Hallo zusammen,
darf ich mich kurzfristig anschließen?
Da im Januar der 50. Todestag war, hat es mich erinnert, dass ich noch nichts von diesem Autor kenne. So habe ich auch zu "Der Pest" gegriffen.
Das 1. Kapitel habe ich beendet und finde, es liest sich leicht, unspektakulär, fast schon emotionslos. Was ich jetzt nicht als Nachteile ansehe, insgesamt kann es ein stimmiges Gefüge sein.
Auf der S. 46 (rororo TB 2008) setzt der Chronist wieder ein und vergleicht die Pest mit Krieg. Von beiden sagt man
"es dauert nicht lange" doch es dauert lange. Eines kann das andere ersetzen. Was ja auch das Zitat von Defoe zu Beginn des Buches sagt:
Es ist ebenso vernünftig, eine Art Gefangenschaft durch eine andere darzustellen, wie irgend was, was wirklich existiert, durch etwas, was nicht existiert.und da der Chronist in seiner Einleitung kein genaues Datum nennt, zu dem er als Chronist ja eigentlich schon verpflichtet wäre, ersetzt hier der Autor die Pest wohl für den Krieg der in den 40iger Jahren herrschte.
Warum will man die Pest nicht beim Namen nennen? Ich glaube, es ist wie mit den Anzeichen eines Krieges. Man verschließt sich zunächst davor, dass menschliche Ratten auftauchen und Unheil bringen.
So unspektakulär Camus über die Pest bisher schreibt, so nachdrücklich erscheint die Beschreibung, wie der Mensch sich so nach und nach fühlt, wenn es eine Belagerung gibt, denn die Tore sind nun verschlossen. Sehr eindringlich finde ich die Qualen und Schuldgefühle zu beginn des II. Kapitels beschrieben.
Im Wikipedia heißt es, dass Camus sich stark am Schema des klassischen Dramas orientierte. Ich finde solche Einzelheiten sehr informativ:
1. Frühling I. Akt: Exposition → Rieux findet Ratte, Pest beginnt (Die Geschichte beginnt am Morgen des 16. April)
2. Sommer II. Akt: Anstieg → Pest wird stärker
3. Spätsommer III. Akt: Höhepunkt → Pest erreicht ihren Höhepunkt
4. Herbst IV Akt: Retardierendes Moment → Personen sterben bzw. Abfallende Handlung → Pest „fällt ab"
5. Winter V. Akt: Auflösung/Katastrophe → zurück zur Normalität
(
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Pest )
Ich habe mir eine Personenliste gemacht um mir Notizen zu den eingeführten Personen zu machen. Den Selbstmörder Cottard (ein Name aus der "Recherche", Proust lässt einen nie ganz los *g*) finde ich ja auch sehr interessant. Der blüht fast schon auf, trotz Pestgefahr, als ob ihm nach dem Selbstmordversuch nichts Schlimmeres widerfahren könnte.
Viele Grüße
Maria