Hallo !
Ich komme erst zum drittten Aufzug
Nebenher lese ich Schillers Bearbeitung von Macbeth. Obwohl die Sprache viel flüssiger und melodischer ist, inerpretiert er sehr viel bzw. läßt für eigene Interpretationen wenig Raum.
Die Menschen damals haben ja wirklich an Hexen, Feen, Kobolde geglaubt. Ich war noch nicht in Schottland, aber in Island und dort soll es solches "Gelichter" ja ebenfalls geben und wenn man die Kraft und Übermacht der Natur erlebt, kann man fast daran glauben. Ich denke, dieser Glaube erklärt die Furcht bzw. die Ohnmacht, die die Menschen vor der Natur hatten.
Die Hexen stehen für mich als Symbol für die Urkraft, die inneren "bösen" Triebe der Menschen: Macht, Gewalt, Rücksichtslosigkeit. So verkörpern sie also die böse oder dunkle Seite in Macbeth. Die wird ja auch in seinem Berserkeranfall zum Ausdruck gebracht. Dessen Verstand, sein Gewissen, die gute Seite, möchte ja nur in Gedanken mit dem Mord spielen, an Ausführung denkt er eigentlich nicht.
Bei Schiller sind die Hexen nicht so urwüchsig gezeichnet, dort verführen sie als böse Wesen Macbeth: gehört er zu den Guten oder den Bösen ?
Nachdem die Lady Macbeth direkt erpresserisch dazu veranlaßt zu handeln, wird sie ihm direkt etwas unheimlich:
"Gebär mir Söhne nur ! Aus deinem unbezwungnen Stoffe können nur Männer sprossen." Für mich sind sie das ideale Paar: der eine plant, der andere handelt !
Banquo wirkt für mich bisher etwas blass - ja, er ist treu und pflichtbewußt, er beteiligt sich nicht an dem Machtkampf, aber schließlich bringt ihm die passive Haltung nichts. Hätte sich das Volk damals solch einen Herrscher gewünscht? Er soll ja auch nicht Herrscher sein sondern nur der Vater eines Königs - sodass auch kein direkter Handlungsbedarf besteht. Ja, sicher ein Gegenpol zu Macbeth, aber ist es wirklich eindeutig, wer mehr Sympathien hat ? Ist nicht Macbeth, wegen seiner dunklen Seiten der Faszinierendere ? Läßt sich das Schema Gut - Böse so einfach durchhalten ? Für mich ist bisher die Psyche im Vordergrund. Dadurch, dass Macbeths Unentschlossenheit gezeigt wird, ist er eine interessante Studie und ebenfalls Lady Macbeth.
Sehr raffiniert, dass Shakespeare den Mord nicht zeigt, für mich ein weiteres Indiz für ein Thema des Dramas: was geht im Inneren des Menschen vor ?
Was haltet ihr von dem Pförtner ? Ein Hinweis auf das verletzte Gastrecht ?
Gruß von Steffi