So, ich habe den Freytag beendet. Zum Antisemitismus kann ich nun hinzufügen, dass er verebbt mit den Seiten. Es versöhnt zudem aus heutiger Sicht, dass der Sohn des jüdischen Kaufmanns auch aus moralischen Bedenken stirbt. Qualitativ ist das Werk sicherlich nicht im oberen Level zu finden, salopp gesagt, ich würde es mit Austen vergleichen im Gegensatz zu den Bronte-Geschwistern, sprich mehr auf Unterhaltung angelegt. Aber insgesamt bin ich nicht enttäuscht worden, die Lektüre hat Spaß gemacht, auch wenn ich jetzt keinen Freytag mehr lesen muss (genauso wie ich keine Austen Bücher mehr lesen möchte).
Folgt man dem Wikipedia Artikel über Freytag, dann kann man ihn nicht Antisemit nennen. Ich bin zwar misstrauig, was Wikipedia betrifft, aber vielleicht kann jemand aus dem Forum, der Zugriff zu einer ausführlichen Literaturgeschichte, bzw. einem Literaturlexikon hat, zu dem Thema noch etwas zur Vertiefung beitragen.
Bei einem Roman, in dem schließlich Individuen geschildert werden, lässt es sich nicht immer feststellen, ob Klischees aufgeriffen wurden oder ob die Vorlage einer Figur aus einem persönlichen Eindruck des Autors entstanden ist. Es ist natürlich kennzeichnend, wenn bei Freytag und bei Raabe das Bild des Juden so gleichsinnig negativ geschildert ist. Wie ich aus "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff und einem Märchen der Brüder Grimm entnehme war das Judenbild im 19. Jahrhundert schon verbreitet nahe am biologischen Zerrbild angesiedelt. Die Romantik hat da wohl schon ganze Arbeit geleistet.
Ich bin gesapnnt, wie ich "Soll und Haben" unter diesem Gesichtspunkt einschätzen werde.
Danke zunächst für deine Einschätzung, die mich nicht abhält den Roman in einige Zeit zu beginnen.