In der zweiten Hälfte nervt Sue seine Leser immer häufiger mit seinen moralisierenden Essays, die nicht mehr Teil der eigentlichen Handlung sind. Weiß jemand, wie diese Teile bei seinen damaligen Lesern angekommen sind? Waren die auch genervt? War das der Grund für das Ende des Romans (Fortsetzungsromane könnte man ja an sich beliebig in die Länge ziehen)?
War es nicht in schon Frankreich Tradition, dass Autoren ihre gesellschaftspolitischen Ansichten in Romanform artikulierten? Voltaire, Rousseau, sind die nicht naheliegende Beispiele? Er hat halt so viele Vorschläge, dass er nicht alle Rodolphe in den Mund legen kann, und für seine angestrebte politische Karriere war es vielleicht auch nützlich selbst zu sprechen. Mit dem Abstand von mehr als 150 Jahren erscheint das nervtötend, ist aber auch nicht schlimmer als zum Beispiel in Fernsehspielen heutzutage transportiert werden.
Wir konzentrieren uns heute meistens darauf, die Romanwelt der Vergangenheit in Form der Bücher wahrzunehmen, die ihre literarische Bedeutung behalten haben. Vielleicht verstehen wir überhaupt noch nicht, was damals das breite Lesepublikum von erzählender Literatur erwartet hat, wie es Spannung, Entspannung und Erfahrung in den Werken, die damals häufig gelesen wurden, gefunden hat.
Ich vermute, in den Literaturgeschichten der Zukunft, werden auch viele Autoren nicht erscheinen, die unserer Zeit Diskussionsstoff geliefert haben. Oder meint jemand, dass Dan Brown, Frank Schätzing in einigen Jahrzehnten noch bedeutend sein werden?
Für mich hat die Lektüre der Geheimnisse auch nur den historischen Aspekt behalten, ohne dass eine individuelle Nähe zur Erzählung zurück geblieben ist, wie es zum Beispiel bei den Abenteuerromenen von Karl May oder den Entdeckerberichten der Fall ist, die noch immer ein Teil meiner Jugend sind und bis in die Gegenwart ausstrahlen.