Hallo zusammen,
hallo Sandhofer,
hallo Rainer!
Zitat:
Belletristik, die die Welt verändert. Wenn Du die Welt 'da draussen' meinst, die Welt, in der Bush, Schröder, Wirtschaftsmanager und was weiss ich noch wer 'wirken', würde ich behaupten: Belletristik hat die Welt noch nie verändert. Leider .
Hallo Sandhofer,
da ich Dich nur ungern als Diskussionspartner verlieren möchte, hoffe ich, dass Du mir nicht böse bist, wenn ich hier ausnahmsweise mal anderer Meinung bin als Du. Als Diskussionsgrundlage drei Thesen von mir:
1. Bücher (im folgenden immer als Synonym für Belletristik gemeint) können, wenn auch selten, mit einem Paukenschlag die Welt verändern. Drei Beispiele:
a) „Uncle Tom`s Cabin“ von Harriet Beecher Stowe, das erfolgreichste amerikanische Buch des 19. Jahrhunderts, hat, trotz rassistischer Darstellung der „Neger“, wesentlich zur Abschaffung der Sklaverei in den USA beigetragen.
b) Die „Aufzeichnungen eines Jägers“ von Ivan Turgenjew, fünfundzwanzig Erzählungen aus der Welt der leibeigenen Bauern, hatten in Russland eine ähnliche Wirkung wie „Onkel Toms Hütte“ in Amerika. „Turgenjews hat mit diesem Buch dem russischen Volk vor Augen geführt, dass Leibeigene auch Menschen sind“ (Dieser Satz stammt nicht von mir, ich weiß aber die Quelle nicht mehr). Diese beiden Bücher sind fast zeitgleich entstanden und haben mehr (und ohne Blutvergießen) für die Ideale der franz. Revolution getan, als diese selbst.
c) Die Romane der südafrikanischen Literatur-Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer (z.B. Burger’s Daughter von 1979, aber auch andere) haben wesentlich zur Abschaffung des Apartheid-Systems in Südafrika beigetragen.
2. Bücher bewirken über das Bewusstsein der Leser gesellschaftliche Veränderungen. Dazu sind aber oft längere Zeiträume und mehrere Bücher zum gleichen Thema erforderlich, so dass die Wirkung der Bücher nicht sofort ins Auge fällt. Ein Beispiel: Die Romane der 19. Jahrhunderts von Balzac („Die Frau von 30 Jahren“), Flaubert („Madame Bovary“), Tolstoij („Anna Karenina“) und Fontane („Effi Briest“) haben zusammen mit Ibsens Schauspielen (vor allem: „Nora“ und „Die Frau vom Meer“) die Voraussetzungen zur „Emanzipation der Frau“ geschaffen.
3. (Ergänzend zu Rainers Beitrag) Bücher verändern einzelne Personen und somit natürlich im Laufe der Zeit auch die Gesellschaft in der diese Personen leben. Dies braucht lange Zeiträume, ist dann aber von Dauer, wogegen Änderungen die Leute wie Hitler, Stalin etc. bewirken zwar schnell geschehen, aber bald von der Zeit überholt werden.. Wer kennt heute noch die Grenzen von Alexanders Reich? Aber die Abschaffung der griech. Götter, durch Literaten wie Homer, war nicht mehr rückgängig zu machen. In diese Kategorie gehören Bücher wie Hesses „Siddharta“!
Zitat:
'Theoretische' Bücher, wie die von Dir bereits genannten (die Liste wäre noch um einiges zu verlängern: Marx. Spengler, aber auch z.B. Physiker wie Newton, Galilei...): ja, ohne Frage.
Ich hatte absichtlich nur Bücher, des 20. Jahrhunderts genannt. Ansonsten hast Du recht. Hier steht für mich an vorderster Stelle: „Il Principe“ von Niccolo Machiavelli. Obwohl 1532 bereits erschienen, also 50 Jahre älter als Montaigne, beeinflusst der Toskaner bis heute Politiker und Wirtschaftsbosse.
Ich freue mich auf eine spannende Diskussion!
Liebe Grüße
Hubert