Autor Thema: Januar 2010 - Marcel Proust: Freuden und Tage  (Gelesen 7879 mal)

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1670
Januar 2010 - Marcel Proust: Freuden und Tage
« am: 1. Januar 2010, 16:48 »
Mit besten Wünschen für das neue Jahr eröffne ich unsere Proust-Runde. Ich lese die Suhrkamp-Ausgabe von 1998. Übersetzung und Anmerkungen stammen von Luzius Keller.

Schon das Grußwort von Anatole France hat poetische Züge und macht neugierig: „Das Buch zeigt Züge eines müden Lächelns, Gebärden der Ermattung, beides nicht ohne Schönheit und Adel.“ Gefallen hat mir die Bezeichnung „Genrebilder“. Die „Treibhausatmosphäre“ mit ihren „kunstvollen Orchideen, deren seltsame und krankhafte Schönheit sich nicht von Erde nährt“ verstehe ich als Verbeugung vor Baudelaires „Fleurs du mal“, auch wenn Keller im Kommentar Maeterlincks (mir nicht bekannte) Gedichtsammlung „Serres chaudes“ (Heiße Gewächshäuser) als Referenz erwähnt. Apropos Orchideen: Ich erinnere mich noch gut an die Chrysanthemen, die im zweiten Band der „Recherche ...“ (Odettes Salon) eine Rolle spielten. Blumen scheinen so etwas wie morbide Symbole der Belle Époque bzw. der um sich greifenden Dekadenz des Fin de Siècle gewesen zu sein.

Dann folgt das eigentliche Vorwort. Kennt jemand Prousts verstorbenen Freund Willie Heath, dessen Äußeres mit van Dyck-Portraits verglichen wird? Ich habe bislang nichts herausgefunden. Diese „Ähnlichkeit“ eines Menschen mit einem Kunstwerk  nimmt m.E. einen Wesenszug unseres alten „Bekannten“ Charles Swann vorweg.

Ich werde mich nun mit dem Leben und Sterben des Baldassare Silvande beschäftigen. Der Tod (als „Hilfe und Gnade“) hat ja schon im Vorwort eine Rolle gespielt. Das erinnert an den frühen Thomas Mann, der fast zeitgleich Geschichten schrieb wie „Der Tod“ und „Der kleine Herr Friedemann“ (beide 1897, also ein Jahr nach „Les plaisirs ...“). Der Tod als höchste Stufe der menschlichen Verfeinerung/Vollendung und als Befreiung von Künstlichkeit und Lebensferne: Keller meint, hierbei handele es sich um ein wesentliches Motiv dieser Zeit. Interessant, wenn auch schwer nachvollziebar …

Viele Grüße

Tom

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1670
Januar 2010 - Marcel Proust: Freuden und Tage
« Antwort #1 am: 1. Januar 2010, 16:50 »
Da im "Recherche ..."-Projekt schon eine Menge Material über Proust vorhanden ist, hier zunächst nur ein kurzes Stück auf französisch (in Ermangelung sowohl eines deutschen als auch eines englischen wikipedia-Artikels):

http://fr.wikipedia.org/wiki/Les_Plaisirs_et_les_Jours

Viele Grüße

Tom
« Letzte Änderung: 8. Juni 2010, 15:45 von Sir Thomas »

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3738
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #2 am: 2. Januar 2010, 15:58 »
Hallo Thomas,

danke für das Eröffnen des Lesethreads. Ich beginne sehr gerne das Jahr mit Proust und bin gespannt, ob mich das "Erinnern und Vergessen" auch in Freuden und Tage begegnet.

Mit besten Wünschen für das neue Jahr eröffne ich unsere Proust-Runde. Ich lese die Suhrkamp-Ausgabe von 1998. Übersetzung und Anmerkungen stammen von Luzius Keller.

Ich lese ebenfalls diese Suhrkamp-Ausgabe.

Zitat
Schon das Grußwort von Anatole France hat poetische Züge und macht neugierig: „Das Buch zeigt Züge eines müden Lächelns, Gebärden der Ermattung, beides nicht ohne Schönheit und Adel.“ Gefallen hat mir die Bezeichnung „Genrebilder“. Die „Treibhausatmosphäre“ mit ihren „kunstvollen Orchideen, deren seltsame und krankhafte Schönheit sich nicht von Erde nährt“ verstehe ich als Verbeugung vor Baudelaires „Fleurs du mal“, auch wenn Keller im Kommentar Maeterlincks (mir nicht bekannte) Gedichtsammlung „Serres chaudes“ (Heiße Gewächshäuser) als Referenz erwähnt. Apropos Orchideen: Ich erinnere mich noch gut an die Chrysanthemen, die im zweiten Band der „Recherche ...“ (Odettes Salon) eine Rolle spielten. Blumen scheinen so etwas wie morbide Symbole der Belle Époque bzw. der um sich greifenden Dekadenz des Fin de Siècle gewesen zu sein.


später wurde die Chrysantheme ein Ausdruck des Schmerzen und der Eifersucht Swanns, als er eine Chrysantheme in der Kommode aufbewahrt und diese meidet.

nicht zu vergessen die Cattleya, eine Orchideensorte, mit ihren wellig-gekräuselten Lippen, die Swann in der schaukelnden Kutsche zum Anlass nahm Odettes Blumengesteck in ihrem Ausschnitt zu ordnen... später wird "Cattleya machen" zu einem  Synonym für "Liebe machen".


Zitat
Dann folgt das eigentliche Vorwort. Kennt jemand Prousts verstorbenen Freund Willie Heath, dessen Äußeres mit van Dyck-Portraits verglichen wird? Ich habe bislang nichts herausgefunden. Diese „Ähnlichkeit“ eines Menschen mit einem Kunstwerk  nimmt m.E. einen Wesenszug unseres alten „Bekannten“ Charles Swann vorweg.


das Bild wurde von Paul Nadar gemacht und findet sich hier:

http://www.marcelproust.it/gallery/heath.htm

in der Proust Biographie von Tadié gibt es einen kleinen Abschnitt zu Willie Heath auf der Seite 201, das obige Bild ist darin auch enthalten.

mir gefiel in Anatole France Einführung, dass er den Zusammenhang erkannte zwischen Hesiods "Werke und Tage" vs "Freuden und Tage". Pries Hesiod die bäuerliche Lebensweise, die den gesellschaftlichen Verfall aufhalten könnte, beschwört Proust die mondänen Vergnügungen der Fin de siècle-Gesellschaft.

ich komme zu "Willie Heath".

Schöne Grüße,
Maria
Aktuell:

Offline Manjula

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 321
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #3 am: 2. Januar 2010, 17:38 »
Hallo zusammen,

auch von mir alles Gute für 2010 - schön, dass wir das Jahr mit Proust beginnen.

Ich lese eine Ausgabe aus dem Propyläenverlag von 1955 (die einzige, die meine Bücherei hatte). Leider fehlt hier das von Euch zitierte Vorwort und auch der Titel (Tage der Freuden) ist anders übersetzt. Mal sehen, wo sie sich sonst noch unterscheidet.

Zitat
Der Tod als höchste Stufe der menschlichen Verfeinerung/Vollendung und als Befreiung von Künstlichkeit und Lebensferne

Das könnte auch die Überschrift für das erste Kapitel sein. Der Tod erscheint hier zunächst als etwas "Romantisches" (ein unpassendes Wort, aber mir fällt leider kein besseres ein), seine Todesszene malt sich der Baron wie ein Kunstwerk aus. Als er scheinbar wieder gesund wird, hat er sogar zuerst Angst vor dem Weiterleben, denn als Kranker war er geschützt, er wurde umhätschelt und in Watte gepackt. Krankheit als Schutz vor dem rauhen Leben: ob Proust das in Bezug auf sich selbst auch so empfunden hat?

Sehr schön fand ich noch den Satz:
Zitat
Er durfte jetzt lange und reizvolle Stunden tete-à-tete mit sich selbst verbringen, mit dem einzigen Gast, den er während seines Lebens zum Abendessen einzuladen vergessen hatte.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Viele Grüße
Manjula
"Kunst soll keine Schulaufgabe und Mühseligkeit sein, keine Beschäftigung contre cœur, sondern sie will und soll Freude bereiten, unterhalten und beleben, und auf wen ein Werk diese Wirkung nicht übt, der soll es liegen lassen und sich zu andrem wenden."

Offline Steffi

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1667
    • http://www.namen-der-rosen.de
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #4 am: 2. Januar 2010, 18:21 »
Hallo  !

Leider werde ich mein Buch erst am Dienstag haben und muss mich bis dahin gedulden.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3738
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #5 am: 2. Januar 2010, 19:06 »
Hallo zusammen,


Das könnte auch die Überschrift für das erste Kapitel sein. Der Tod erscheint hier zunächst als etwas "Romantisches" (ein unpassendes Wort, aber mir fällt leider kein besseres ein), seine Todesszene malt sich der Baron wie ein Kunstwerk aus. Als er scheinbar wieder gesund wird, hat er sogar zuerst Angst vor dem Weiterleben, denn als Kranker war er geschützt, er wurde umhätschelt und in Watte gepackt. Krankheit als Schutz vor dem rauhen Leben: ob Proust das in Bezug auf sich selbst auch so empfunden hat?

ich bin etwas verwirrt. Du sprichst vom 1. Kapitel; ich vermute du meinst damit Der Tod des Baldassare Silvande, Freiherrn von Sylvanien ?

das Kapitel davor "Mein Freund Willie Heath" ist aber schon in der Propyläen-Ausgabe vorhanden?
dieses habe ich gerade gelesen.

"mein Freund Willie Heath":
Zitat
Der Tod als höchste Stufe der menschlichen Verfeinerung/Vollendung und als Befreiung von Künstlichkeit und Lebensferne

vielleicht weil man auf etwas zurückblicken kann?
bei der Geburt sind die Seiten des Lebens leer, beim Tod gefüllt und wenn man den Toten in guter liebender Erinnerung behält oder sogar etwas für die Menschheit hinterlässt, dann ist es doch eine Art meinschliche Vollendung.

Zitat
S. 12
Aber wenn er uns auch von den Verpflichtungen gegenüber dem Leben entbindet, so kann er uns nicht entbinden von denjenigen gegenüber uns selbst und vor allemm nicht von der wichtigsten, nämlich Wer und Verdienst nachzuleben.

sehr schön fand ich den Gedanken auf S. 11:
Zitat
Da erkannte ich, daß Noah die Welt nie so gut sehen konnte wie aus der Arche, obwohl sie geschlossen war und Nacht über der Erde lag.

dieses Motto spiegelt sich auch in Marcel Proust Leben wider.

Obwohl ich jetzt nicht auf den Gedanken des Strafgerichts gekommen wäre, wie es im Anhang von Luzius Keller  erklärt wird und wieder in Verbindung mit Hesiod bringt.

Zitat
Die Anspielung auf Noah führt die bereits im Titel durch den Bezug zu Hesiod gegebene Dekadenzvorstellung weiter. Wie die von Hesiod in den "Werken und Tagen" angedrohte Apokalypse ist die Sintflut die Strafe für den Sittenzerfall..


Viele Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 2. Januar 2010, 19:08 von JMaria »
Aktuell:

Offline Manjula

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 321
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #6 am: 4. Januar 2010, 07:38 »

ich bin etwas verwirrt. Du sprichst vom 1. Kapitel; ich vermute du meinst damit Der Tod des Baldassare Silvande, Freiherrn von Sylvanien ?

das Kapitel davor "Mein Freund Willie Heath" ist aber schon in der Propyläen-Ausgabe vorhanden?

Nein, leider nicht - ich habe eben die Suhrkamp-Ausgabe bestellt und hoffe, dass ich Euch nicht zu sehr hinterherhinken werde.

Viele Grüße
Manjula
"Kunst soll keine Schulaufgabe und Mühseligkeit sein, keine Beschäftigung contre cœur, sondern sie will und soll Freude bereiten, unterhalten und beleben, und auf wen ein Werk diese Wirkung nicht übt, der soll es liegen lassen und sich zu andrem wenden."

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1670
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #7 am: 4. Januar 2010, 08:19 »
Ich bin am Wochenende ganz ordentlich vorangekommen, lege nun eine Pause ein und warte mit Anmerkungen, bis wir alle über die Suhrkamp-Ausgabe verfügen, was den Austausch erheblich erleichtern wird.

Viele Grüße

Tom   

Offline Manjula

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 321
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #8 am: 5. Januar 2010, 13:16 »
Hallo zusammen,

meine Ausgabe ist heute angekommen, d.h. ich kann mich ab morgen wieder beteiligen. Danke fürs Zuwarten  :smile:

Viele Grüße
Manjula
"Kunst soll keine Schulaufgabe und Mühseligkeit sein, keine Beschäftigung contre cœur, sondern sie will und soll Freude bereiten, unterhalten und beleben, und auf wen ein Werk diese Wirkung nicht übt, der soll es liegen lassen und sich zu andrem wenden."

Offline Steffi

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1667
    • http://www.namen-der-rosen.de
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #9 am: 6. Januar 2010, 18:06 »
Hallo zusammen,

ich habe nun bis zum Beginn von "Violante oder die mondäne Welt" gelesen. Das Vorwort fand ich etwa verwirrend, da mir Hesiod gar kein Begriff ist. Trotzdem, finde ich, hat Anatole France die Atmosphäre des Schreibens von Marcel Proust sehr schön erfasst.

Das Vorwort an Willie Heath führt ja schon ein wenig in die Thematik ein. Wobei dann der Stil de Baldassare Silvande mich überrascht hat. Etwas so leichtes hätte ich mir, allein schon wegen des Titels nicht vorgestellt.

Auffällig ist auch die Anordnung der Texte - dazu steht ja im Nachwort einiges.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Manjula

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 321
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #10 am: 6. Januar 2010, 18:33 »
Guten Abend,

ich habe heute bis zum Ende von "Violante" gelesen. Das Vorwort von Anatole France war für mich sehr interessant (unverständlich, dass es in meiner vorigen Ausgabe nicht drin war). Die von ihm beschriebene Treibhausatmosphäre ist uns ja schon bei den Guermantes aufgefallen. "Seltsame und krankhafte Schönheit" - kurz und treffend zusammengefasst.


Auch "Willie Heath" stimmt gut auf das Kommende ein.


sehr schön fand ich den Gedanken auf S. 11:
Zitat
Da erkannte ich, daß Noah die Welt nie so gut sehen konnte wie aus der Arche, obwohl sie geschlossen war und Nacht über der Erde lag.

dieses Motto spiegelt sich auch in Marcel Proust Leben wider.

Dieser Gedanke hat mir auch sehr gut gefallen. Wer die Welt verstehen will, sollte danach nur in sein Inneres blicken.

Die Sterbeszene von Baldassare fand ich sehr ergreifend. Bei den Glocken, die er am Ende nicht mehr hört, sondern mit dem Herz erlauscht, musste ich auch wieder an die "Verlorene Zeit" denken.

In "Violante" wird dagegen wieder die Inhaltsleere der mondänen Welt aufgegriffen, wo die Jahreszeiten nur dafür gut sind, "um ihrer Eleganz die jeweilige Duftnote und den jeweiligen Farbton zu verleihen". Aber obwohl Violante das sieht, kommt sie gegen die "Macht der Gewohnheit" nicht an. Gleich zu Beginn wird ja angedeutet, dass ihr hier der Wille fehlt. Und auch die Liebe kommt nicht allzu gut weg:

Zitat
Platonische Liebe ist eine armselige Sache. Wie wir sehen werden, konnte sie etwas später bedenken, dass sinnliche Liebe noch armseliger ist.

Zitat
Noch kannte sie die Liebe nicht. Wenig später begann sie, unter ihr zu leiden, welches die einzige Weise ist, sie kennenzulernen.

Für Frischverliebte wäre dieses Kapitel nichts  :zwinker:

Viele Grüße
Manjula
"Kunst soll keine Schulaufgabe und Mühseligkeit sein, keine Beschäftigung contre cœur, sondern sie will und soll Freude bereiten, unterhalten und beleben, und auf wen ein Werk diese Wirkung nicht übt, der soll es liegen lassen und sich zu andrem wenden."

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1670
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #11 am: 7. Januar 2010, 16:09 »
Wobei dann der Stil de Baldassare Silvande mich überrascht hat. Etwas so leichtes hätte ich mir, allein schon wegen des Titels nicht vorgestellt.

Hallo, Ihr Lieben,

diese Leichtigkeit trifft mMn. auf die gesammte Sammlung zu (soweit ich sie bislang gelesen habe, und ich bin annähernd fertig ...). Das meiste klingt wie vorbereitende Fingerübungen im Hinblick auf das Proustsche Großwerk "A la recherche ....". Am besten gefallen mir die ganz kurzen, impressionistischen Skizzen (z.B. die Prosagedichte über Maler und Musiker, aber auch "Die Klagen ..."). Ich lasse das Gelesene jetzt ein wenig wirken und warte auf Euch.

Eilige Grüße

Tom

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3738
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #12 am: 7. Januar 2010, 20:09 »
Hallo zusammen,

ich mußte auch erst nachschauen, wer dieser Hesiod war. Wikipedia gibt eine kurze Zusammenfassung des Werkes "Werke und Tage", das u.a. auch bekannte Mythen enthält wie den Mythos von Prometheus und der Büchse der Pandora...

http://de.wikipedia.org/wiki/Werke_und_Tage

Kapitel:  "Violante oder die Mondäne Welt"
darin fand ich die intertextuelle Bezugspunkte zu De imitatione Christi von Thomas a Kampis interessant.

Wenn ich mir ein paar Auszüge aus dem Text anschaue, dann ist ein Streben nach einem hohen Maßstab, hier das christliche Leben, das Ziel.

http://www.thomas-von-kempen.de/allgemein/werk-ausz.html

In der Geschichte "Violante..."   fand ich ebenfalls ein Streben. Ein Streben nach einem kunstvollen Leben. Volante wollte sich nicht der (mondänen) Welt entsagen.
Sie wird zum Kunstwerk.

[Augustin]:
Aber man findet das Glück nur, wenn man tut, was  man mit den tiefsten Neigungen seiner Seele liebt"

[Volante]
"Wie kannst du das wissen, der du doch nicht gelebt hast?"

[Augustin]
"Ich habe nachgedacht, und das ist eigentlich leben". ....

Nebengedanke, hat eigentlich nichts mit Proust zu tun, nur mit einer Anmerkung im Anhang zum Text "Volante.." und zwar über Shakespeares "Wintermärchen". Shakespeare  hat Böhmen und Sizilien ans gleiche Meer gelegt. Ich überlege mir ob hier nicht die Möglichkeit besteht, dass deswegen der Tscheche (habe eine Tante dort) als gängige Grußformel "Ahoi" sagt, so wie wir "Hallo". Sprachwissenschaftler haben natürlich ganz andere Ideen ;-) (siehe Wikipedia).

doch der Gedanke an Shakespeare hat mir gefallen.

Gruß,
Maria
Aktuell:

Offline Sir Thomas

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1670
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #13 am: 8. Januar 2010, 08:17 »
Hallo Maria,

vielen Dank für den Link zu Thomas von Kempen. Die "Imitatio Christi" war mir bislang unbekannt.

Augustinus (v.a. dessen "Confessiones") und T. v. Kempen spielen übrigens auch in der Geschichte "Bekenntnisse eines jungen Mädchens" eine wichtige Rolle. Sie ist inhaltlich eng "verwandt" mit der Violante-Erzählung. Darauf weist auch Kellers Kommentar hin, der gewohnt kenntnisreich und nützlich ist. Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, dass Keller mir ein wenig die "Arbeit" abnimmt und Bezüge herstellt, auf die ich gern selbst gekommen wäre. Ich habe deshalb überlegt, die Anmerkungen zunächst einmal zu ignorieren, halte das aber nicht dauerhaft aus, weil ich viele Querverweise so ohne weiteres nicht selbst entdecken würde.

Viele Grüße

Tom         

Offline Steffi

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1667
    • http://www.namen-der-rosen.de
Re: Marcel Proust - Freuden und Tage
« Antwort #14 am: 9. Januar 2010, 10:43 »
Darauf weist auch Kellers Kommentar hin, der gewohnt kenntnisreich und nützlich ist. Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, dass Keller mir ein wenig die "Arbeit" abnimmt und Bezüge herstellt, auf die ich gern selbst gekommen wäre. Ich habe deshalb überlegt, die Anmerkungen zunächst einmal zu ignorieren, halte das aber nicht dauerhaft aus, weil ich viele Querverweise so ohne weiteres nicht selbst entdecken würde.

Ich muss zugeben, dass ich sicherlich keinerlei Querverweise aufspüren könnte. Da die einzelnen Geschichten ja jeweils in einem anderen Stil geschrieben sind, was mich konzeptionell ein wenig an den Ulysses erinnert, habe ich viel zuwenig Kenntnisse, um die einzelnen Vorlagen erkennen zu können. Hesiod, Augustinus, Thomas von Kempen etc. sagen mir leider sehr wenig bis gar nichts. Insofern fällt es mir sehr schwer, dazu etwas zu kommentieren und ich geniesse einfach den Stil.

@Maria: Danke für die links, sie waren sehr hilfreich !

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi