

Mir kommen ihre Ideen sehr romantisch vor, vielleicht auch ein Seitenhieb auf die Bauernromane Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. "Sein eigener Herr" ist ja nach Hamsuns "Segen der Erde" geschrieben worden, vielleicht ein Gegenentwurf ? Übrigens, die Dame stammt ja aus Vik "...hatte sie den Bauern Jon aus lauterem Interesse am idyllischen Landleben geheiratet;" Ich schätze es könnte Vik i Myrdal, es hat knapp 280 Einwohner. Die Gegend und der schwarze Strand sind sehr beeindruckend, aber auch schon sehr einsam (guckt euch mal die Gegend auf google maps an). Sollten wir das als Ironie verstehen ?


Der Begriff "Bauernroman" kommt mir zum ersten Mal unter. Sehr interessant. Leider kenne ich Hamsuns "Segen der Erde" nicht. In der Biographie über Laxness heißt es, dass er zu diesem Autor eine Art Haßliebe entwickelte. Wenn in den 30iger Jahren das Bauerntum verherrlicht werden sollte, wie es Hamsun tat, so hatte es Laxness mit seinem Gegenentwurf schwer.

Habt ihr bereits etwas von Hamsun gelesen? Ich noch nicht.

Vik i Myrdal:
die Gegend wirkt auf mich stark und urwüchsig, sogar furchterregend in ihrer Ausstrahlung von Einsamkeit.

Ich komme zum 10. Kapitel.

Schöne Grüße
Maria
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Offline Sir Thomas

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #7 am: 3. November 2009, 13:21 »
Habt ihr bereits etwas von Hamsun gelesen?

Hallo Maria,

unter anderem habe ich es mit dem bereits erwähnten Roman "Segen der Erde" probiert. Mein Fazit: Absolut unerträgliche Blut- und Bodenprosa! Wie konnte so etwas den Nobelpreis bekommen? Den Nazis wird es gefallen haben ...

Ich hoffe, Laxness hat sich daran kein Beispiel genommen.

Weiterhin viel Spaß wünscht

Tom

Offline Lost

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #8 am: 3. November 2009, 13:52 »
Habt ihr bereits etwas von Hamsun gelesen?

Hallo Maria,

unter anderem habe ich es mit dem bereits erwähnten Roman "Segen der Erde" probiert. Mein Fazit: Absolut unerträgliche Blut- und Bodenprosa! Wie konnte so etwas den Nobelpreis bekommen? Den Nazis wird es gefallen haben ...

Den Nazis hat es tatsächlich gefallen, die Charkterisierung als "Blut- und Bodenprosa" bleibt dennoch zu oberflächlich.
In dem Roman wird eher der Kampf archaischer Trotzköpfe gegen die widerspenztige Natur und nicht eine rassistische Krieger- und Herrenrasse thematisiert. Hamsun ist hier näher an Storm, als an den Nazidichtern (fällt mir keiner ein).

Offline Sir Thomas

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #9 am: 3. November 2009, 14:07 »
In dem Roman wird ... nicht eine rassistische Krieger- und Herrenrasse thematisiert.

Das habe ich auch nicht behauptet. Blut- und Bodenprosa ist es für mich trotzdem (Stichworte wie "Landnahme", "Ein Mann und sein Land ...", "das Land ist gut, die Stadt ist verdorben", "Durchhaltevermögen, notfalls bis zum Untergang" mögen genügen).   

LG

Tom

Offline Lost

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #10 am: 3. November 2009, 14:53 »
In dem Roman wird ... nicht eine rassistische Krieger- und Herrenrasse thematisiert.

Das habe ich auch nicht behauptet. Blut- und Bodenprosa ist es für mich trotzdem (Stichworte wie "Landnahme", "Ein Mann und sein Land ...", "das Land ist gut, die Stadt ist verdorben", "Durchhaltevermögen, notfalls bis zum Untergang" mögen genügen).   


Nichts für ungut, zur Blut- und Boden- Ideologie gehört aber die rassische Komponente, die man in Segen der Erde nicht findet.

An "Durchhaltevermögen, notfalls bis zum Untergang" kann ich mich nicht erinnern, an den Zusammenhang, in dem Hamsun die Redewendung gebraucht hat (wenigstens ist nicht von Durchhaltewillen die Rede), dann natürlich auch nicht.
 
Die anderen zitierten  Floskeln gehören seit langem zu den Topoi der Literatur (Landnahme Israels) und Bodenbesitz (der Mann und sein Land) war auch lange direkt mit Herrschaft verbunden (nicht umsonst hat man häufig den Juden die Erlaubnis Grundbesitz zu erwerben vorenthalten).

Es ist natürlich unbestreitbar, dass  faschistische Bewegung solche Vorlagen wie "Segen der Erde" aufnimmt und die Haltung, die Hamsun später einnimmt, macht es schwer, den Roman in Schutz zu nehmen.

Hinweise, dass Laxness seinen Roman durchaus auch als Gegenentwurf scheint es zu geben. Ich habe mir das Buch bestellt, die Leserunde macht es mir schmackhaft.

Ich mache mich aus dem Staub und bitte um Vergebung, für mein Eindringen in die Leserunde.

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #11 am: 3. November 2009, 19:43 »
Hallo Lost, hallo Thomas,

das ist doch kein Eindringen. Jeder Gedanke zum Thema ist willkommen  :winken:
@Lost, da du dir das Buch bestellt hast, machst du dann mit?

Im Nachwort des Buches heißt es, daß "Sein eigener Herr" nicht positiv genug das Heldenhafte und Urwüchsige hervorhebte und in Deutschland verboten wurde.

Laxness selbst schrieb über "Segen der Erde":

Man hat behauptet, "Sein eigener Herr" sei zum Teil Hamsuns "Segen der Erde" nachgebildet. Das ist insofern richtig, als hier die gleiche Frage gestellt wird wie in "Segen der Erde" - wenn auch die Antwort der Antwort Hamsuns direkt entgegengesetzt ist. Ich will nicht behaupten, dass alle gesellschaftlichen - und auch die anderen - Schlußfolgerungen in "Sein eigener Herr" richtig sind, doch beim Schreiben des Buches spielte meine Gewissheit eine Rolle, dass die gesellschaftlichen Schlußfolgerungen Hamsuns in "Segen der Erde" im allgemeinen falsch sind. Beide Bücher haben das eine gemeinsam, daß sie die Bauernfrage behandeln, wie tausend andere Bücher auch; doch sie haben offenkundig entgegengesetzte Vorzeichen.

Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 3. November 2009, 19:45 von JMaria »
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Offline Lost

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #12 am: 4. November 2009, 08:58 »
Hallo Lost, hallo Thomas,

das ist doch kein Eindringen. Jeder Gedanke zum Thema ist willkommen  :winken:
@Lost, da du dir das Buch bestellt hast, machst du dann mit?

Im Nachwort des Buches heißt es, daß "Sein eigener Herr" nicht positiv genug das Heldenhafte und Urwüchsige hervorhebte und in Deutschland verboten wurde.

Laxness selbst schrieb über "Segen der Erde":

Man hat behauptet, "Sein eigener Herr" sei zum Teil Hamsuns "Segen der Erde" nachgebildet. Das ist insofern richtig, als hier die gleiche Frage gestellt wird wie in "Segen der Erde" - wenn auch die Antwort der Antwort Hamsuns direkt entgegengesetzt ist. Ich will nicht behaupten, dass alle gesellschaftlichen - und auch die anderen - Schlußfolgerungen in "Sein eigener Herr" richtig sind, doch beim Schreiben des Buches spielte meine Gewissheit eine Rolle, dass die gesellschaftlichen Schlußfolgerungen Hamsuns in "Segen der Erde" im allgemeinen falsch sind. Beide Bücher haben das eine gemeinsam, daß sie die Bauernfrage behandeln, wie tausend andere Bücher auch; doch sie haben offenkundig entgegengesetzte Vorzeichen.

Gruß,
Maria

Da ich an der Sue-Leserunde teilnehme und die ca. 2000 Seiten bestimmt nicht vor Weihnachten bewältigt habe, werde ich nicht teilnehmen können. Eure Beiträge werden mir jedoch Leitfaden und Reibeisen sein können  :zwinker:

Weiterhin viel Spaß.

Offline JMaria

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #13 am: 4. November 2009, 11:44 »
Da ich an der Sue-Leserunde teilnehme und die ca. 2000 Seiten bestimmt nicht vor Weihnachten bewältigt habe, werde ich nicht teilnehmen können. Eure Beiträge werden mir jedoch Leitfaden und Reibeisen sein können  :zwinker:

Weiterhin viel Spaß.


okay, Lost. Ich wünsche dir viel Freude mit Laxness, wann immer du ihn liest. :-)
Die Sue-Leserunde verfolge ich mit Interesse.

Hier noch ein Abschnitt aus dem Kapitel "Hochzeit". Solche Sätze hauen mich einfach um. Es beginnt so nett idyllisch, aber dann ....

Anfang Juni sprießen die vortrefflichen Pflanzen des Landes am schnellsten. Auf gut gedüngten Hauswiesen steht sogar schon mähbares Gras, das Schaf hat wieder Fleisch an den Knochen und hält den Kopf hoch; das augenlose Gesicht des Kadavers im Wiesenmoor ist im Gras versunken. Ja, dann ist es eine Lust zu leben, dann ist die Zeit gekommen, sich zu verheiraten: .....

 :winken:

Gruß,
Maria
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Offline susi

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Re: Halldór Laxness: Sein eigener Herr
« Antwort #14 am: 4. November 2009, 15:29 »
Hallo ihr Lieben,

als Bjartur das erste mal auftauchte in Kapitel 2 mit seiner Hündin, da fiel es mir schwer, mir ein Bild von ihm zu machen. Ich hatte das Gefühl, dass keinerlei Emotionen oder Gefüle rüber kamen, oder kommen sollten (?) und er nur vage beschrieben wurde. Sogar den Hund hat Laxness genauer beschrieben, als dessen Herrchen.
Ging das nur mir so?

Liebe Grüße