Lieber Hubert,
ja, Du hast absolut Recht, der Fado darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Ich erinnere mich an meine ersten Stunden mit einer Platte von Amalia Rodriguez, die ich von der portugiesischen Putzfrau, die auf der gleichen Station wie ich arbeitete, ausgeliehen bekam. Ohne ein Wort verstehen zu können, musste ich heulen, so eindringlich war die Stimmung dieser außergewöhnlichen Lieder. Seitdem höre ich immer mal wieder Fado, habe ihn aber leider noch nie live gehört.
Hier füge ich dir aber jetzt erst einmal mein Lieblingslied von Ana Belen ein, wie gesagt, der Text ist von Nicolas Guillen, den Ana ja auch persönlich kannte.
Soneto
Cerca de ti, ¿por qué tan lejos verte?
¿Por qué noche decir, si es mediodía?
Si arde mi piel, ¿por qué la tuya es fría?
si digo vida yo, ¿por qué tú muerte?
Ay, ¿por qué este tenerte sin tenerte?
Este llanto ¿por qué, no la alegría?
¿Por qué de mi camino te desvía
quién me vence tal vez sin ser más fuerte?
Silencio. Nadie a mi dolor responde.
Tus labios callan y tu voz se esconde.
¿A quien decir lo que mi pecho siente?
A ti, François Villón, poeta triste,
lejana sombra que también supiste
lo que es morir de sed junto a la fuente.
Guillen hatte lange im Exil gelebt, ehe er in das Kuba Castros heimkehrte. Er gilt als der kubanische Dichter. Ich mag längst nicht alle Gedicht von ihm, viele sind mir zu pamphletisch. Aber manche seiner Ausdrücke sind mir unvergesslich. Beispielsweise beschreibt er Kuba in einem Text als eine große grüne Eidechse, die mit Augen aus Stein und Wasser im Meer der Weltkarte schwimmt. Das gefällt mir!
Atahualpa Yopanqui ist mir in seinem Lied Alazan zum ersten Mal begegnet. Es hat mich so beeindruckt, dass ich mehr von ihm lesen musste. Damals hatte ich eine Brieffreundschaft mit einem argentinischen Rundfunkjournalisten, der mich liebenswürdigerweise mit jeder Menge Stoff versorgte. Mein Freund ist leider 1986 bei einem Autounfall umgekommen.
Aber auf Maria Farantouri solltest noch einmal ein Ohr werfen. Sie macht viel mehr als nur Theodorakis-Interpretationen. Bemerkenswert sind z.B. ihre Lieder mit dem Türken Zülfü Livanelli.
Immerhin, ich freue mich schon, gelegentlich von Dir auf die eine oder andere musikalische Kostbarkeit aufmerksam gemacht zu werden, da wir ja eine gewisse Seelenverwandtschaft aufweisen.
Und um das Live-Konzert-Erlebnis mit Yopanqui beneide ich Dich Ohne Ende!
Liebe Grüße,
Polly