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Autor Thema: November 2009: Eugène Sue - Die Geheimnisse von Paris  (Gelesen 4024 mal)
sandhofer
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« am: 1. November 2009, 16:41 »

So, hier auch der obligate Materialienthread - zum Anfangen mal mit den obligaten Wikipedia-Links  Breitgrins :


Einige Szenen übrigens aus Sues späterem Werk Mystères du Peuple (1849) wurden von einem gewissen Maurice Joly geklaut und in sein eigenes, gegen Napoleon III. gerichtetes Pamphlet Dialogue aux enfers entre Machiavel et Montesquieu (1864) eingearbeitet. Ein Preusse namens Goedsche - besser bekannt als Sir John Retcliffe (womit wir wieder im Umfeld vom Abenteuerroman à la Karl May sind) - hat nun wiederum für ein Kapitel seines Romans Biarritz (1868) neben Dumas Père auch Joly beklaut für ein Kapitel, in dem sich Vertreter der 12 jüdischen Stämme auf einem Friedhof treffen und ihre Pläne zu einer sukzessiven Übernahme der Weltherrschaft diskutieren. Direkt von Joly oder via Goedsche taucht das 1869 in einer russischen Broschüre auf, die ihrerseits die Ahnherrin jener infamen Fälschung, der Protokolle der Weisen von Zion, ist. Es ist wohl nicht nötig, zu erklären, dass bei Sue keine Spuren des dort zu Tage tretenden Antisemitismus zu finden sind.
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Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen
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« Antworten #1 am: 1. November 2009, 21:15 »

Hier ein kurzer Auszug über das Umfeld des Romans aus: Jean Tulard, Geschichte Frankreichs Bd.4, Frankreich im Zeitalter der Revolutionen 1789 - 1851, Deutsche Verlags-Anstalt 1989

„Diese Erkenntnis [dass mit der Industrialisierung Frankreichs ein neues Problem entstanden war, das Arbeiterproblem. lost] verwandelte sich in Panik, als 1840 ein seriöser Beamter namens Frégier mit seiner Schrift „Des classes dangereuses de la population dans les grandes villes et des moyens de les rendre meilleures“ („Über die gefährlichen Klassen der Bevölkerung und die Mittel, diese zu verbessern“) ein Alarmsignal setzte. Er beschrieb darin eine kriminelle Klasse, die sich in Paris gebildet hatte und die Sicherheit von Personen und Eigentum bedrohte. Balzac schätzte damals die Welt der Zuchthäuser und Gefängnisse auf 60000 Personen, 63000 gefangene behauptete Frégier. Horace Raisson schätzte die Zahl in seiner „Histoire de la police“ („Geschichte der Polizei“) dagegen nur auf 30000. Der Polizeipräfekt Gisquet wiederum weigerte sich überhaupt, eine Zahl anzugeben.
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Babur
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« Antworten #2 am: 5. November 2009, 14:12 »

Wer Lust hat sich Les Mystères de Paris vorlesen zu lassen, natürlich auf Französisch, kann das Buch hier direkt hören oder auch auf seinen PC runter laden ; der Originaltext des Romans steht direkt darunter :

http://www.audiocite.net/livres-audio-gratuits-feuilletons/eugene-sue-les-mysteres-de-paris-part1.html

http://www.audiocite.net/livres-audio-gratuits-feuilletons/eugene-sue-les-mysteres-de-paris-part2.html

http://www.audiocite.net/livres-audio-gratuits-feuilletons/eugene-sue-les-mysteres-de-paris-part3.html    etc.

Der Vorleser ist Jean-François Ricou. Es dauert auch seine Zeit ihm zuzuhören, aber das Ganze ist gratis   Zwinker
part1 : 6 Stunden 17 Minuten
part 2 : 6 Stunden 46 Minuten
part 3 : 6 Stunden 50 Minuten
part 4 : 6 Stunden 37 Minuten
part 5 : 6 Stunden 40 Minuten
part 6 : 6 Stunden 33 Minuten
part 7 : 5 Stunden 41 Minuten
part 8 : 6 Stunden 14 Minuten
part 9 : 6 Stunden 07 Minuten
part 10 : 1 Stunde 21 Minuten

Insgesamt : 59 Stunden 06 Minuten


« Letzte Änderung: 5. November 2009, 14:25 von Babur » Gespeichert
BigBen
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« Antworten #3 am: 16. November 2009, 13:13 »

Ich habe ein paar Karten gefunden, die Paris und seine Umgebung zur Zeit der Romanhandlung zeigen.

Paris environs. by Society for the Diffusion of Useful Knowledge (Great Britain) from 1832
http://www.davidrumsey.com/detail?id=1-1-21029-540006&name=Paris+environs+

Paris, Western division. by Society for the Diffusion of Useful Knowledge (Great Britain) from 1834
http://www.davidrumsey.com/detail?id=1-1-21027-540004&name=Paris++Western+division+

Paris, Eastern division. by Society for the Diffusion of Useful Knowledge (Great Britain) from 1834
http://www.davidrumsey.com/detail?id=1-1-21028-540005&name=Paris++Eastern+division+
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"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)
Babur
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« Antworten #4 am: 22. November 2009, 12:15 »

Hallo BigBen,

vielen Dank für das Heraussuchen der alten Stadtpläne von Paris. Sehr gefährlich für mich, ich könnte bei deren Studium in ihnen versinken  Zwinker

Viele Strassennamen, die Eugène Sue nennt, gibt es heute noch, auch wenn die Strassenführung sich seit den Zeiten des Romans etwas verändert hat. Auch sieht es heute dort ganz anders aus, für einmal Haussmann sei Dank.

In der neuen Ausgabe von Gallimard, die ich lese, gibt es allenthalben Anmerkungen zu den Strassen, und wie man sie heute orten kann. Bei Fragen schaue ich gerne nach, ob es eine Notiz in meinem Buch gibt, aber bitte den Kapiteltitel angeben, damit ich die Stelle schneller finden kann.

Grüsse

Babur
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« Antworten #5 am: 8. Juni 2010, 16:05 »

Erst heute habe ich erfahren, dass es zu diesem Roman eine fünfteilige Fernsehserie gibt. Sie wurde u.a. 1982 in der ARD ausgestrahlt. Eine Version auf DVD habe ich leider nicht gefunden.
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Dostoevskij
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Lesen ist das unbestrafte Laster


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« Antworten #6 am: 7. August 2010, 16:42 »

Moin, Moin!

Ein französischer Roman, der vor 50 Jahren weltberühmt war, ein richtiger Reißer und Sensations-Schmöker, ist im Avalun-Verlag in Hellerau in neuer Bearbeitung, mit Bildchen älterer französischer Illustratoren, erschienen: Eugen Sues "Geheimnisse von Paris". Einst ein Welterfolg, dann seiner skrupellosen Sensationsmacherei wegen von aller Welt verurteilt, verstoßen und höchstens noch im geheimen beliebt, steht der alte Unterhaltungsvirtuose Sue nun also wieder da, kaum daß wir ihn glücklich vergessen hatten. Ein Fressen für hoch und nieder, ein überlebensgroßes Kinostück! Errötend greift die gebildete Leserin nach dem Schmöker. Sue ist wieder salonfähig geworden. Im Grunde ist es natürlich dennoch ein furchtbarer Schmarren. (Hesse: Sommerliche Eisenbahnfahrt, 1927)
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