Autor Thema: März 2010 - Jean Paul: Titan  (Gelesen 6004 mal)

Offline Dostoevskij

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Re: Jean Paul: Titan
« Antwort #30 am: 25. Mai 2010, 21:46 »
Moin, Moin!

Ist dieser Thread also noch im Gange oder ist er bereits tot? Im moment lese ich ja gerade Oscar Wilde, aber an sich nähme ich diesen Thread gerne zum Anlaß den Titan mal wieder zu lesen und mich über Verständnisprobleme auszutauschen.

Wir könnten ja gemeinsam anfangen. Ich bin kein guter Leserundenteilnehmer, aber warum nicht sporadisch posten. Ich habe seit Jahren keinen Jean Paul mehr gelesen und brenne darauf, den Anschluß wiederzufinden. Warum als nicht einsteigen?
Keep reading, Markus Kolbeck
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Offline sandhofer

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Re: Jean Paul: Titan
« Antwort #31 am: 25. Mai 2010, 22:41 »
Ist dieser Thread also noch im Gange oder ist er bereits tot?

Gute Frage ...  :breitgrins: ... Rein theoretisch lebt er noch. (Doch grau, teurer Freund, ist alle Theorie ...)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline finsbury

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Re: Jean Paul: Titan
« Antwort #32 am: 28. Mai 2010, 17:42 »


Von mir wird er frühestens Ende nächster Woche wieder beschickt. Aber ich lese ja sowieso nur die kastrierte Version!  :breitgrins: Tät aber gern weiter posten, ab dem genannten Datum.

finsbury
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Offline finsbury

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Re: Jean Paul: Titan
« Antwort #33 am: 30. Mai 2010, 10:28 »
Nun habe ich zaghaft wieder die Lektüre aufgenommen.

wie schon Marlino (willlkommen im Forum  :winken:!) unten sagt, ist es oft sehr schwierig, durch JPs Metaphernwelt durchzusteigen. Wenn er auch selber noch als ein Thema des Romans dieses Verspinnen von Sein und Schein wählt, wird es doppelt schwierig. Ich kann nicht sagen, dass ich diese hochgestimmten Nächte in Lilar inhaltlich durchdrungen habe, geschweige denn geistig (insbesondere 12. Jobelperiode)! Einfacher wird es auch nicht dadurch, dass fast alle männlichen Haupt- und wichtigen Nebenpersonen mehrere Namen und zusätzliche Berufs- und Rangbezeichnungen haben. Da rächt es sich natürlich auch, wenn man lange Lesepausen macht.
Im Moment (13. Jobelperiode) herrscht eine Phase zitternder Empfindsamkeit und hoher Gefühle vor: Ich hoffe und freue mich darauf, dass bald einmal Schoppe wieder in sein Recht gesetzt wird oder dass das skurille Nebenpersonal wie z.B. Albanos Vermieter Sphex mal wieder auftaucht.

Der Siebenkäs und die Flegeljahre gefallen mir bisher deutlich besser.

@ Marlino,
so wie's ausschaut, hast du noch alle Zeit der Welt, dich dieser Lese"runde" bzw. den sporadischen Postings anzuschließen.
finsbury
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Offline finsbury

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Re: Jean Paul: Titan
« Antwort #34 am: 3. Juli 2010, 20:07 »
Hallo,

ob noch irgendjemand mitliest?

Bin inzwischen wieder eingestiegen und bis zur 21. Jobleperiode vorgedrungen.
Albanos Beziehung zu Liane ist nun - scheint's - zu Ende: Liane hat den - uns Lesern nicht mitgeteilten - Gründen ihres  Seelsorgers gegen eine Verbindung mit  Albano nachgegeben, und dieser steht kurz vor einer Reise nach Italien, zu der ihn sein vermeintlicher Vater Cesara einlädt.
Im Moment ist es nicht mehr so gefühlig, dagegen gibt es wieder einige kleinere Seitenhiebe, z.B.
-  gegen das restaurative Österreich --> Verbot des Französischen, um vor revolutionären Gedanken zu schützen (19/85),
-  gegen den Geniebegriff --> "...die Genies sind ... Affen im ästhetischen Nachmachen, in der Herzlosigkeit, Bosheit, Schadenfreude, Wollust und Lustigkeit." (20/88)
Roquairol ist auf dem Weg in den Abgrund, nun nicht mehr der gute Freund und liebe Karl, sondern der zerfressene Egomane, der vielleicht als Beispiel für den oben genannten genialen Affen steht.

Schwierig finde ich es immer noch, den ganzen Intrigen und Doppelbödigkeiten zu folgen: Ich muss auch immer wieder in der Einleitung meiner Ausgabe nachlesen, wer Albanos  echte und scheinbare Schwester, Zugedachte usw. sein soll.

Nun, es wird noch dauern, aber ich werde den  Titan in der abgespeckten Version durchbekommen, allerdings mit deutlich weniger Lesefreude als alle meine bisherigen JP-Lektüren.

Und wie sieht's mit euch aus?

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Offline finsbury

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Re: Jean Paul: Titan
« Antwort #35 am: 10. Juli 2010, 17:18 »
Hallo,

dann mach ich mal weiter mit meiner Leseecke zum "Titan".
Stand: Vor Beginn der 30. Jobelperiode: Albano ist inzwischen schon wieder auf dem Rückweg in Rom. Seine Liane hat er schnell genug vergessen, um Linda Romero anzuhimmeln, von der er nicht weiß, dass sie die echte Tochter Cesaras ist. Erste Geheimnisse werden zum Teil aufgedeckt: Er weiß nun, dass Julienne seine Schwester ist, wie das aber zugegangen ist, erfährt er erst ein paar Monate später.

Auf dem Hinweg hat er in Rom den Entschluss gefasst, an der Seite des französischen Volkes für die Freiheit zu kämpfen, aber dann wurde es gleich wieder gefühlig, weil eben Linda ... .

Schoppe fehlt an allen Ecken und Enden: Er macht den Roman zu einem echten Jean Paul, aber leider ist er in Hohenfließ zurückgeblieben.
Das Idyllische ist oft sprachlich wunderbar gestaltet, aber diese ständige hochgespannte Gefühlssprache ist wirklich anstrengend.

Das hat mich auch schon an Hölderlins Hyperion gestört, der allerdings im Vergleich zu JP völlig humorfrei ist. 

finsbury
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Offline finsbury

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Re: Jean Paul: Titan
« Antwort #36 am: 11. Juli 2010, 10:49 »
Hallo,

heute Nacht bin ich wieder etwas weiter gekommen: bis 32 / 128. Roquairol beginnt gerade seine Schlussintrige gegen Linda Romeiro und Albano; Vorher war diese mit Julienne bei Idoine in deren Dorf Arkadien, das mich sehr an die Mädchenerziehungsanstalt von Natalie und das Mustergut von Lydia im "Wilhelm Meister" erinnert, nur dass das Ganze bei JP natürlich noch arkadischer ist, deshalb auch gleich so heißt  :zwinker:. Idoine ist ziemlich blutleer, nur unwesentlich weniger ätherisch als ihr verstorbenes Ebenbild Liane.
Freude, wenn auch längst nicht durchgehendes Verstehen, hatte ich an Schoppes langem Brief in 31 /122: Kurz vor Ausbruch des von ihm ironisierten Wahnsinns stellt er sich noch in den Dienst der Aufklärung der Intrige um Albano und reist nach Spanien.
Wie sich JP selbst indes die ganzen Zusammenhänge zwischen Schoppe / Leibgeber / Löwenskjöld / Siebenkäs und Graul vorstellt, dafür bräuchte es einen weit besseren Anmerkungsteil, als meine Ausgabe besitzt, oder auch einen wesentlich besseren JP-Kenner, als ich es bin. Die Lektüre der Flegeljahre liegt bei mir immerhin auch schon einige Jährchen zurück.

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Re: Jean Paul: Titan
« Antwort #37 am: 16. Juli 2010, 16:44 »
Hallo,

nun beende ich mal - zumindest was mich betrifft - diese Lese"runde". Habe fertig!
Das Ende ist noch durchaus -  in Theaterdonnermanier - spannend, so dass es sich schnell runterliest. Albano wählt schnellstens seine neue Liebe - Idoine - kaum dass Lindas Wagen entschwand, und genauso leicht fällt es ihm, auf seine Pläne bezüglich der Unterstützung des Freiheitskampfes des französischen Volkes zu verzichten, ist er nun doch selber regierender Fürst und muss für seine Leute sorgen. Begründet wird das nicht, der Leser hat's zu schlucken.
Natürlich kommt Leibgeber nicht, wie unten angedeutet, in den 'Flegeljahren', sondern im 'Siebenkäs' vor, dessen Lektüre bei mir noch viel weiter zurückliegt: Wer eine zugängliche kurze Arbeit über die Figur des Leibgebers in JPs Romanen und Erzählungen kennt, möge mich bitte davon unterrichten  :blume:.

Fazit: Einige schöne Richtersche Momente, aber bisher das für mich am wenigsten begeisternde Werk dieses Sprachgenies.

Manjula und weitere mögliche Mitleser: Noch viel Kraft und Durchhaltevermögen!

finsbury 
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