Autor Thema: Gustav Freytag  (Gelesen 2165 mal)

Offline scheichsbeutel^

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #15 am: 14. April 2010, 18:05 »
[...] sie dann auch noch in die Nähe der Judenfeindlichkeit bringen kann, ist mir schleierhaft.

Doch - das geht ;). Mit dem latenten Antisemitismus Thomas Manns kann man Bände füllen (was denn auch getan wurde), beide Brüder haben früh für ein nationalistisches Hetzblatt geschrieben, Wälsungenblut wurde der latenten Judenfeindlichkeit wegen von der Familie Pringsheim wenig geschätzt etc. Oder eine Tagebucheintragung Th. Manns gefällig: "[...] Dass die übermütige und vergiftende Nietzsche-Vermauschelung Kerrs ausgeschlossen ist, ist am Ende kein Unglück; auch die Entjudung der Justiz am Ende nicht." (Aus Th. Manns Tagebuch nach der Machtergreifung Hitlers)

Was nichts damit zu tun hat, dass Th. Mann ein großartiger Schriftsteller war.

Grüße

s.

Offline sandhofer

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #16 am: 14. April 2010, 20:07 »
Was nichts damit zu tun hat, dass Th. Mann ein großartiger Schriftsteller war.

Ja. Im Gegensatz zu Freytag, der - ein Schriftsteller war ...  :zwinker:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline alpha

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #17 am: 14. April 2010, 22:38 »
Wälsungenblut wurde der latenten Judenfeindlichkeit wegen von der Familie Pringsheim wenig geschätzt etc.

Eine andere Interpretation, weshalb die Pringsheims diese Novelle nicht sehr schaetzten hat weniger mit der "Judenfeindlichkeit" zu tun, als mit der Geschichte selbst, die angeblich zu sehr an die Familienwuerde ruehrt (oder wie auch immer man dies nennen soll).

Ich fuer meinen Teil sehe Heinrich Mann in einem wesentlich zwielichtigeren Verhaeltnis zum Antisemitismus, insbesondere in seinen "jungen Jahren" - angeblich gab es auch ziemliche Zwistigkeiten zwischen den Bruedern, gerade weil Thomas eine juedische Frau heiratete...

Aber dies fuehrt alles off-topic.

Kenne von Gustav Freytag nur "Die verlorene Handschrift" - und hatte dabei nicht das Gefuehl eine "gefaehrlichen" Antisemitismus (d.h. hetzerischen), sondern mehr, dass er halt ein Kind seiner Zeit war und nicht gerade sehr vorbildlich diesbezueglich...

Gruesse
alpha
Genug. Will sagen: zuviel und zu wenig. Entschuldigen Sie das Zuviel und nehmen Sie vorlieb mit dem zu wenig!

Thomas Mann

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #18 am: 15. April 2010, 10:51 »
Kenne von Gustav Freytag nur "Die verlorene Handschrift"
Das reicht ja auch ;-)
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline BigBen

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #19 am: 15. April 2010, 11:30 »
Also ich fand alle drei Romane von Freytag lesenswert. Am besten aber haben mit "Die Ahnen" gefallen.
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline Lost

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #20 am: 15. April 2010, 16:14 »


Ich habe da ein "Verdikt" Marcel Reich-Ranickis im Ohr, das sinngemäß lautet: Freytag ist zurecht ein Fall ausschließlich für die Germanistik geworden. Was wohl heißt: Eine breite Leserschaft hat dieser Autor nicht verdient. Aber es wird noch besser: Ich erinnere mich, dass MRR dieses Urteil auch auf Wilhelm Raabe ausdehnte. Ob sich diese Ablehnung auch auf angeblichen oder tatsächlichen Antisemitismus bezieht, ist mir entfallen. Wäre ein solcher Vorwurf überhaupt berechtigt? Ich kenne mich mit W. Raabe nicht aus.


Raabes Roman "Der Hungerpastor" ist gewiss antisemitisch. Auch dort werden zwei Charaktäre in ihrer Entwicklung gegenübergestellt. Auf der einen Seite der verschlagene Judenspross, dessen Vater jeden Heller hortet um seinem Jungen aller Vorteile zu verschaffen, auf der anderen der verarmte aber strebsame deutsche Bursche, der sich durch eigenes Mühen und Redlichkeit seinen Platz erarbeitet.
Beim grünen Heinrich von Keller dagegen findet sich in der Nebenhandlung einiges, das um Verständnis für die problematischen Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung wirbt.

Offline Sir Thomas

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #21 am: 15. April 2010, 17:02 »
Raabes Roman "Der Hungerpastor" ist gewiss antisemitisch.

Aha, vielen Dank! Dass die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts einiges Antisemitische hervorgebracht hat, war mir nicht bewusst, da ich weder Raabe noch Freytag gelesen habe. Wie steht es eigentlich mit Fontane? Da kann ich mich beim besten Willen an nichts dergleichen erinnern. Oder gibt es auch in seinem Werk die eine oder andere "Sünde"?

LG

Tom

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #22 am: 16. April 2010, 02:09 »
Also ich fand alle drei Romane von Freytag lesenswert. Am besten aber haben mit "Die Ahnen" gefallen.

Ich habe bislang nur wg. Arno Schmidt die "verlorene Handschrift" gelesen. Und diese Apotheose des dt. Studienrats fand ich eher, äh, sagenwirmal: engstirnig, spießig und provinziell. Kurz: Grauenhaft. Und würde man mich nicht darauf hinweisen, würde ich es immer noch nicht bemerken, dass der Plot von Arno Schmidt "Das steinerne Herz" Elemente der "Verlorenen Handschrift" aufnimmt (was nicht viel mehr bedeutet als genau das: Schmidt bedient sich bei Freytag. Der sich vermutlich woanders bedient hat. Man versteht Schmidt danach kein Deut besser oder schlechter, es ist einfach wurscht). -- Bei den Ahnen bin ich über den ersten Satz nicht hinausgekommen: "Auf der Berghöhe stand an dem Verhau, das die Wäder der Tühringe von den Katten schied, der junge Wächter und hütete den steilen Pfad, welcher aus den Gründen der Katten nach der Höhle führte." Wenn da nicht darüber stünde, dass das "Im Jahr 357" spielen soll - man käme nicht drauf. Das ist einfach: Kitsch.
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline BigBen

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #23 am: 16. April 2010, 07:40 »
Das ist einfach: Kitsch.

Vielleicht habe ich es ja gerade in meiner kitschigen Phase gelesen.  :zwinker:
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Offline alpha

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #24 am: 18. April 2010, 10:14 »
Kenne von Gustav Freytag nur "Die verlorene Handschrift"
Das reicht ja auch ;-)

Gibt wohl einen guten Grund, weshalb ich kein Verlangen nach mehr desselbigen habe :)
Genug. Will sagen: zuviel und zu wenig. Entschuldigen Sie das Zuviel und nehmen Sie vorlieb mit dem zu wenig!

Thomas Mann

Offline Anita

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #25 am: 26. April 2010, 11:23 »
So, ich habe den Freytag beendet. Zum Antisemitismus kann ich nun hinzufügen, dass er verebbt mit den Seiten. Es versöhnt zudem aus heutiger Sicht, dass der Sohn des jüdischen Kaufmanns auch aus moralischen Bedenken stirbt. Qualitativ ist das Werk sicherlich nicht im oberen Level zu finden, salopp gesagt, ich würde es mit Austen vergleichen im Gegensatz zu den Bronte-Geschwistern, sprich mehr auf Unterhaltung angelegt. Aber insgesamt bin ich nicht enttäuscht worden, die Lektüre hat Spaß gemacht, auch wenn ich jetzt keinen Freytag mehr lesen muss (genauso wie ich keine Austen Bücher mehr lesen möchte).

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Lost

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #26 am: 26. April 2010, 16:25 »
So, ich habe den Freytag beendet. Zum Antisemitismus kann ich nun hinzufügen, dass er verebbt mit den Seiten. Es versöhnt zudem aus heutiger Sicht, dass der Sohn des jüdischen Kaufmanns auch aus moralischen Bedenken stirbt. Qualitativ ist das Werk sicherlich nicht im oberen Level zu finden, salopp gesagt, ich würde es mit Austen vergleichen im Gegensatz zu den Bronte-Geschwistern, sprich mehr auf Unterhaltung angelegt. Aber insgesamt bin ich nicht enttäuscht worden, die Lektüre hat Spaß gemacht, auch wenn ich jetzt keinen Freytag mehr lesen muss (genauso wie ich keine Austen Bücher mehr lesen möchte).


Folgt man dem Wikipedia Artikel über Freytag, dann kann man ihn nicht Antisemit nennen. Ich bin zwar misstrauig, was Wikipedia betrifft, aber vielleicht kann jemand aus dem Forum, der Zugriff zu einer ausführlichen Literaturgeschichte, bzw. einem Literaturlexikon hat, zu dem Thema noch etwas zur Vertiefung beitragen.
Bei einem Roman, in dem schließlich Individuen geschildert werden, lässt es sich nicht immer feststellen, ob Klischees aufgeriffen wurden oder ob die Vorlage einer Figur aus einem persönlichen Eindruck des Autors entstanden ist. Es ist natürlich kennzeichnend, wenn bei Freytag und bei Raabe das Bild des Juden so gleichsinnig negativ geschildert ist. Wie ich aus "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff und einem Märchen der Brüder Grimm entnehme war das Judenbild im 19. Jahrhundert schon verbreitet nahe am biologischen Zerrbild angesiedelt. Die Romantik hat da wohl schon ganze Arbeit geleistet.
Ich bin gesapnnt, wie ich "Soll und Haben" unter diesem Gesichtspunkt einschätzen werde.
Danke zunächst für deine Einschätzung, die mich nicht abhält den Roman in einige Zeit zu beginnen.

Offline JMaria

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Re: Gustav Freytag
« Antwort #27 am: 1. Mai 2010, 11:43 »
  Aber insgesamt bin ich nicht enttäuscht worden, die Lektüre hat Spaß gemacht, auch wenn ich jetzt keinen Freytag mehr lesen muss (genauso wie ich keine Austen Bücher mehr lesen möchte).

LG
Anita


Hallo Anita,

hat jetzt nichts mit Gustav Freytag zu tun, aber ich erinnere mich gerade an einen Thread den wir vor Jahren hatten:

Klassiker mit 20 und mit 40:
http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,630.15.html

Jane Austen wurde darin noch nicht erwähnt ;-)

Grüße von
Maria
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