Ich habe gestern den Zyklus der "Klagen und Träumereien ..." beendet und bin begeistert von diesen mit leichter Hand "getuschten" Zeichnungen. Ein zentraler Gedanke dieses impressionistisch-melancholischen Reigens ist für mich im Kapitel VI enthalten: "Im Verlangen kommt alles zum Blühen, im Besitz welkt alles dahin", heißt es zu Beginn, und am Ende steht: "Alles im Leben verkommt in unmerklichen Nuancen." Das ist so etwas wie die Kurzfassung der Proustschen Lebensphilosophie, die in der "Recherche ..." später detailliert als immerwährende Mechanik der (Ent-)Täuschung, der Trauer, der Liebe, der Eifersucht, des Selbstbetrugs, der Verstellung, der Gewohnheit, des Vergessens und der Erinnerns ausgearbeitet wird (nach M. Maar).
Innerhalb der "Freuden und Tage" scheinen mir die "Klagen und Träumereien ..." ein sehr zentraler Abschnitt zu sein. Mir haben Sie jedenfalls wesentlich besser gefallen als die handlungsorientierten Stories um Baldassare Silvande, Violante etc. Mit "Bouvard & Pécuchet" meine ich sogar ein recht schwaches Werkchen entdeckt zu haben. Als sog. "Pastiche" auf Flaubert mag der Text funktionieren. Mich hat er jedoch einfach nur gelangweilt (was Gott sei Dank eine Seltenheit bei Proust ist!).
Es grüßt
Tom