Autor Thema: Februar 2010: Albert Camus - Die Pest  (Gelesen 5284 mal)

Freund Hermann

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #15 am: 21. Februar 2010, 21:11 »
Zitat
Man kann die Geschichte durchaus wie ein Gleichnis lesen, mehrere Interpretationsmöglichkeiten.

Sicherlich besteht der Reiz des Buches auch darin, das oder die Gleichnisse zu entschlüsseln und hierdurch auf eventuelle historische Begebenheiten zu schließen. Ich werde morgen möglicherweise doch noch versuchen, mir ein Exemplar zu beschaffen.

Es grüßt
F. Hermann

Freund Hermann

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #16 am: 22. Februar 2010, 14:54 »
Hallo,  :winken:

ich habe kurzfristig einen Ersatzlieferanten gefunden. Auf welcher Seite seit ihr bis jetzt?

Grüße
F. Hermann

Freund Hermann

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #17 am: 22. Februar 2010, 21:21 »
Hallo,
ich nochmal. Habe gerade die ersten paar Seiten gelesen, wo zunächst ausschließlich Ratten sterben, bevor sich die Epidemie auch auf die Menschen überträgt/ausbreitet. Ich habe mich daraufhin bei Wikipedia über den Krankheitsverlauf unterrichtet, wo davon gesprochen wird, dass die Pest eigentlich nicht von der Ratte auf den Menschen übertragen wird, sondern Flöhe dabei als Zwischenwirte fungieren und eine Ansteckung erst durch deren Bisse erfolgt.
Zitat
Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.
Ansonsten bisher wenig Spektakuläres. Eventuell könnte man eine Liste der vorkommenden Personen erstellen und am Ende des Buches resümieren, wer davon die Epidemie übersteht. Jetzt aber erst einmal genug von meiner Seite; freue mich auf weitere Beiträge.

Grüße
F. Hermann
« Letzte Änderung: 23. Februar 2010, 05:02 von Freund Hermann »

Offline JMaria

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #18 am: 23. Februar 2010, 09:21 »
Hallo F. Hermann

schön, dass du mit einsteigst. Ich bin im 3. Teil, S. 195 und habe eine kleine Pause eingelegt.

Gruß,
Maria
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Offline Jaqui

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #19 am: 23. Februar 2010, 10:14 »
Ich stecke mitten im 2. Teil, da ich das Buch aber nicht hier habe, kann ich dir keine Seite sagen.

@JMaria: Deine Ausführungen lese ich sehr gespannt. Auch wenn ich nicht zur Sekundärliteratur greifen werde, gibt das doch einen sehr guten Einblick in das Buch und das finde ich sehr interessant.

@Freund Hermann: Willkommen  :winken: Im ersten Teil passiert nicht wirklich was spektakuläres, aber es wird, wie Maria schon sagte, besser und besser.

Katrin

Freund Hermann

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #20 am: 23. Februar 2010, 11:42 »
Hallo,
habe gestern den ersten Teil beendet. Am interessantesten fand ich dessen Ausgang, wo sich alles mit der Situation abzufinden scheint. Tarrou beobachtet den Alten, der immer die Katzen bespuckt. Grand, der vermeintliche Schriftsteller, kehrt jeden Abend zu seiner geheimnisvollen Arbeit zurück, Cottard streift herum, der Untersuchungsrichter leitet seinen Zirkus, die Volksmenge erfüllt am Abend die Straßen und vor den Kinos werden die Schlangen länger...Die Seuche scheint zurückzugehen. Als aber die Todesfälle wieder 30 pro Tag übersteigen erhält Rieux vom Präfekten eine offizielle Depesche des Inhalts: Pestzustand erklären, Stadt schließen.

Da ich leider ebenfalls auf keine Sekundärliteratur zurückgreifen kann, stellt sich mir die Frage inwiefern dies alles im Zusammenhang mit dem WWII steht.

Mutmassungen:

1. Tarrou: Sehr geheimnisvolle Figur. Steht im Kontakt zu spanischen Musikanten und verfasst selbst eine Art Chronik der Ereignisse, die sich scheinbar absichtlich mit lauter Nebensächlichkeiten befasst. In Spanien herrschte zu dieser Zeit ebenfalls eine faschistische Diktatur. Es könnte daher sein, dass diese Figur für einen spanischen Geheimagenten steht. Was haltet ihr von dieser Theorie?

2. Beim ersten Todesopfer handelt es sich um den Hauswart (Concierge?) Michel. Erscheint mir als ziemlich deutsche Namensfindung. Andererseits ist es auch derjenige, der sich durch direkten Kontakt mit verendeten Ratten angesteckt haben könnte.

3. Die Stadt wird am Ende des ersten Teils geschlossen. Niemand kann sie von da an mehr verlassen. Analogie zum WWII? War es zu einem bestimmten Zeitpunkt des Krieges nicht mehr möglich Frankreich zu verlassen? Interessant ist, dass Oran eigentlich eine algerische Hafenstadt ist. Frankreich war zur damaligen Zeit innerhalb seiner Grenzen von zwei faschistischen Regimen umschlossen. Deutschland im Osten, Spanien im Westen. Dazwischen höchstens noch die kleinen Beneluxstaaten und im Südosten evtl. die Schweiz, die aber sicherlich auch nicht die Möglichkeit hatte, unbegrenzt Flüchtlinge aufzunehmen. Flucht war also eigentlich nur noch auf dem Seeweg möglich.

Fazit: M.E. bedeutet das Ende des ersten Teils den Zeitpunkt kurz vor Ausbruch des Krieges an der Westfront. Trotzdem geht das Leben vorerst seinen gewohnten Gang.

Schade, dass die Seiten meiner Ausgabe durchweg von meinem Ersatzlieferanten laminiert wurden, so dass ich leider keine Anstreichungen vornehmen kann. Ich hoffe trotzdem, den kommenden Ereignissen folgen zu können und bin weiterhin auf eure Rückmeldungen gespannt.

Grüße
F. Hermann

Offline JMaria

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #21 am: 23. Februar 2010, 16:48 »
Hallo zusammen,
hallo Hermann,

ich lese deine Mutmassungen mit großem Interesse.

1. Tarrou: Sehr geheimnisvolle Figur. Steht im Kontakt zu spanischen Musikanten und verfasst selbst eine Art Chronik der Ereignisse, die sich scheinbar absichtlich mit lauter Nebensächlichkeiten befasst. In Spanien herrschte zu dieser Zeit ebenfalls eine faschistische Diktatur. Es könnte daher sein, dass diese Figur für einen spanischen Geheimagenten steht. Was haltet ihr von dieser Theorie?

Spanien als faschistischer Staat, würde gut in Camus' Intention passen. Tarrou könnte dies tatsächlich darstellen, wenn ich auch nicht denke, dass er ein Spion ist, aber warum nicht... Ich finde das ist ein guter Gedanke.


2. Beim ersten Todesopfer handelt es sich um den Hauswart (Concierge?) Michel. Erscheint mir als ziemlich deutsche Namensfindung. Andererseits ist es auch derjenige, der sich durch direkten Kontakt mit verendeten Ratten angesteckt haben könnte.

ich habe mir noch garnicht überlegt, warum gerade der Concierge der erste Tote ist. Du gibst neue Denkanstösse.


3. Die Stadt wird am Ende des ersten Teils geschlossen. Niemand kann sie von da an mehr verlassen. Analogie zum WWII? War es zu einem bestimmten Zeitpunkt des Krieges nicht mehr möglich Frankreich zu verlassen? Interessant ist, dass Oran eigentlich eine algerische Hafenstadt ist. Frankreich war zur damaligen Zeit innerhalb seiner Grenzen von zwei faschistischen Regimen umschlossen. Deutschland im Osten, Spanien im Westen. Dazwischen höchstens noch die kleinen Beneluxstaaten und im Südosten evtl. die Schweiz, die aber sicherlich auch nicht die Möglichkeit hatte, unbegrenzt Flüchtlinge aufzunehmen. Flucht war also eigentlich nur noch auf dem Seeweg möglich.


Hier denke ich, dass es Camus darum ging, ein hermetisch abgeschlossenes Gebiet zu schaffen, in dem es ums Überleben geht bzw. was der Mensch in einer Extremsituation  auf Leben und Tod macht.

Oran hat er vielleicht gewählt, weil er die Stadt im Grunde hässlich fand, wie es aus seiner Lebensgeschichte hervorgeht. Er liebte Algerien, aber nicht die Hafenstadt Oran. Sozusagen in einer verhassten Situation fest sitzen. So erging es ihm, als er sich in Paris versteckt hielt und Artikel für seine Zeitung veröffentlichte, immer auf die Gefahr hin, gefasst und getötet zu werden.

Es ging also mMn nicht darum einen Fluchtweg zu finden.


Fazit: M.E. bedeutet das Ende des ersten Teils den Zeitpunkt kurz vor Ausbruch des Krieges an der Westfront. Trotzdem geht das Leben vorerst seinen gewohnten Gang.

Klasse Gedanke  :smile:

Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 23. Februar 2010, 16:52 von JMaria »
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Freund Hermann

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #22 am: 23. Februar 2010, 17:16 »
Hallo Maria,

freut mich, dass du mit meinen Anmerkungen einverstanden bist.  :smile:
Habe gerade auch den zweiten Teil beendet. Wie siehts bei euch aus?

Im Moment bloß ein paar kurze Anmerkungen zu Tarrou: M. E. zumindest kein negativer Spitzel/Agent o.ä. Falls doch ein solcher, dann aber mehr eine Art "guter Hirte". Engagiert sich für die Sanitätsgruppen und ist ständiger Begleiter von Rieux. Dafür wird mir dieser Cottard immer suspekter. Er hat irgendwelchen Dreck am Stecken und bleibt nur aufgrund des Wütens der Pest unbehelligt. Interessant natürlich auch die Predigt von Pater Paneleux, der die Pest darin immer wieder mit erhobenem Zeigefinger als  Geisel Gottes ausruft. Außerdem wird neben Cottard auch der Journalist Rambert als ein letzter Mensch bezeichnet, wenngleich er sich am Ende des zweiten Teils doch noch für die Sanitätstruppen gewinnen lässt. Ich muss aber erst noch einmal über das Gelesene nachdenken. Warte jetzt erst einmal auf weitere Beiträge.

Gruß
Felix

Offline JMaria

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #23 am: 24. Februar 2010, 12:11 »
Hallo zusammen,

ein paar Gedanken zum 2. Teil habe ich bereits geäußert, siehe S. 1 hier im Thread u.a. auch zur Predigt von Paneloux....

Zitat von: JMaria
Rieux und Paneloux sind mMn Gegenparts. Himmel und Erde.

Vielleicht ist Rieux so schweigsam wie die Erde...

Wenn zum Beispiel einer von ihnen von der Krankheit hinweggerafft wurde, so geschah es fast immer, ohne daß er darauf achten konnte. Er wurde dann aus diesem langen inneren Gespräch herausgerissen, ..., und übergangslos in das tiefste Schweigen der Erde geworfen... (S. 88/89)

Gruß,
Maria
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Freund Hermann

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #24 am: 24. Februar 2010, 12:40 »
Hallo Maria & all,

es kann natürlich gut sein, dass die beiden (Rieux und der Pater) als gegensätzliche Figuren aufgefasst werden müssen/sollen. Während der Pater die Seuche/den Krieg als Bestrafung für die Sünden der Menschen anführt, infolgedessen auch die Erlösung nur von dieser Seite zu erwarten oder zu erhoffen wäre, beschränkt sich der Arzt darauf, seine Arbeit so gut als möglich zu verrichten, wenngleich er sich darüber bewusst ist, dass es letztendlich wohl doch nicht einzig in seinen Händen liegt, ob der eine oder andere vor dem Tod errettet werden kann. Der Pater führt ja auch Sodom und Gomarrha und ähnliche Beispiele an, wohingegen der Arzt die Menschen insgesamt weniger schlecht einschätzt und alles insgesamt rationaler betrachtet. M.E. haben beide damit mehr Recht als Unrecht. Eben jeder von seinem Standpunkt aus gesehen. Ich kann mir vorstellen, dass vielleicht vor Ausbruch des Krieges sich sehr viele Menschen durch die verschiedensten Umstände in irgendeine Art von Schuld verstrickt hatten, wodurch eine solche Katastrophe erst möglich wurde, indem die Menschen dadurch gezwungen/ genötigt wurden, irgendeiner bekloppten Idee anzuhängen oder alles gegeneinander aufgewiegelt wurde. Ich lese erst einmal weiter, um mir ein klareres Bild von den einzelnen Figuren zu verschaffen.

Gruß
F. Hermann   

p.s. Ist der Rest der LR etwa in Urlaub?
« Letzte Änderung: 24. Februar 2010, 16:55 von Freund Hermann »

Offline Doris

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #25 am: 24. Februar 2010, 21:58 »
Hallo,

nein, ich bin nicht in Urlaub, sondern lese fleißig weiter und bin auf Seite 200 angekommen. Leider kann ich mit dem Buch nach wie vor wenig anfangen, daran hat sich auch nach all den Jahren, seit ich es zum ersten Mal las, wenig geändert. Es sagt mir einfach zu wenig, ich verstehe den tieferen Sinn nicht.

Rieux und Paneloux sehe ich schon als Gegenparts. Während der Arzt für mich schon leichte Resignation erkennen lässt - was allerdings auch an seiner Wortkargheit liegen kann -, ereifert sich Paneloux energisch über die Hintergründe der Pest. Etwas konträr kommt mir allerdings vor, dass er die Krankheit einerseits als von Gott gesandt betrachtet, andererseits aber selbst in der Sanitätseinheit tätig wird, um den Kranken zu helfen, womit er eigentlich seinem Glauben zuwider handelt, da er sich damit gegen die "Strafmaßnahmen" seines Gottes stellt. Selbst wenn er den Kranken vielleicht auch nur das Sterben erleichtern möchte, passt das nicht ganz zusammen.

1. Tarrou: ... Sehr Es könnte daher sein, dass diese Figur für einen spanischen Geheimagenten steht. Was haltet ihr von dieser Theorie?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich sehe in ihm nur einen Mann, der jahrelang ohne Aufgabe halbwegs dahinvegetierte, bis ihm die Pest wieder eine Aufgabe bescherte. Allerdings weiß ich nichts über die spanischen Verhältnisse und Gründe, warum sich ein spanischer Agent in Oran aufhalten könnte.

Gruß
Doris

Freund Hermann

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #26 am: 25. Februar 2010, 10:47 »
Hallo Doris,

schön, dass du dich wieder zu Wort meldest. Ich habe den Roman gestern Abend zu Ende gelesen und könnte auch nicht unbedingt behaupten, den tieferen Sinn wirklich verstanden zu haben. Für mich persönlich war es überraschend festzustellen, dass Grand gar nicht an der Epidemie stirbt und zumindest seinen ersten Satz, wenngleich ohne ausschmückende Adjektive, doch noch beendet, was aber im Grunde recht nebensächlich sein dürfte. Zu dem Gegensatz zwischen Pater und Arzt möchte ich noch nichts weiter sagen, außer dass erstgenannter innerhalb einer zweiten Predigt seine ursprüngliche Auffassung noch revidiert. Auch über Tarrou wird im weiteren Verlauf der Erzählung noch Erhellendes berichtet. Wahrscheinlich ist er eine Art Diplomat. Aber ich möchte nicht vorgreifen und warte zunächst ab, bis ihr das Buch ebenfalls abgeschlossen habt und lese derweil noch "Der Fremde", der in meiner laminierten Ausgabe  :rollen: zusätzlich abgedruckt ist.

lg
F. Hermann
« Letzte Änderung: 25. Februar 2010, 10:49 von Freund Hermann »

Offline JMaria

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #27 am: 25. Februar 2010, 11:22 »
Hallo zusammen,

im Urlaub bin ich auch nicht. Ich bin nur gerne auf ungefähre Höhe mit den anderen. Denn wenn ich ein Buch gelesen habe, schließe ich es für mich gerne ab und diskutiere nicht gerne im nachhinein, lieber parallel. Deswegen auch die kleine Pause, damit Doris und Jaqui aufholen können. Da Doris mich nun überholt hat und Freund Hermann durch ist, werde ich mich wieder ins Buch stürzen ;-)

Viele Grüße
Maria
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Offline Jaqui

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #28 am: 25. Februar 2010, 11:29 »
Hallo,

Ich urlaube leider auch nicht  :breitgrins:

Ich habe gestern Kapitel 3 beendet und wende mich nun Kapitel 4 zu. Ganz so auf meiner Linie liegt das Buch aber nach wie vor nicht. Rambert kann ich gut verstehen, mit ihm kann ich mich am ehesten identifizieren. Er will raus aus der Stadt und ich kann gut nachvollziehen warum.

Die anderen sind für mich nach wie vor Figuren die mir nicht nahe kommen und ich weiß nicht ob mir das gefällt.
Ich finde die Stimung im Buch gut gemacht und auch die Zahlen der Toten sagen ja schon einiges aus, aber irgendwie hat es Camus noch nicht geschafft den Schrecken bei mir anzubringen. Ja, es sterben viele Menschen, aber wo ist ihre Verzweiflung, wo sind ihre Fluchtversuche aus der Stadt? Außer Rambert ist mir noch keiner untergekommen der das versucht.

Und die Wachen bewachen alles und lassen niemanden raus - okay klar, aber wieso fliehen sie selber nicht?
Dieser Aspekt kommt mir hier viel zu kurz.

Was ich auch erschütternd fand, ist die Tatsache, dass einige tatsächlich überlegt haben ihre Verwandten wieder zurück zu holen in die Stadt. Wollen die etwa dass ihre Lieben sterben? Camus erzählt, dass alles so trocken runter sodass ich das Gefühl habe es geht mich nichts an.

Bei der Predigt dieses sogenannten Pfarrers ist mir übrigens die Galle hochgekommen. Wie verbohrt muss ein Mensch eigentlich sein um die Pest als eine Strafe Gottes zu bezeichnen. Ich hätte ihn am liebsten genommen und gegen die Wand geschmissen. Insgeheim wünsche ich mir fast, dass er bei der Pest auch umkommt, damit die Menschen sehen, dass die Pest nicht nur Ungläubige dahinrafft.

Aber ich lasse mich zu sehr gehen und meinem Ärger zu freien Lauf, daher höre ich erstmal auf.

Katrin

Offline JMaria

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Re: Albert Camus - Die Pest
« Antwort #29 am: 25. Februar 2010, 14:15 »
Hallo zusammen,

der  III. Teil vermittelt mir starke Bilder. Die Resignation der Menschen. Es ist eine Epidemie und egal ob sie sich auflehnen, sie ändern nichts an der Situation. Nur wenn der Wind Ruß und Rauch aus der Verbrennungsanlage zu ihnen rüberweht, dann begehren sie auf, weil sie ihr Leben bedroht fühlen und meinen die Krankheit fiele vom Himmel.

Auch die Sprache finde ich sehr schön, z.B. finden sich immer wieder sehr poetische Sätze in diesem Grauen:

Aber auch in allen Herzen war es Nacht.... (S. 195)


Die Probleme in der Verwaltung und wie man die Ordnung aufrecht erhält, hat der Autor mE erschreckend detailiert beschrieben.

Man hatte alles der Effektivität untergeordnet. (S. 197)

doch auch feine Ironie findet sich darin:

Er sagte sogar zu Rieux, daß dies letzten Endes besser sei als die von Negern geschobenen Totenkarren, wie sie in alten Pestchroniken erwähnt werden.

"Ja", sagte Rieux, "die Beerdigung ist gleich, wir aber legen Karteikarten aan. Der Fortschritt ist unbestreitbar.
(S. 201)


Das Abstumpfen der Menschen:
Niemand bei uns hatte mehr große Gefühle. Aber jeder empfand monotone Gefühle. (S. 206)
Ohne Erinnerung und ohne Hoffnung, richteten sie sich in der Gegenwart ein. In Wahrheit wurde für sie alles Gegenwart. (S. 207)

mich beeindruckt die Chronik der Gefühle, die darin resultierende Veränderung, die mir der Autor hier präzise aufführt.

und dann die Bilder mit den Gleisen und den Zügen, die zur Verbrennungsanlage des Nachts fahren, ein alptraumhaftes Bild.

Viele Grüße
Maria
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