Hallo zusammen!
Habe soeben die lange Episode (etliche Kapitel im 2. Teil) zu Ende gelesen, in der Don Quijote und Sancho Pansa zu Gast in der Burg des Herzogs und der Herzogin weilen. Ich muss gestehen, ich konnte dieses Ehepaar nicht ausstehen. Zu ihrem rein persönlichen Amüsement binden sie unserem leichtgläubigen Heldenpaar einen ganzen Wald voll Bären auf. Ein abgeschmackter Scherz folgt auf den anderen und alles auf Kosten des Ritters und seines Knappen. Da dieses so ungleiche Paar mir zwischenzeitlich ans Herz gewachsen ist, hat es mich richtig geärgert, sie dermassen gefoppt zu sehen.
In der Burg lebt auch die Kammerfrau Doña Rodríguez, mit ihrer Tochter. In das junge Mädchen verguckt sich der Sohn eines steinreichen Bauern aus einem Dorf des Herzogs. Und mittels eines vorgetäuschten Ehegelöbnisses gelingt es ihm, das unerfahrene Kind zum Geschlechtsverkehr zu verführen. Fait accompli will er natürlich von seinem gegebenen Versprechen plötzlich nichts mehr wissen.
Doña Rodríguez: "Obwohl mein Herr, der Herzog, davon weiss, weil ich ihm mein Leid geklagt - nicht nur einmal, sondern viele Male - und ihn gebeten habe, dem Bauern zu befehlen, meine Tocher zu heiraten, stellt er sich taub, ja will mich schon gar nicht mehr anhören, und der Grund ist, dass der Verräter einen reichen Vater hat, der dem Herzog Geld leiht und auf Schritt und Tritt für seine Schulden bürgt, so dass er ihn nicht vor den Kopf stossen oder sonstwie verärgern will."
Was bleibt der Mutter da anderes übrig, als sich hilfesuchend an den rechtschaffenen Don Quijote zu wenden, der - wie könnte er auch anders - ihr natürlich sofort Unterstützung zusagt. Zwar hegt er Bedenken angesichts der Gastfreundschaft, die ihn an den Herzog bindet, aber diese Unsicherheit ist nur von kurzer Dauer. Aus seinem Brief an Sancho:
Mir wurde ein Geschäft angetragen, das mich, wie ich glaube, bei den Herrschaften des Hauses in Ungande bringen wird, was mich im Innern trifft und wiederum nicht, denn letztlich bin ich nur meiner Berufung verpflichtet, nicht ihrer Gefälligkeit.
Denn Ziel und Zweck meines Berufes ist es [wie er Doña Rodríguez erklärt hat], mild mit den Ergebenen zu sein und die Trotzer niederzuducken, das heisst, den Bedrängten beizuspringen und die Grausamen zu vernichten.
So liebe ich unseren alten Haudegen, keine falschverstandenen Rücksichten, keine Bücklinge vor Geld- oder Geburtsadel, sondern immer konsequent und geradlinig. Nicht gerade der beste Weg um in einer geld- und machtgeilen Welt zu reüssieren, aber Don Quijote ist nun mal ein wandelnder Anachronismus, war es schon zu seiner Zeit, im 17. Jahrhundert, und erst recht im unsrigen, aber gerade das macht ja vielleicht seine Anziehungskraft aus.
Schöne Pfingsten allerseits
riff-raff