Hallo !
Nachdem ich nun "Holzfällen" gelesen habe, ein kurzer Bericht (sofern es jemand interessiert):
Fasziniert hat mich, neben der Sprache, der Aufbau des Buches. Wie in einer sich öffnenden Spirale erfährt der Leser immer mehr Einzelheiten, wobei durch Wiederholungen einiger bereits erzählten Bruchstücke dieser Eindruck noch verstärkt wird. Durch die Wiederholungen werden aber auch die für den Ich-Erzähler wichtigen Dinge akzentuiert. Diese Spirale wird nur einmal kurz unterbrochen, als nämlich der Burgschauspieler provoziert wird und seine philosophische Weisheit losläßt " Wald, Hochwald, Holzfällen". Dann kehrt der Ich-Erzähler wieder zur Spirale zurück, für mich ein Sinnbild dafür, wie schwer es ist, aus dem Trott und den Zwängen der Gesellschaft auszubrechen. Darum geht es dem Autor auch im wesentlichen: anhand den Mechanismen der (wienerischen) Kunstszene wird gezeigt, wie Kunst als Instrument mißbraucht wird, um zu Macht und Bekanntheit zu kommen, den persönlichen Egoismus auszuleben. Davon distanziert sich der Ich-Erzähler in seinem Beobachtungsposten, dem Ohrensssel, er hat dies alles in den fünfziger Jahren selbst miterlebt. Gleichzeitig kommt er aber wieder in den Sog seiner alten Mäzene und spielt unwillkürlich wieder seine alte Rolle. Die kurze Erkenntnis, danach zu streben, eins mit der Natur zu sein und dadurch wahre Kunst zu schaffen, vergeht nur allzu rasch.
Das Buch hat mich sehr gefesselt, auch weil die Sprache sehr harmonisch ist und man sich sehr gut in die Situation einfinden kann. Durch Beschreibungen von Kleinigkeiten meint man, fast selbst in diesm Ohrensessel zu sitzen, in diesen antik eingerichteten, sich zu Schau stellenden Räumen der illustren Gesellschaft lauschend und an diesem künstlerischen Abendessen teilzunehmen. Bernhard beschreibt auch gut die Gefühle des Ich-Erzählers, die Liebe und Zuversicht, die er vor über 20 Jahren gefühlt hat und die sich in Hass und die Verachtung, die er diesen Menschen entgegenbringt, verwandelt haben.
Alles in allem sehr zu empfehlen !:lol:
Gruß von Steffi