Autor Thema: März 2010 - Thomas Morus: Utopia  (Gelesen 4882 mal)

Offline Jaqui

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Re: Thomas Morus - Utopia
« Antwort #30 am: 23. März 2010, 12:23 »
Hallo,

Interessant finde ich, daß alle Leute, die keiner produzierenden Tätigkeit (Handwerker, Bauern) nachgehen, gleich als Müßiggänger abgestempelt werden. Da hört man förmlich die Aufschreie aller Frauen, die den ganzen Tag kochen, putzen, waschen und oftmals nebenher auch noch Geld verdienen mußten... und nun werden sie pauschal als Müßiggänger abgestempelt, zusammen mit den Bettlern und den Dienstboten.

Ja, ich schreie hier auf, aber leider wird die Tätigkeit im Haushalt heutzutage ja noch immer als "minderwertig" und "schnell erledigt" abgestempelt.

Aber nun wieder zum Buch. Sehr spannend fand ich beim Kapitel "Sklaven" die Tatsache, dass sie dem Thema Sterbehilfe aufgeschlossener gegenüberstanden als wird. Da heißt es nämlich: "... enden ihr Leben entweder freiwillig durch Nahrungsenthaltung oder erhalten ein Schlafmittel und finden im bewußtlosen Zustande ihre Erlösung".

Da sind sie human, aber beim Thema "Ehebruch" kennen sie keine Gnade. Dieser wird rigoros bestraft.
Lustig fand ich auch die Tatsache, dass sich die angehenden Ehepartner nackt gegenüberstehen müssen, weil man ja nicht wissen kann was sich unter der Kleidung verbirgt  :breitgrins:

Da ich nicht mehr viel vor mir habe, werde ich das Buch heute noch beenden. Ein abschließendes Resumee kommt dann morgen von mir.  :winken:

Katrin

Offline Jaqui

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Re: Thomas Morus - Utopia
« Antwort #31 am: 23. März 2010, 19:28 »
Hallo,

Nun habe ich die Utopia hinter mir gelassen und ich muss sagen: Hut ab vor Thomas Morus. So eine Kritik am Adel muss man sich mal trauen und das auch noch in seiner Position. Es wundert mich ja, dass er nach Veröffentlichung nicht sofort verhaftet wurde. Denn besonders im letzten Kapitel sind die ganzen Leute, die Geld haben, die super Bösen, die man geradezu verachten soll, da sie die ehrlichen Leute, die arbeiten nur ausbeuten.
Das diese harten Worte keine unmittelbaren Konsequenzen nach sich zogen?

Was mir beim Lesen noch aufgefallen ist: Hatte Morus ein Faible für das römische Reich? Immerhin kommt der Mithraskult (Sonnenkult) vor und es werden Quästoren (niedrigste Amt der senatorischen Ämterlaufbahn in der römischen Republik) erwähnt. 

Das Thema Kriegswesen fand ich sehr spannend. Als beste Variante gelten also Söldner, die für Geld heute da und morgen dort kämpfen! Na wenn er meint.
Was ich aber nicht ganz verstanden habe: Frauen und Männer stehen nebeneinander auf dem Schlachfeld. Es ist aber eine Schmach für den Mann wenn er ohne seine Frau wieder heimkommt, weil sie im Krieg gefallen ist. Was soll denn der Mann in so einer Situation bitteschön tun? Sich auch umbringen lassen? Darauf gibt er nämlich keine Antwort.

Auch das Thema Gesetze fand ich sehr interessant. Obwohl Morus selber so was wie ein Anwalt war, gibt es in Utopia keine Anwälte. Weil es keine schwierigen Gesetze gibt und jeder sich selbst verteidigen kann vor Gericht.

Alles in allem bin ich sehr angetan von dem Buch, dass ich nie alleine gelesen hätte. Es hat mir wieder einmal sehr viel Spaß gemacht eine neue Epoche kennen zu lernen.
Sollte es zu einer Erasmus Leserunde kommen, bin ich mir großer Wahrscheinlichkeit mit von der Partie.  :winken:

Katrin

Offline thopas

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Re: Thomas Morus - Utopia
« Antwort #32 am: 24. März 2010, 11:16 »
Nun habe ich die Utopia hinter mir gelassen und ich muss sagen: Hut ab vor Thomas Morus. So eine Kritik am Adel muss man sich mal trauen und das auch noch in seiner Position. Es wundert mich ja, dass er nach Veröffentlichung nicht sofort verhaftet wurde. Denn besonders im letzten Kapitel sind die ganzen Leute, die Geld haben, die super Bösen, die man geradezu verachten soll, da sie die ehrlichen Leute, die arbeiten nur ausbeuten.
Das diese harten Worte keine unmittelbaren Konsequenzen nach sich zogen?

Hallo Katrin,

die Utopia ist ja eine Realitätsfiktion, d.h. Morus berichtet ja nur von einem Gespräch, das er mit Raphael Hythloday geführt hat und in dem ihm dieser von den Utopiern und deren Staat erzählt hat. Damals war es üblich, solche "Berichte" als echt auszugeben (vermutlich auch, um sich vor eventuellen Konsequenzen zu schützen). More konnte sich immer dahinter verstecken, daß es ja nicht seine Ansichten sind, die er hier beschreibt, sondern die von Hythloday. Ganz am Ende schreibt More ja, daß er Hythloday gerne noch mehr gefragt hätte, daß er gerne einige Ungereimtheiten geklärt hätte und auch nicht mit allem übereinstimmt, was dieser gesagt hat... Er würde sich wünschen, daß manches davon auch in unseren Staaten verwirklicht werden würde.

Was ich aber nicht ganz verstanden habe: Frauen und Männer stehen nebeneinander auf dem Schlachfeld. Es ist aber eine Schmach für den Mann wenn er ohne seine Frau wieder heimkommt, weil sie im Krieg gefallen ist. Was soll denn der Mann in so einer Situation bitteschön tun? Sich auch umbringen lassen? Darauf gibt er nämlich keine Antwort.

Für mich klang das so, als ob dann tatsächlich die Hinterbliebenen so lange Kämpfen, bis sie selbst vernichtet werden, um dieser Schmach zu entgehen...

Ich habe die Utopia auch gestern beendet, es sind noch einige Anhänge in meiner Ausgabe, die ich noch lesen möchte; hauptsächlich Beigaben zu den diversen Ausgaben (v.a. Briefe).

Für den Bereich Religion nimmt More sich viel Zeit, da hat er sich einige Gedanken gemacht. Schade, daß die Toleranz, die in Utopia bzgl. des Glaubens herrscht, dann im wirklichen Leben von More nicht auch praktiziert wurde (More war ein entschiedener Gegner der Reformation). Allerdings kenne ich mich in diesem Bereich zu wenig aus, um über Mores genaue Ansichten bescheid zu wissen.

Wenn ich alle Anhänge und die Einleitung nochmal gelesen habe, kann ich dann evtl. nochmal etwas mehr Gedanken beisteuern.

Viele Grüße
thopas
« Letzte Änderung: 24. März 2010, 11:18 von thopas »