Hallo zusammen,
diese Spiegelung beim erneuten Auftauchen Marys ist euch bestimmt auch aufgefallen. Die Badeszene und das anschließende Teetrinken kommen fast wörtlich ja schon am Anfang vor, sogleich baut sich wieder eine wunderbare Szene auf. Nachdem Doderer mit Mary eine ideale Frau beschreibt, die klug und wahrhaft wohlgeraten ist, die "den Anruf vom Fenster her empfing; den konzentrischen Angriff der Stille empfand;" steht der Satz: Aber Mary gab es nicht. (S.782). Diese Aussage verwirrt mich - bezieht sich das auf die vorher beschriebene, ideelle Person oder auf Mary als Kunstfigur ?
Achja, Melzer geht an seinem freien Sonntag zur Messe - also katholisch ! S.765: Nach der Messe kein Spaziergang. Auf jeden Fall ist er sicherlich vielfältigen Gedanken und Einflüssen offen.
Das Gespräch Melzer-René über Etelkas Tod fand ich auch sehr in Richtung Realismus, weg von dem ganzen Symbolhaften. Es war, als ob die Realität in Doderers Kosmos hereinschaut, brutal und direkt. Melzer erkennt dies, während René weiterhin versucht, sich hinter Theorien zu verstecken.
Man könnte ja sagen, Ethelka stirbt, weil sie ihre wahre Liebe erkannt hat, diese aber aufgrund der Konventionen nicht leben kann. Ich frage mich, ob Melzer und René auf der Suche nach der wahren Liebe sind, ob es sich lohnt, danach zu suchen oder wann erkennt man überhaupt die wahre Liebe ? Könnte man sie nur erkennen, wenn man sich selbst erkennt ?
Ich bin auf S. 816.
Gruß von Steffi