Hallo!
Wie ist Sancho erstaunt, als er erfährt, dass die Herzensdame seines Herrn, die geheimnisvolle Dulcinea von Toboso, keine Prinzessin, sondern nichts weiter als ein Bauernmädchen aus dem Nachbardorf ist. Don Quijote hingegen scheint keinen Widerspruch darin zu sehen, denn wofür ich Dulcinea von Toboso brauche, Sancho, taugt sie ebenso wie die hochvornehmste Prinzessin auf Erden. Jeder Ritter braucht eine Dame zu deren Ehre er seine Heldentaten vollbringen kann. Ob sie jetzt aber von hohem oder niederem Stand ist, ist für Don Quijote einerlei, solange sie schön und sittsam ist. Der Rest ist Projektion und Phantasie: Schliesslich und endlich stelle ich mir vor, dass alles ist, wie ich es sage, keinen Deut anders, in meinem Geiste sehe ich sie so hold und fürstlich, wie ich sie mir wünsche.
Da ist nicht von Verrücktheit zu spüren, und wenn sich Don Quijote ein X für ein U vormacht, so tut er das völlig bewusst und bei klarem Verstand.
Einige Abschnitte später fordert Sancho die Esel ein, die ihm Don Quijote nach dem Verlust seines Grauohrs versprochen hat:
"Also dann", sagte Sancho, "setzt aufs andere Blatt den Wechsel über die drei Eselsfüllen und unterschreibt mit Eurem Namen klar und deutlich, damit man Eure Unterschrift erkennt."
Jetzt haben wir dich, habe ich mir an dieser Stelle gedacht, denn wie wird er nun unterschreiben, mit Don Quijote oder mit seinem wirklichen Namen Alonso Quijano?... - Nun, das alte Schlitzohr entwindet sich der Zwickmühle geschickt:
"Das Unterschreiben ist nicht nötig", sagte Don Quijote, "mein Schnörkel drunter ist so gut wie eine Unterschrift [...]"
Er unterschreibt also nicht. Und was sagt uns das? Wäre er wirklich so verrückt, sich für Don Quijote zu halten, dann hätte nichts dagegen gesprochen, auch als Don Quijote zu unterschreiben. Nur, dass der Wechsel dann natürlich ungültig geworden wäre ... Und da er das weiss, verzichtet er darauf. Aber seinen wahren Namen will er auch nicht unter das Schreiben setzen, weil er unbedingt an seiner Fiktion festhalten möchte. So spekuliert er darauf, dass seine Nichte die Authentizität des Wechsels an seiner Handschrift erkennen werde.
Das sind zwei Szenen, die bei mir Zweifel haben aufkommen lassen, ob Don Quijote wirklich verrückt ist.
Gruss
riff-raff