Autor Thema: Mai 2010: H.v.Doderer - Die Strudlhofstiege  (Gelesen 14114 mal)

Offline Anita

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hier fehlt mir das philosophische Verständnis. Pfarrers Wäldchen, schon der Begriff verwirrt mich. Meister Eckhart kenn ich auch nicht. Kannst du deine Aussage näher erklären? Den Schlüssel auf den Seiten 428 bis 429 fand ich leider nicht dazu.

Ich kann das jetzt nicht als Wahrheit deklarieren, dafür habe ich dieses Thema derzeit nur mal kurz anrecherchiert und nicht zuende gebracht ... Das was ich gelesen habe, machte mir den Eindruck: Auf der einen Seite stand da noch das Pfarres Wäldchen (Hergebrachter westlicher Glaube), aber ein Ort der Erholung und der Meditation. Auch schon vorher kreiste der Begriff Buddhismus mir in meinen Gedanken, als dann auf 429 noch das Vehikel vorkam, ganz typischer Begriff im Buddhismus (dieser Pfad der Erleuchtung sind alles kleine Wagen/Vehikel, die einen weiter führen), war mir eine Art Synthese gegeben worden.

Jetzt wird es schwer  :breitgrins: aufgepasst, Renés Vater, der die Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit, und so den Zutritt zur Toleranz findet, hatte für mich (bei den Stangelers generell) aus den alten Traditionen (Christentum) zum Osten gefunden (Buddhismus). Meister Eckhart hat auch die Transzendenz Gottes gefunden ... Öhm, vielleicht sollte man sagen, er hat die Engstirnigkeit abgelegt???

Danach folgt dann das Erlebnis von René ... Ich bin mir nicht sicher, ob diese Figur "verstrickt ist in Fremdbestimmung", den Pfeil hat er bewusst selber abgeschossen ... ???

Aber festlegen werde ich mich auf keinem Fall, da kann man sich ja nur die Finger verbrennen  :breitgrins:

LG
Anita

Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Anita

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ich glaube schon, dass hier eine Zeitperiode eingerahmt wird; jedoch mit Melzer alleine hätte ich es nicht in Verbindung gebracht. Doderer meidet auch eher politische Aussagen, jedenfalls bisher. Doch da du es ansprichst, werde ich meinen Augenmerk darauf legen.  :winken:

Ich wäre dir dankbar, wenn du das ein wenig nachverfolgen könntest  :smile:

Dann hätten wir nämlich zwei Figuren, die jeder eine europäische Entwicklung spiegeln, einmal von der Monarchie zur Demokratie und die Glaubens(Philosophie)entwicklung von René. Und damit blieben sie weiterhin auch Komplementärfiguren, auch weil Melzer sich gerne der Gedanken von René bedient. Was er daraus macht, soweit bin ich noch nicht ...

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline JMaria

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Ich kann das jetzt nicht als Wahrheit deklarieren, dafür habe ich dieses Thema derzeit nur mal kurz anrecherchiert und nicht zuende gebracht ... Das was ich gelesen habe, machte mir den Eindruck: Auf der einen Seite stand da noch das Pfarres Wäldchen (Hergebrachter westlicher Glaube), aber ein Ort der Erholung und der Meditation. Auch schon vorher kreiste der Begriff Buddhismus mir in meinen Gedanken, als dann auf 429 noch das Vehikel vorkam, ganz typischer Begriff im Buddhismus (dieser Pfad der Erleuchtung sind alles kleine Wagen/Vehikel, die einen weiter führen), war mir eine Art Synthese gegeben worden.

Jetzt wird es schwer  :breitgrins: aufgepasst, Renés Vater, der die Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit, und so den Zutritt zur Toleranz findet, hatte für mich (bei den Stangelers generell) aus den alten Traditionen (Christentum) zum Osten gefunden (Buddhismus). Meister Eckhart hat auch die Transzendenz Gottes gefunden ... Öhm, vielleicht sollte man sagen, er hat die Engstirnigkeit abgelegt???

Danach folgt dann das Erlebnis von René ... Ich bin mir nicht sicher, ob diese Figur "verstrickt ist in Fremdbestimmung", den Pfeil hat er bewusst selber abgeschossen ... ???


Hallo Anita,
hallo zusammen,

du bietest ja eine Menge Stoff zum Nachdenken. Einen religiösen Bezug hatte ich nicht entdeckt. Über den Begriff "Vehikel" hatte ich mich gewundert. Pfad der Erleuchtung, würde von der Thematik in die Stiege passen. Schön versteckt, nicht zu offensichtlich religiös, sondern ein bewußtseinserweiternden Leben. Oder so ähnlich. Man stolpert auch immer wieder über Wortkreationen, die mit "Sein" zu tun haben. Sein-Sollen ... u.a.  ich habe mir die Passagen nicht vermerkt, da sie mir erst im Nachhinein aufgefallen sind.

auch der Begriff "uterale Raison" finde ich sehr seltsam. Eine gebärmutterbezogene Vernunft? Vielleicht hat es mit "ursprünglich" zu tun?
oder gibt es den Begriff in irgendeinem Bereich (wie Philosophie), oder doch nur eine Begriffserfindung von Doderer?

Ja, das mit dem Pfeil abschießen war schon etwas seltsam und unwirklich, seine Unschärfe wurde zu einer Schärfe, die Farben auf der Zielscheibe veränderten sich!

Der "Pfeil" bleibt auch noch Thema bei Fraunhofer im Zugabteil nach Budapest und im gesamten 3. Teil.

Grüße von
Maria
« Letzte Änderung: 11. Juni 2010, 17:52 von JMaria »
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Offline JMaria

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Hallo zusammen,

den 3. Teil habe ich nun beendet.
Der Geschichte konnte ich leichter folgen, da sie fast nur chronologisch angelegt ist, mit wenigen Rückblicken; so erfahren wir nebenbei, dass im Februar 1924 Mary Ks. Mann gestorben ist. Doktor Negria taucht ab S. 533 wieder kurz auf, mit Angelika Scheichsbeutel.

Melzer entfaltet sich weiter, er öffnet sich Asta (im Gegensatz zu der Szene mit Editha/Mimi zuvor) und erzählt ihr vom Tod Laska.  Viel Rot ist um Melzer. Tief empfand ich diesen Gedanken:

Er dachte an den toten Major Laska: Er empfand Schmerz. Er sah vor sich hin, tief in das gefühllose Spinatgrün erhabener Waldesnatur. Es war mit diesem Toten so, als stürbe er nur langsam in Melzer, schub- und etappenweise, als wäre immer noch ein Stück nicht empfundenen Schmerzes, nicht getrauerter Trauer einzuholen. (S. 483)

Eine Schlüsselstelle bietet Renés Erlebnis auf dem Perron als er Editha und Mimi zusammensah. Gut reagiert hat die Paula Pichler. Achja, und Thea Rokitzer ist zurück.

Es kommt mir so vor, als ob nun alle Figuren endlich perfekt platziert sind, um dem Höhepunkt zuzusteuern.


Zitat von: “Anita“
Und da muss ich dann noch mal nachhaken, sein Reinigungsbad, also von René, das habt ihr jetzt aber auch gelesen oder? Der Link von sandhofer passt richtig gut   

ich komme nun zur S. 559 und bisher kein Reinigungsbad. Was meinst du damit, Anita, und von welchem Link sprichst du?


Edit:
und wieder so ein Begriff, mit dem ich nicht viel anzufangen weiß: Kommunismus der Gefühle (S. 450)   :rollen:

Schöne Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 11. Juni 2010, 18:07 von JMaria »
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Offline Anita

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Zitat von: “Anita“
Und da muss ich dann noch mal nachhaken, sein Reinigungsbad, also von René, das habt ihr jetzt aber auch gelesen oder? Der Link von sandhofer passt richtig gut   

ich komme nun zur S. 559 und bisher kein Reinigungsbad. Was meinst du damit, Anita, und von welchem Link sprichst du?

Doch Maria, das müsstest du nun gelesen haben: als René näckisch durch den Wald läuft und den Pfeil abschießt. Ganz so wie Hesse es tat  :breitgrins:

"Kommunismus der Gefühle" ein Ausdruck der Stangelers ist das, gelle? Politische Richtung? Für mich auch in Liebesdingen (Frauen) freier, gleicher, emanzipierter, links halt  :zwinker: oder?

So jetzt bin ich weg  :winken: Ich hoffe, mir wird diese Zwangspause "Stiege" einigermaßen gut bekommen, ich war gerade so gut drin  :redface: Aber Urlaub ist auch klasse!

LG
Anita
« Letzte Änderung: 11. Juni 2010, 18:18 von Anita »
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline JMaria

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Hallo,

S. 449
Dann aber kam jener Augenblick auf dem Bahnhofe, von dem an dies alles überflogen wurde, lang noch, bevor es aus sich heraus verflachte. Wie sich auf Kokoschkas berühmtem Gemälde 'Monte Carlo' die Taube durch den Luftraum vor Meer und Landschaft schwingt, so voll des Schwunges warf sich Fraunholzer in diese neue und von ihm bisher nicht betretene Ebene des Lebens und unterwarf sich deren Gesetzen.....

eine schöne Metapher. Hier kann man das Gemälde betrachten:

http://www.lentos.at/de/45_1783.asp
(auf Bild ansehen klicken)

Gruß,
Maria
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Offline JMaria

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Hallo,

aufgrund Renés Abschweifung (Editha und die Strudlhofstiege auf S. 498) habe ich dazu "Oscar Wildes Sphinx ohne Rätsel" gelesen. Seine Sprachgewandtheit macht Laune :-)

hier zwei Zitate aus der Erzählung:

...die Frauen sind dazu da, daß man sie liebt, nicht aber, daß man sie versteht.

Lady Alroy war einfach eine Frau mit der Sucht nach dem Unenträtselbaren. Sie hatte die Zimmer gemietet, nur um des Vergnügens willen, mit herabgelassenem Schleier hinzugehen und sich vorzustellen, sie sei die Heldin eines romantischen Abenteuers. Sie hatte eine Leidenschaft für alles Heimliche, Geheimnisvolle; sie selbst jedoch war nur eine Sphinx ohne Geheimnis.


passt durchaus auf Editha/Mimi und die Verwirrung einiger Herren aus der Strudlhofstiege.

Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 14. Juni 2010, 10:39 von JMaria »
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Offline Steffi

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und wieder so ein Begriff, mit dem ich nicht viel anzufangen weiß: Kommunismus der Gefühle (S. 450)   :rollen:


Ich habe das so verstanden, dass alle alles über einen wissen, dass es keine Geheimnisse gibt.

Die Szene am Bahnhof fand ich auch aussagekräftig - René scheint weiterhin der Welt entrückt; wenig später entschuldigt er seine Verabredung mit Editha:
War man doppelt, dann war man auch nicht wirklich, ... Aha, so kann man also zwei Freundinnen haben, ist ja ganz einfach  :zwinker: Außerdem scheint er Grete am meisten zu vermissen, als sie noch nicht da war. Und die Rolle als Hausmann habe ich René auch nicht abgenommen. Diese ganze häusliche Szene wirkt so ganz naiv und mit einer biederen Fassade. Auch der Stil Doderers wird frecher - wenn ich an die Beschreibung der Frau Clarisse denke ... jedoch in der Bel-Étage oben kam ein monumentaler Stil dermaßen unvermittelt zum Durchbruche, daß man den Gesamt-Eindruck etwa als den einer umgekehrten Tropfenform bezeichnen könnte. Man sieht, dass er sich köstlich amüsiert und diese ganze gesellschaftliche Häuslichkeit nicht ernst nimmt.

Während René weiterhin in dieser heimeligen Häuslichkeit verstrickt ist, zieht es Melzer aufs Land, in die Natur. Ob es hier weniger oberflächlich zugeht ? Zumindest Asta scheint ja ein Garant hierfür zu sein.

Gruß von Steffi

Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Hallo zusammen,

Der 4. Teil beginnt mit Mary K. und ihrer Witwenschaft, dann allerdings wird es verwirrend. Doderer mäandert um das Thema Tabakschmuggel herum  :zwinker:

@Steffi
wie weit bist du?

wie weit sind denn die anderen bisher gekommen?

Grüße von
Maria
« Letzte Änderung: 16. Juni 2010, 15:54 von JMaria »
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Offline Steffi

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Hallo JMaria,

ich bin in etwa so weit wie du.

Diese ganze Tabakstory dient wohl nur zur allgemeinen Verwirrung und Erheiterung. Schon bisher habe ich Doderer manchmal im Verdacht, die eine oder andere Szene zu schreiben, bloß weil ihm ein paar lustige Sätze eingefallen sind  :breitgrins:

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline wanderer

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Hallo Zusammen!

Ich konnte erst am 6.06 einige Stunde lesen und bin leider erst zur Seite 104 gekommen. Peinlich  :sauer:  :grmpf:  :redface:

Ihre Kommentare lese ich immer mit Interesse:Danke dafür.

Viele Grüße
wanderer

Offline Anna Magdalena

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Salve miteinander!

Ich melde mich zurück und bin erleichtert, dass ich den Anschluss nicht verpasst habe. In Deutschland fehlten mir die Zeit und vor allem die nötige Ruhe für Doderer, da langte es gerade mal für ein paar alte Krimis von Agatha Christie. In den letzten Tagen konnte ich mich dann wieder in die „Strudlhofstiege“ vertiefen und bin auch gerade bei der wirklich etwas verwirrenden Tabakschmuggelgeschichte.

Der Geschichte konnte ich leichter folgen, da sie fast nur chronologisch angelegt ist, mit wenigen Rückblicken; [...] Es kommt mir so vor, als ob nun alle Figuren endlich perfekt platziert sind, um dem Höhepunkt zuzusteuern.

Seit die Geschichte in den Jahren 1923-25 spielt, scheint sie tatsächlich in ruhigeren Bahnen zu verlaufen. Das liegt wohl auch daran, dass man mittlerweile mit den Romanfiguren und ihren vielfältigen Beziehungen untereinander besser vertraut ist. Trotzdem muss ich mich auf die Erzählung jetzt stärker konzentrieren als vorher. Der Ton hat sich geändert, er ist etwas ernster geworden, weniger humoristisch. Die psychologischen Vorgänge werden noch genauer, noch analytischer beschrieben, manche Abschnitte musste ich sogar zweimal lesen, um sie richtig zu erfassen. Dieser Wechsel im Ton ist durchaus folgerichtig. In den Jahren 1910/11 waren die Figuren des Romans fast alle noch sehr jung, unbeschriebene Blätter, die ihre Erfahrungen erst noch machen mussten. Jetzt – fünfzehn Jahre und einen Weltkrieg später - ist die Unbeschwertheit der Jugend dahin, sie haben manches durchlebt, dementsprechend problematischer und komplizierter ist ihr Innenleben geworden. Es zeugt einmal mehr vom schriftstellerischen Können Doderers, dass er diese veränderte Verfassung seiner Figuren nicht expressis verbis, sondern durch einen Wechsel im Tonfall zum Ausdruck bringt.

Immer wieder wird die Strudlhofstiege beschrieben. Sie ist das geheime Zentrum des Romans, weniger eine Bühne als eine Begegnungsstätte, wo die Figuren des Romans von Zeit zu Zeit aufeinander treffen, um dann in ihre individuellen Lebensbahnen zurückzukehren.
Wenn vom „Rauschen des Brunnens“ oder von des „Brunnens Selbstgespräch“ die Rede ist, erinnert mich das immer unwillkürlich an die verschlafen rauschenden Brunnen bei Eichendorff. Vielleicht ist das gar nicht mal so abwegig. Auch dort scheint sich der „entschleierte genius loci“ zu zeigen, das „entdeckte und Form gewordenen Geheimnis dieses Punktes“. Die Strudlhofstiege ist Brücke zwischen den Zeiten, ein sichtbares Bild der in der Gegenwart enthaltenen Vergangenheit, sie verkörpert das Wesen Wiens:

Hier ist alles zugleich: die tiefste Tiefe der Stadt und das Frei-Sein von ihr, durch den grünen Abbruch des Terrains und den weiten Blick.“ (S. 494)

Immer wieder schön sind Doderers Stimmungsbilder und Beschreibungen:

Über der Stadt und ihren weit ausgestreuten Bezirken stand auf goldenen Glocken der Spätsommer…“ (S. 559)

…die Frau in einem roten Sommerkleid, die Haare gelb wie ein Trompetenstoß…" (S.544)

Gruß
Anna


Offline Steffi

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Seit die Geschichte in den Jahren 1923-25 spielt, scheint sie tatsächlich in ruhigeren Bahnen zu verlaufen. Das liegt wohl auch daran, dass man mittlerweile mit den Romanfiguren und ihren vielfältigen Beziehungen untereinander besser vertraut ist. Trotzdem muss ich mich auf die Erzählung jetzt stärker konzentrieren als vorher. Der Ton hat sich geändert, er ist etwas ernster geworden, weniger humoristisch.


Ja, so empfinde ich es auch - eine gewisse Ernsthaftigkeit ist eingekehrt, vor allem auch dann, wenn die Handlung in Wien spielt. Jetzt fällt mir auch auf, dass direkt vom 1. Weltkrieg nicht gesprochen wird, überhaupt das Politische weitgehend ausgeklammert bleibt. Nur indirekt nimmt man als Leser die Zeit wahr, z.B. durch die Tabakaktion.

Bei der Tabakstory speziell habe ich mich allerdings getäuscht, etwas später gibt es doch noch die eine oder andere erhellende Ausführung dazu. Sehr raffiniert, wie das alles miteinander vertrickt ist.

Überhaupt gefällt mir auch die Zwillingsgeschichte wunderbar - natürlich will man als Leser wissen, warum Mimi damals gegangen ist, aber darüber gibt es nur Andeutungen. Es scheint, Editha lügt zuviel. Aber Doderer kommt nicht zum Punkt und erzählt von allem anderen (über die Hausmeister musste ich lachen!) nur nicht über das, was man erwarten würde. Dieses Hin und Her finde ich außerordentlich interessant und ja, irgendwann kommt es bestimmt noch raus, und wenns bloß in einem Halbsatz ist.

Ich komme zu S. 605.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Anita

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Hallo liebe Mitleser,

kaum habe ich gestern das erste Kapitel wieder in der Stiege gelesen, ist mir etwas aufgefallen, was ich vorher total übersehen hatte: Melzer ist Moslem. Was sagt uns das? Ich weiß es noch nicht, aber der Schuss auf den Bär und das Bärenfell, hat das etwas mit dem Schuss auf den Kronprinz zu tun?

Schönen Sonntag euch
Anita
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Offline Anita

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Re: Mai 2010: H.v.Doderer - Die Strudlhofstiege
« Antwort #119 am: 21. Juni 2010, 12:54 »
Ich denke, auch das müsste man mal kurz wiederholen  :zwinker:

http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"