Autor Thema: April 2003: Theodor Fontane - Effi Briest  (Gelesen 24786 mal)

Offline Ingrid

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Juni 2003: Theodor Fontane: „Effi Briest“
« Antwort #75 am: 21. Juli 2003, 07:52 »
Hallo zusammen,
hallo Hubert,

Zitat
Mit Deinen Antworten komme ich, bis auf eine Ausnahme, gut klar, und die musst Du mir gelegentlich noch erklären: Wieso ist ein alter, verheirateter, egoistischer und verantwortungsloser Major für eine Frau attraktiver als ein junger, lediger, zuvorkommender und unterhaltsamer Leutnant
 

Hubert, wenn du eine Frau wärst,  :zwinker:  :zwinker:  hättest du die Frage wahrscheinlich nicht gestellt.
Effi wollte keinen Spielkameraden, wenn ich es mal so drastisch ausdrücken darf, sie wollte einen Mann. Der Major hatte eben etwas, was dem guten Dagobert so wie ich ihn sehe, restlos gefehlt hat: Charme! Und da war mit Sicherheit auch eine gewisse sexuelle Anziehungskraft, die Crampas ausgestrahlt hat, eben einfach ein Funke, der übergesprungen ist zwischen Effi und ihm.  Eine junge unerfahrene Frau mit einer unbefriedigenden Ehe, erliegt bedeutend schneller dem Charme eines erfahrenen Mannes  als einem wenn auch noch so attraktiven jungen Mann. :redface:.

Hubert, du zwingst mich dazu, zu reden, wie in einem Groschenroman :breitgrins:  :breitgrins: , weil ich nicht weiß, wie ich  es besser erklären kann!

Liebe Grüße
von einer total übernächtigten, weil hitzegeplagten  
Ingrid
Ich träume, also bin ich...

Offline JMaria

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Juni 2003: Theodor Fontane: „Effi Briest“
« Antwort #76 am: 3. August 2003, 11:05 »
Hallo zusammen

da wir auch kurz darüber geschrieben haben, daß in Effi Briest auch christliche Bilder zu finden sind, hier noch zur Vervollständigung  

Peter-Klaus Schuster der das Leben der Effi Briest als ein "Leben nach christlichen Bildern" deutete:

auszugsweise aus dem Buch "Fontanes Welt" Zitat
-Der Gartenbezirk des Herrenhauses in Hohen-Cremmen dem Hortus conclusus mittelalterlicher Marienleben entspricht, der Symbol der Jungfräulichkeit und Schauplatz der Verkündigung ist. Die christliche Exegese versteht den Garten als Gegentypus zum Paradies, Maria als die neue Eva, die durch ihren heilsgeschichtlichen Auftrag dazu bestimmt ist, die Schuld des Sündenfalls zu sühnen. Es verweist auf traditionelle Marienvorstellungen, wenn wir Effi zusammen mit ihrer Mutter beschäftigt finden, einen Altarteppich herzustellen. Zitat Ende

Dazu sei auch erwähnt daß Fontane sehr viele Kunstausstellungen in Manchester besuchte und besonders seine Aufmerksamkeit der englischen Präraffaeliten widmete und ausführlich in seinen Schriften Anerkennung zollte.

man betrachte dazu auch das Gemälde von Dante Gabriel Rossetti, 1849 "Die Mädchenschaft Mariens".

Darauf finden wir den Beginn der Geschichte Effi Briest.

The Girlhood of Mary Virgin

weiter im Zitat:
Als weitere Stationen werden "Bethlehem", "Geburt, Taufe, Marientod", "Sündenfall", "Passion" und "Erlösung" namhaft gemacht. ...
Auf christliche Leitbilder hin waren die gesellschaftlichen Vorstellung vom Leben der Frau, von Ehe und Familie ausgerichtet. Sie waren in Fontanes Jahrhundert allerdings immer stärker einem säkularisierten bürgerlichen Ordnungsdenken dienstbar gemacht worden. Fontanes Kritik zielt auf eine Entlarvung der vorgeblich christlichen Leitbilder der Frau als einer Rollenfixierung, deren sich ein in Wahrheit inhumaner, durchaus unchristlicher Verhaltenskodex bediente...Zitat Ende

Viele Grüße
Maria
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Offline Hubert

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Biblische Bilder in "Effi Briest"
« Antwort #77 am: 3. August 2003, 17:53 »
Hallo Maria,

vielen Dank für Deine Mühe. Mit der "Verkündigung" und dem "Sündenfall" lagen wir ja genau richtig. Die anderen Bilder kann ich aber auf Anhieb so noch nicht zuordnen. Muß ich nochmals drüber nachdenken. Zuerst habe ich gedacht, ja genau wie auf dem Rossetti-Gemälde müßte Effi (auch bei einer Verfilmung) aussehen. Aber dann: vom Typ her ja, aber ganz so brav ja wohl doch nicht?

Liebe Grüße

Hubert

Offline JMaria

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Juni 2003: Theodor Fontane: „Effi Briest“
« Antwort #78 am: 9. August 2003, 23:35 »
Hallo zusammen

ich möchte noch gern aus dem Buch "Fontanes Welt" zitieren über den Menschen Fontane:


"Fontane ist anders, gerade in der deutschen Romantradition sehr anders", hat Henry H. H. Remak das Geheimnis der Fontaneschen Kunst zu fassen gesucht: "Er doziert nicht, er ideolgisiert nicht, er moralisiert nicht, er sentimentalisiert nicht, er vertritt keine >Wahrheit<, er prangert nicht an und verteidigt nicht. Er sieht, er versteht, er stellt dar. Er ist der Mann des >sowohl.... als auch<, des >ja, aber< und >nein, jedoch<. Noblesse oblige. Fontanes Noblesse ist Intelligenz."


daraus versuche ich persönlich etwas zu lernen. Sicher hatte Fontane seine Fehler, aber mit seinen Romanen hat er sich als Mensch gezeigt.

Liebe Grüße
Maria
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Offline Polly

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Effis Nacht von Rolf Hochhuth
« Antwort #79 am: 10. Dezember 2003, 18:18 »
Liebe Effi-Leser,

soeben habe ich "Effis Nacht" von Rolf Hochhuth gelesen und möchte es Euch empfehlen.

Als Bühnenmonolog für Marianne Hoppe geschrieben, läßt Hochhuth Elisabeth von Ardenne während einer Nachtwache am Bett eines tödlich verwundeten Soldaten ihr Leben reflektieren.

So weit ich weiß, hat Marianne Hoppe das Stück nicht mehr aufführen können, was absolut zu bedauern ist, aber es lohnt sich doch, es zu lesen, zumal Hochhuth sehr gewissenhaft recherchiert und z.B. all lebenden Verwandten der Frau von Ardenne gesprochen hat.

Es fließen auch Kommentare zu berühmten Kritikern von "Effi Briest" ein. So hat zum Beispiel Gottfried Benn sich negativ zu dem Roman geäußert.

Effis Nacht ist nur ein kleiner Band, erschienen bei Rowohlt, und für uns, die wir Effi lieb haben, meiner Meinung nach ein Bonbon.

Darüber hinaus ist das Buch das Abbild eines Zeitalters, denn Frau von Ardenne wurde immerhin 99 Jahre alt, hat also einige Epochen miterlebt.

Liebe Grüße Euch!

Polly

Offline Hubert

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Elisabeth Baronin Ardenne
« Antwort #80 am: 11. Dezember 2003, 14:29 »
Liebe Polly,

Fontanes Effi, ist ja ein Mädchen zum Verlieben, aber die echte „Effi“ eine Frau zum Bewundern. Gleich zu Beginn von Hochhuths Monolog schreibt ja ihr Enkel, Professor Manfred von Ardenne über seine Großmutter:
„Im Alter von etwa fünfzig Jahren bestieg sie als erste Frau den an der Schweizer Grenze, dicht bei Lichtenstein gelegenen 2970 m hohen Berg Scesaplana, .... (Da bin ich übrigens auch mal hochgekraxelt, aber mit dreißig) Mit sechzig Jahren lernte sie Skilaufen und mit achtzig Radfahren.“

Das scheint mir also eine ganz andere „Effi“, als die von Fontane beschriebene gewesen zu sein?

Viele Stellen könnte man aus „Effis Nacht“ noch zitieren, ich will es bei noch einer belassen, die Stelle in der sie (die inzwischen Neunzigjährige) von Fontane beeindruckt ist:
„Dass der Sechzigjährige seinem Verleger schrieb: „Ich fange erst an. Nichts liegt hinter mir, alles vor mir!“ Erstaunlich, Fontane hat ja nie geprahlt – und behielt recht auch hier. Denn erst fünfzehn Jahre später glückte ihm das unsterbliche seiner Bücher: „Effi Briest“, mit fünfundsiebzig. Und fast mit achtzig sein bedeutendstes: „Der Stechlin“, ...

Warum ich diese Stelle zitiere? Weil „Der Stechlin“ ja bei unseren Lesevorschlägen vorhanden ist (von Maria) und ich hoffe, dass wir den auch irgendwann zusammen lesen  

Liebe Grüße von Hubert

PS: Ich habe gesehen, dass Du Dich bei „Grimmelshausen“ eingetragen hast, der kommt aber noch vor dem „Stechlin“.

Offline Hubert

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„Effis Nacht“ als TB
« Antwort #81 am: 11. Dezember 2003, 14:35 »
Neben der in meinem Posting vom 1.7.3 verlinkten, gebundenen Ausgabe von Hochhuths Monolog „Effis Nacht“ für  € 14,-- gibt es auch eine Taschenbuchausgabe für € 5,50 und z.Zt. versendet amazon ja grundsätzlich versandkostenfrei:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499221810/qid=1071083683

August Everding schrieb über dieses Buch:
„Wenn Hochhuth schreibt, weiß man, dass Historisches, Gegenwärtiges, Politisches, Menschliches Thema sein wird. Bei „Effi“ spielt der Krieg in ein Krankenzimmer, enthüllt sich ein Frauenleben, wird Vergangenes gegenwärtig und Gegenwärtiges wird relativiert. Das ist ein Monolog, aber einer mit vielen Gegenstimmen, .....“

und das alles auf 94 Seiten!