Hallo,
ich lese mit Interesse eure Beiträge, mir wird einiges bewusster. Mittlerweile habe ich den ersten Band gelesen. Da in den nächsten Tagen einiges anliegt, glaube ich jedoch nicht, dass ich einen Vorsprung halten kann. Ich muss auch gestehen, dass es Thomas Mann phasenweise gelingt, mich nicht nur zu fesseln, sondern mich auch zu ermüden. Er neigt in diesem Buch oft zu langen Reflexionen, mit vielen mir unbekannten Fakten, dann wieder überspringt er längere Zeiträume, nahezu unkommentiert.
Die Beziehung von Jakob zu Rahel macht Mann zu einer Herz-Schmerz-Geschchte, die stellenweise, wenn ich an das sofortige Entflammen bei der ersten Begegnung denke, ans Triviale grenzt. Zugegeben, das wirkliche Leben hat natürlich auch seine trivialen Seiten.
Mann und die Sexualität, wie ihr auch schreibt, ist ein Kapitel für sich und recht geheimnisvoll.
Es wäre auch falsch die kulturellen Einflüsse auf die Persönlichkeitsstrukturen zu leugnen. Da, wo er aber bei seinen Männer die charakterlichen Widersprüche in der Rolle beschreibt, bleibt er bei den Frauen leider im Überlieferten. Beispielsweise fiel mir auf: sein Jakob übersteht die siebenjährige Wartezeit auf Rahel keusch und ohne Versuchungen, es gibt keine verführerischen Heimlichkeiten, kein Ausbruch des Begehrens, keine Affären mit Mägden oder Sklavinnen. So richtig ist mir das nicht glaubwürdig und unwichtig.
Ich lese übrigens die neuere Ausgabe des gesamten Romans in einem Band, mit über 1300 Seiten. Es würde mich interessieren, wie viel Seiten der Zyklus in der Taschenbuchausgabe hat.