Autor Thema: Klassiker in der russischen Literatur  (Gelesen 3350 mal)

Freund Hermann

  • Gast
Klassiker in der russischen Literatur
« am: 25. Februar 2010, 19:38 »
Hallo,

da mir mein Lieferant neben der Pest noch Gogol's "Die toten Seelen" mitlieferte wollte ich einmal einen Ordner speziell zur russischen Literatur anlegen. Was gibt es da noch an Klassikern neben Tolstoi, Dostojevski und Tschechow zu entdecken? Sicherlich kann auch Bulgakow mittlerweile in diese Kategorie gerechnet werden. Maxim Gorki und Puschkin nicht zu vergessen, von denen mir aber leider bisher noch nichts bekannt ist. Was/Wer fällt euch aber außerdem dazu ein?

Mfg
F. Hermann
« Letzte Änderung: 27. Februar 2010, 21:37 von Freund Hermann »

Offline finsbury

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1592
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #1 am: 28. Februar 2010, 16:59 »
Hallo F. Hermann,

da gibt's zunächst die Wúrzeln aus der alten Zeit, Igorlied und Nestorchronik, einen repräsentativen Querschnitt aus dem alten Schriftgur findest du hier.

Desweiteren wären dir der Dramatiker Ostrovskij, alles von Puschkin, Gontscharows genialer "Oblomov", Leskovs "Ein Held unserer Zeit", Gorkijs vierbändige Autobiografie und und und ans Herz zu legen: Außerdem gibt es noch viele kaum gehobene Schätze wie Bulat Okudschawa, Samjatins "Wir", Paustowskis Erzählungen und und und. Vegessen wollen wir auch nicht Scholochows Riesenroman; Auch seine Erzählungen vom Don sind zu erwähnen.

Aber mit den von dir erwähnten Schriftstellern bist du ja auch erstmal beschäftigt.
Viel Spaß dabei. Die russische Literatur war und ist mir eine  große Offenbarungen.

finsbury
Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene
Meer in uns. (Kafka)

Offline Imrahil

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 240
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #2 am: 28. Februar 2010, 17:53 »
Kleine Korrektur: "Ein Held unserer Zeit" ist von Lermontow. Von Nikolai Lesskow dagegen zu empfehlen (wobei es mich ehrlich gesagt doch nicht wirklich überzeugt hat) wären der Erzählungsband "Psychopathen von dazumal" (Diogenes). Wirklich zu empfehlen aber ist für mein Dafürhalten Scholochows "Der stille Don", ein grossartiges Familien-und Geschichtsepos zur Zeit des 1. WK und der Russischen Revolution.

Imrahil
"Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst..., das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. - Thomas Bernhard, Gehen

Freund Hermann

  • Gast
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #3 am: 28. Februar 2010, 20:51 »
Hallo,

danke ersteinmal für Eure Hinweise. Ich lese wahrscheinlich einfach erst einmal den Gogal. Mit ein bisschen Glück könnte mein Lieferant vielleicht auch den Lermonotov vorrätig haben. Puschkin sollte er auf jeden Fall in seiner Angebotsliste haben. Falls jemand Lust auf eine LR hätte, ich werde wohl Mi. oder Do. mit dem Buch beginnen.

Grüße
F. Hermann

Offline Anita

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 459
    • Literaturblog
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #4 am: 1. März 2010, 11:24 »
Ich lese wahrscheinlich einfach erst einmal den Gogol.

Geh nicht mit so ganz großen Erwartungen an die toten Seelen heran, denn es ist ja ein Fragment. Der 1. Teil ist allerdings wunderbar  :smile:

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Freund Hermann

  • Gast
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #5 am: 1. März 2010, 21:14 »
Hallo Anita,

habe heute morgen unerlaubterweise auf den letzten Seiten geblättert  :redface: und dort stand, dass das Manuskript an dieser Stelle abbricht. Ich hatte erst gehofft, dass dieses Abbrechen evtl. zum Sujet des Romans gehört. Jetzt aber wo du sagst...:rollen: Lesen tut sich das Ganze aber bisher sehr gut. Die Art der Mileuschilderungen scheint mir fast ein wenig an Sarkasmus zu grenzen. Aber lohnt es sich überhaupt das Ganze in Angriff zu nehmen, wenn die Geschichte am Ende keine Auflösung erfährt? Inzwischen habe ich herausgefunden, dass Autor wohl an Schizophrenie gelitten haben muss und das Manuskript des zweiten Teils bedauerlicherweise vernichtet hat. Nun gut. Ich beginne in den nächsten Tagen etwas intensiver zu lesen. Sollte es nicht genügend fesseln kann ich ja immer noch zu Puschkin greifen.

MfG
F. Hermann

Offline Anita

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 459
    • Literaturblog
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #6 am: 1. März 2010, 22:01 »
Aber lohnt es sich überhaupt das Ganze in Angriff zu nehmen, wenn die Geschichte am Ende keine Auflösung erfährt?

Doch, doch Freund Hermann, auf jedem Fall weiterlesen. Was Gogol uns sagen möchte kommt dennoch sehr gut rüber  :winken:

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #7 am: 2. März 2010, 09:11 »
Aber lohnt es sich überhaupt das Ganze in Angriff zu nehmen, wenn die Geschichte am Ende keine Auflösung erfährt?

Der Weg ist das Ziel. Die Geschichte ist die Auflösung ...  :zwinker:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline BigBen

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 776
    • Zwischen den Seiten
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #8 am: 2. März 2010, 10:03 »
@Freund Hermann: "Tote Seelen" war für mich letztes Jahr die Entdeckung des Jahres. Sicher ist es schade und auch etwas unbefriedigend, daß das Buch nur ein Fragment darstellt, aber trotzdem liefert es sowohl durch Inhalt als auch durch die Art und Weise ein wunderbares Lesevergnügen.
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline Anita

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 459
    • Literaturblog
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #9 am: 2. März 2010, 11:58 »
Der Weg ist das Ziel. Die Geschichte ist die Auflösung ...  :zwinker:

Das ist gut  :smile: Aber sein selbst gesetztes Ziel hat er nicht erreicht, deshalb unvollendet  :zwinker:

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5086
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #10 am: 2. März 2010, 13:08 »
Aber sein selbst gesetztes Ziel hat er nicht erreicht, deshalb unvollendet  :zwinker:

Irgendwann, im religiösen Wahn, muss sein Ziel allerdings ein anderes gewesen sein ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Freund Hermann

  • Gast
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #11 am: 2. März 2010, 13:29 »
Hallo,

ihr schafft es aber auch immer wieder, einen richtig neugierig zu machen.  :rollen: Obwohl ich eigentlich einmal gar nichts lesen wollte, habe ich vorhin das Buch schon bis zum dritten Kapitel durchgeschmökert. Bis jetzt sprachlich wirklich super, der Antiheld ein ziemlich merkwürdiger Charakter und das Mileu ziemlich krass geschildert. Bin gespannt wie es weitergeht.

MfG
F. Hermann

Offline Andisonne

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 5
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #12 am: 6. März 2010, 01:02 »
Hallo

Gogols "Tote Seelen" empfand ich als ein Feuerwerk der guten Laune, das mit einem beständigen - mindestens - Grinsen gelesen werden muss. Herrlich absurd, voll treffender Seitenhiebe, auch über die "fischblütigen" Deutschen.

Jetzt habe ich gerade mit Bulgakows "Der Meister und Margerita" begonnen, dort wird der Teufel ("Voland"), der übrigens mit einem ganzen Team an Helfershelfern auftritt, als Deutscher identifiziert... Auch hier ein herrlich absurder Humor. Da soll noch einer sagen, die Russen seien schwermütig...

Viel Spass bei der weiteren Lektüre.

Gruss
Andi

Freund Hermann

  • Gast
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #13 am: 8. März 2010, 12:31 »
Hi Andi,

erstma hallo hier. "Der Meister und Margarita" wäre natürlich auf jeden Fall auch mal eine Zweitlektüre wert. Im Moment will ich aber erst mal Die toten Seelen zu Ende lesen. In Ersterem gibt es aber wirklich auch einige späktakuläre oder haarsträubende Szenen. Ich habe z.B. noch vage eine Stelle in Erinnerung, als Margarita irgendwie mit ihrem Geliebten auf einem Besen aus einer Irrenanstalt reitet. Aber ich kann da auch etwas durcheinanderbringen. Der Roman ist eben nebenbei  so kunstreich verschachtelt... :rollen:. "Hundeherz" fand ich auch ziemlich irrwitzig. Eine angesehene Koryphäe der Schönheitschirurgie wagt ein gefährliches Experiment... Schade, dass ich meiner Frau versprochen habe, mit ihr ein paar Tage in Russland Schlitten zu fahren und wahrscheinlich deshalb für einige Zeit abwesend sein werde. Sonst würde ich am liebsten eine Leserunde starten. Beim ersten Lesen kannte ich leider den Faust noch nicht, so dass es auch bestimmt ziemlich spannend wäre, hierzu die oft angesprochenen Parallelen zu finden.  Außerdem stehen die Lehrjahre noch auf meiner SuB  :redface:.

MfG
F. Hermann

Offline jenny

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 20
Re: Klassiker in der russischen Literatur
« Antwort #14 am: 8. März 2010, 20:19 »
Hi, zusammen!
Bitte, glaubt einem der "Master und Margarita" mehr als 2 mal geschaft hatte: es ist sogar eine dritte Lektüre wert! Erst dann siehst du, dass es eigenlich mindestens 3 Romane gibt: über die letzten Tage Jesu, über die Liebe, die stärker ist als der Tod und der Stadt, und über die fantasmagorische Odyssee von Voland und Co. durch Moskau der dreißiger Jahren, die apropos einige bis heute lebendige Phrasen enthält, die werden im Alltag zitiert. Die Sprüche aus der psychiatrischen Klinik gehören zur Folklore, die kennen sogar ganz einfache Menschen, die das Buch nie in der Hand hatten ("Schizophrenie, wie bereits gesagt" et ca). Kurz und gut, wärmste Empfehlungen, das ist so gut wie LETZTER russischer Klassiker, der ein Teil der Sprache und des Lebens geworden ist!
Jenny