Autor Thema: Februar 2010: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph I)  (Gelesen 13583 mal)

Offline wanderer

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #15 am: 9. Februar 2010, 20:17 »
Hallo zusammen!

Ich habe seit Kurzem die Höllenfahrt hinter mich und habe mit Jaakobs Geschichten anfangen können. Fehlt mir die Zeit, um schneller voranzukommen, und auch leider um einen Kommentar zu schreiben. Mir hat sehr gefallen, den kurzen Absatz (kurz nach dem Anfang des ersten Kapitels), in dem Joseph erst durch seine Augen beschrieben wird.

Viele Grüße
wanderer

Offline Lost

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #16 am: 10. Februar 2010, 09:36 »
Hallo,

ich lese mit Interesse eure Beiträge, mir wird einiges bewusster. Mittlerweile habe ich den ersten Band gelesen. Da in den nächsten Tagen einiges anliegt, glaube ich jedoch nicht, dass ich einen Vorsprung halten kann. Ich muss auch gestehen, dass es Thomas Mann phasenweise gelingt, mich nicht nur zu fesseln, sondern mich auch zu ermüden. Er neigt in diesem Buch oft zu langen Reflexionen, mit vielen mir unbekannten Fakten, dann wieder überspringt er längere Zeiträume, nahezu unkommentiert.
Die Beziehung von Jakob zu Rahel macht Mann zu einer Herz-Schmerz-Geschchte, die stellenweise, wenn ich an das sofortige Entflammen bei der ersten Begegnung denke, ans Triviale grenzt. Zugegeben, das wirkliche Leben hat natürlich auch seine trivialen Seiten.
Mann und die Sexualität, wie ihr auch schreibt, ist ein Kapitel für sich und recht geheimnisvoll.
Es wäre auch falsch die kulturellen Einflüsse auf die Persönlichkeitsstrukturen zu leugnen. Da, wo er aber bei seinen Männer die charakterlichen Widersprüche in der Rolle beschreibt, bleibt er  bei den Frauen leider im Überlieferten. Beispielsweise fiel mir auf: sein Jakob übersteht die siebenjährige Wartezeit auf Rahel keusch und ohne Versuchungen, es gibt keine verführerischen Heimlichkeiten, kein Ausbruch des Begehrens, keine Affären mit Mägden oder Sklavinnen.  So richtig ist mir das nicht glaubwürdig und unwichtig.

Ich lese übrigens die neuere Ausgabe des gesamten Romans in einem Band, mit über 1300 Seiten.  Es würde mich interessieren, wie viel Seiten der Zyklus in der Taschenbuchausgabe hat.

Freund Hermann

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #17 am: 10. Februar 2010, 13:08 »
Zitat
Beispielsweise fiel mir auf: sein Jakob übersteht die siebenjährige Wartezeit auf Rahel keusch und ohne Versuchungen, es gibt keine verführerischen Heimlichkeiten, kein Ausbruch des Begehrens, keine Affären mit Mägden oder Sklavinnen.  So richtig ist mir das nicht glaubwürdig und unwichtig.

Warum? Immerhin ist Jakob stark in die Geschäfte seines Oheims eingespannt, so dass er sich innerhalb dieser Zeit zumindest ein kleines Vermögen erwirtschaften kann. Etwa als Aussteuer...

 :rollen:

freundliche Grüße
F. Hermann

Offline Lost

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #18 am: 10. Februar 2010, 16:21 »

Warum? Immerhin ist Jakob stark in die Geschäfte seines Oheims eingespannt, so dass er sich innerhalb dieser Zeit zumindest ein kleines Vermögen erwirtschaften kann. Etwa als Aussteuer...


Du meinst, Geschäftssinn hält die Libido in Schach?

Freund Hermann

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #19 am: 10. Februar 2010, 17:28 »
Zitat
Du meinst, Geschäftssinn hält die Libido in Schach?

Ohne auch nur irgendetwas sagen zu wollen :rollen:, natürlich nicht. Oder besser. Keine Ahnung. Aber zumindest jeden Tag sinnvoll beschäftigt zu sein, lenkt sicherlich ab. Und Jakob war schließlich noch jung und hatte seine große Liebe vor Augen. Irgendwann wird es ihm aber mit Sicherheit gereicht haben, so dass er später nicht sonderlich gut auf Laban zu sprechen war  :grmpf:. Aber was tut man nicht alles für sein langersehntes Glück  :herz:.

freundliche Grüße
F. Hermann

 

Offline riff-raff

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #20 am: 10. Februar 2010, 19:01 »
Ich lese übrigens die neuere Ausgabe des gesamten Romans in einem Band, mit über 1300 Seiten.  Es würde mich interessieren, wie viel Seiten der Zyklus in der Taschenbuchausgabe hat.

Ich lese die Fischer-Taschenbuchausgabe in vier Bänden:

I. Die Geschichten Jaakobs: 383 Seiten
II. Der junge Joseph: 271 S.
III. Joseph in Ägypten: 599 S.
IV. Joseph der Ernährer: 541 S.

Mach also summa summarum stolze 1'794 Seiten. Das deine Ausgabe weniger Seiten aufweist liegt wohl am unterschiedlichen Format.

Gruss

riff-raff

Offline riff-raff

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #21 am: 10. Februar 2010, 19:21 »
Du meinst, Geschäftssinn hält die Libido in Schach?

In einem gewissen Sinne schon ... Man könnte dann von Sublimierung sprechen.

Aber eine Sublimierung wie T. M. sie in folgenden Sätzen schildert finde ich etwas gar ulkig:

Er war ein wartend Liebender; er durfte noch nicht fruchtbar sein mit Rahel; und wie schon oft in der Welt eine solche Hemmung und Stauung der Wünsche und Kräfte ihren Ausweg in grossen Geistestaten gefunden hat, so fand sie hier, in ähnlich verblümter Übertragung, ihren Behelf in der Blüte eines der Sympathie und Pflege des Leidenden unterstellten natürlichen Lebens.

Mit anderen Worten: Weil Jaakob sich gezwungen sieht, seinen Trieb im Zaum zu halten, vermehren sich seine ihm unterstellten Schafe nur um so mehr ... :rollen:

Gruss

riff-raff
« Letzte Änderung: 11. Februar 2010, 19:52 von riff-raff »

Offline riff-raff

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #22 am: 10. Februar 2010, 20:08 »
Apropos Joseph und Keuschheit ... - Ich füge hier noch einen Link zu einem älteren Bericht (2006) des Deutschlandfunks ein.

Es handelt sich um eine ziemlich ausführliche Rezension zum Buch von Jan Assmann: Thomas Mann und Ägypten. Mythos und Monotheismus in den Josephsromanen. Unter anderem wird auch kurz darauf eingegangen, dass der alttestamentliche Urtext mehr Gewicht auf Joseph und seine Gesetztestreue legt, während eine spätere, christliche, Lesart des Textes in Joseph vor allem den keuschen und allen Versuchungen standhaltenden Helden sieht. Etwas, zu dem der "homoerotische Entsagungskünstler" Thomas Mann eine besondere Affinität gehabt haben soll.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/574454/

Ich finde den Bericht sehr lohnend, auch wenn ich nicht denke, dass ich Jan Assmanns Buch lesen werde.

Schönen Abend allerseits

riff-raff
« Letzte Änderung: 10. Februar 2010, 20:15 von riff-raff »

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #23 am: 10. Februar 2010, 20:19 »
Aha, danke für deine vorzügliche Unterstützung riff-raff. :winken:

Ich habe wohl etwas unaufmerksam gelesen, an dein Zitat kann ich erinnern  :sauer: Es erklärt einiges, was TM bewog die Fährnisse der Sexualität in dieser Geschichte zu vermeiden.

Wenn wir gerade bei der Libido sind-Langsam verliere ich etwas die Lust (am Roman). Der Beginn von  "Der junge Joseph ist mehr Theologie als Gechichte. Wenn sich dass nicht ändert, wird es mir schwerfallen weiter zu lesen.

Offline Sir Thomas

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Re: Februar 2010: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph I)
« Antwort #24 am: 10. Februar 2010, 20:57 »
Vielleicht trage ich ja "Eulen nach Athen", wenn ich auf das Thomas Mann-Figurenlexikon hinweise. Zu den Joseph-Büchern geht es hier:

http://www.literaturlexikon-online.de/03_TM-Joseph/index.html

Viele Grüße

Tom 

Offline wanderer

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Re: Februar 2010: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph I)
« Antwort #25 am: 11. Februar 2010, 01:20 »
Vielen Dank, Tom, für den interessanten und zweckmäßigen Link!

Grüße
wanderer

Offline finsbury

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Re: Februar 2010: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph I)
« Antwort #26 am: 11. Februar 2010, 19:15 »
Ebenso
Tom, der link ist klasse.  Muss man nur dauernd während der Lektüre den Rechner anhaben. Aber so ist das nun mal heute ... .

Danke! pchallo

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline finsbury

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #27 am: 11. Februar 2010, 20:00 »
riff raff, auch von mir vielen Dank! Du stöberst interessante Seiten für uns auf.

Bei mir geht es sehr langsam voran. Bin noch nicht mal mit I,1 fertig. Im  Moment komme ich nur abends kurz zum Lesen, und dann fallen mir leider die Augen über dem Buch zu. Ich finde es im Moment noch ein bisschen bildungslastig und sinnlos ermüdend, wenn die Namen der Götter, Herrscher und Regionen immer in den unterschiedlichen Sprachen der im vorderen Orient damals angesiedelten Völker variantenreich verwendet werden.
Das Geschehen kommt in diesem ersten Kapitel kaum in Fahrt. Ich nehme an, es dient klassicherweise dazu, Personencaharaktere, -konstellationen (Jaakob, Joseph und seine Brüder), Leitmotivik (Brunnen) und ironisch vielfach gebrochenen Umgang mit dem Mythos im Bewusstsein des Lesers nachhaltig zu installieren.

finsbury
« Letzte Änderung: 13. Februar 2010, 09:06 von finsbury »
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

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Re: Februar 2010: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph I)
« Antwort #28 am: 11. Februar 2010, 22:20 »
Auch meinen Dank Sir Thomas.

Bestimmt eine enorme Arbeit so was zusammenzustellen. Die Seitengestaltung ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Offline wanderer

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Re: Th. Mann: Die Geschichten Jaakobs (Joseph und seine Brüder I)
« Antwort #29 am: 12. Februar 2010, 12:37 »
Hallo Finsbury,

ich bin mit I, 8 fertig und kann, wie Du, nur abends kurz lesen. Es tut mir sehr Leid. Als ich das erste Mal die Tetralogie gelesen habe, konnte mir mehr Freizeit erlauben, und das Werk wirkt besser, wenn man nicht zu langsam weiter kommen soll.

Viele Grüße
wanderer