Autor Thema: Mai 2010: H.v.Doderer - Die Strudlhofstiege  (Gelesen 14114 mal)

Offline Steffi

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Teil 3 führt diesen Zihal ein. Wieder greift der Erzähler weit aus um dann auf Thea Rokitzer zu kommen, die anscheinend noch wichtig für den weiteren Verlauf wird. Mir liegt dieses Kreisen um die Personen, das Entfernen von ihnen und dem wieder Annähern.


Naja, ich muss sagen, mir fällt es manchmal schwer, mich darauf einzulassen. Zu gerne wüsste ich bei manchen Passagen wohin das noch führt. Denn dann reisen meine Gedanken um die Personen, wer mit wem und wie verwandt oder bekannt ist und der Inhalt geht an mir vorüber.

Auch diese Passage mit den zwei Briefen, ich habe erst am Ende verstanden, dass es zwei Briefe waren, weil ich einen Halbsatz überlesen hatte. Einerseits finde ich das toll gemacht, andererseits kann es auch nerven.

Was mir auch noch auffällt ist, das manche Szenen sehr verdichtet geschrieben sind. Wenn dann eine solche Szene fertig ist, bin ich immer erstaunt, dass es nur 2 oder 3 Seiten waren, auf denen das alles passiert ist.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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Hallo zusammen,

Naja, ich muss sagen, mir fällt es manchmal schwer, mich darauf einzulassen. Zu gerne wüsste ich bei manchen Passagen wohin das noch führt. Denn dann reisen meine Gedanken um die Personen, wer mit wem und wie verwandt oder bekannt ist und der Inhalt geht an mir vorüber.


ich glaube, man kann beim ersten Mal lesen der Stiege sowieso nicht alles erfassen.


Zitat
Auch diese Passage mit den zwei Briefen, ich habe erst am Ende verstanden, dass es zwei Briefe waren, weil ich einen Halbsatz überlesen hatte. Einerseits finde ich das toll gemacht, andererseits kann es auch nerven.


du meinst den Brief den Thea von Melzer bekommen hat, aber  der Editha nicht gegeben hat, sie hatte ihn immer noch beim Besuch bei der Paula Pichler (Schachl) in der Tasche und den Brief den sie am Postamt abgeholt hat, im Auftrag von Eulenfeld?

ich habe jetzt nicht verstanden, ob sie diesen Brief der Editha oder dem Eulenfeld gebracht hat. Aber das löst sich bestimmt noch auf.

Jedenfalls funktioniert die schriftliche Nachrichtenüberbringung in der Stiege überhaupt nicht.  :zwinker:

Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 5. Juni 2010, 10:33 von JMaria »
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Offline Anita

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Hallo Zusammen.

Ich war gestern auch etwas erschrocken, zwei Briefe? Welche meint Steffi  :redface: Wollte dann aber nichts mehr schreiben ...

Aber dieses Verwirrspiel wird noch viel extremer, Seite 607 und folgende, mein Tipp ist, einfach langsam weiter lesen, man versteht es sukzessive  :zwinker:

Ich muss auch immer genau einplanen, wann ich in der Stiege lese, 1 bis 2 Stündchen ungestörte Ruhe müssen dann drin sein, ansonsten lasse ich es lieber.

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline JMaria

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du meinst den Brief den Thea von Melzer bekommen hat, aber  der Editha nicht gegeben hat, sie hatte ihn immer noch beim Besuch bei der Paula Pichler (Schachl) in der Tasche und den Brief den sie am Postamt abgeholt hat, im Auftrag von Eulenfeld?

ich habe jetzt nicht verstanden, ob sie diesen Brief der Editha oder dem Eulenfeld gebracht hat. Aber das löst sich bestimmt noch auf


und es klärt sich auf S. 374 auf. Thea ist bei Editha!


Zitat von: Anita
Ich muss auch immer genau einplanen, wann ich in der Stiege lese, 1 bis 2 Stündchen ungestörte Ruhe müssen dann drin sein, ansonsten lasse ich es lieber.

handhabe ich ähnlich. :-)

LG
Maria
« Letzte Änderung: 5. Juni 2010, 16:17 von JMaria »
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Offline Steffi

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Ja, genau diese zwei Briefe. Den, den sie noch immer von Melzer in der Tasche hatte, hatte ich nämlich total vergessen, denn die Überreichung an Thea war ja, wenn ich mich recht erinnere, aus der Sicht Melzers geschrieben. Und dank Eulenfeld hat sie, schwupps, zwei Briefe an Editha.  :breitgrins:

Ich muss auch immer genau einplanen, wann ich in der Stiege lese, 1 bis 2 Stündchen ungestörte Ruhe müssen dann drin sein, ansonsten lasse ich es lieber.

Mache ich auch so  :winken:

Gruß von Steffi
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Offline JMaria

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Hallo zusammen,

ich finde die Paula Pichler (Schachl) sehr interessant. Sie ist nun mehr in den Mittelpunkt gerückt; Sie und ihr Garten.
Außerdem gefällt es mir, wie sie die Vergangenheit mit René handhabt und vernünftig argumentiert, ihre Ratschläge sind durchdacht (Thea und der Brief den Melzer an Editha schrieb, da kam doch etwas Eifersucht hervor).

Thea Rokitzer hat der Autor vorerst aus der Geschichte rausgenommen. Sie ist zu Verwandten gefahren.
S. 395
Sie  sind wir also vorläufig los. Ebenso die Grete Siebenschein....

wie charmant ;-)


Schwer tue ich mich mit den Begriffen zihaloformes Phänomen (Scheichsbeutel wird so bezeichnet).

oder S. 392:

...ein Chemiker würde Verbindungen von solchem Salze etwa Zihaloide, ein Botaniker derartige Gewächse vielleicht Zihaloideen benennen. Hier wird von Rosa Zihal gesprochen, eine Verwandte  von Amtsrate Zihal.

ich könnte dies nicht erklären.
Gruß,
Maria
« Letzte Änderung: 7. Juni 2010, 12:57 von JMaria »
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Offline Anita

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...ein Chemiker würde Verbindungen von solchem Salze etwa Zihaloide, ein Botaniker derartige Gewächse vielleicht Zihaloideen benennen. Hier wird von Rosa Zihal gesprochen, eine Verwandte  von Amtsrate Zihal.

In meinem Notizbuch steht: Zihalismus hat die Fähigkeit über sich selbst hinaus zu steigen, sich selbst anzugranteln und zu ironisieren ... Im weiteren Verlauf kommt diese zihaloide Hausmeisterklicke auf, da wird es ziemlich deutlich was gemeint ist.

Zitat
Schwer tue ich mich mit den Begriffen zihaloformes Phänomen (Scheichsbeutel wird so bezeichnet).

Wird dieser Beutel als zihaloid oder eben als ein solches Phänomen betitelt, denn zu ihm passt eigentlich bisher nur dieses ad-notam nehmen.

Aber zu 392: Da ist diese Verwandte (formal, Bestimmungen und Vorschriften) eben eine Beamtin, ähnlich der Hausmeister ... sie scheint aber in dieses Salz oder zu diesem Gewächs nicht zu passen  :breitgrins:

Vielleicht habe ich dir damit ein wenig auf die Sprünge helfen können  :winken:

Zu den Figuren: Für mich ist lediglich René greifbar, das soll ja auch Doderer selber sein, alle anderen sind Klischees, Hüllen, Prinzipien. Vielleicht, der Titel lässt ja hoffen, erwacht Melzer noch.

Und da muss ich dann noch mal nachhaken, sein Reinigungsbad, also von René, das habt ihr jetzt aber auch gelesen oder? Der Link von sandhofer passt richtig gut  :zwinker:

LG
Anita
« Letzte Änderung: 7. Juni 2010, 14:21 von Anita »
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Sir Thomas

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Zihalismus hat die Fähigkeit über sich selbst hinaus zu steigen, sich selbst anzugranteln und zu ironisieren ...

Zihalismus: das Aufbauen einer in sich schlüssigen Welt ohne wechselhaften Bezug zur Umwelt, verbunden mit dem Primat des Dekors über den Gehalt. (Doderer-ABC)

LG

Tom

Offline scheichsbeutel^

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Schwer tue ich mich mit den Begriffen zihaloformes Phänomen (Scheichsbeutel wird so bezeichnet).

Ich fühle mich angesprochen ;). Einige Definitionen wurden schon nachgeliefert, eine naturwissenschaftlich exakte, allumfassende Beschreibung des Zihaloids (eine spezifisch österreichische Lebensform, die vor allem in Ämtern bestens gedeiht und reichen Nährboden findet) kann aber des Umfanges, auch der fließenden Begrenzungen wegen nicht gegeben werden.

Grüße

s.

der befürchtet, dass die in realiter hinter dem hier schreibenen Nick stehende Person auf wenig Zustimmung seitens der Zihaloide stoßen dürfte.

Offline Steffi

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 :breitgrins: Ich stelle mir einen Zihaloid als Beamten par excellence vor. Die Wortspiele damit finde ich immer sehr amüsant !


Und da muss ich dann noch mal nachhaken, sein Reinigungsbad, also von René, das habt ihr jetzt aber auch gelesen oder? Der Link von sandhofer passt richtig gut  :zwinker:


Reinigungsbad ? Da muss ich bisher passen (S. 450) ... immerhin rennt er mit Pfeil und Bogen durch den Wald.

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline Anita

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Kleines Fazit kurz vorm Urlaub:

Vorgestern ist mir etwas richtig ins Auge gesprungen. Okay wir hatten schon mal festgehalten, dass Doderer die Gesellschaft spiegelt, auch mit dem Begriff verschmockt. Mir kam nun der Gedanke, dass eigentlich Melzer Österreich, also die Geschichte Österreichs, inne hält. D. h. vom Militär zu Zivil, von der K. u. K. Zeit zur Demokratie. Sind das seine tiefen Jahre? Natürlich wurde diese Idee auch durch das Zihaloide unterstützt, Doderer streift ganz oben drüber die Geschichte Österreichs?

Ferner kommen mir fast alle Figuren so leer vor, da sie absolut einseitig sind. Leere Hüllen, da Lebendigkeit eigentlich immer auch den Spiegel/Widersprüche mit sich trägt. Und kann es sein, dass der ach so gute Melzer zum Schluss doch noch ein wenig böse (menschlich) wird? Zumindest aus Liebe?

So, mit diesen „Inspirationen“ verlasse ich nun diese Lektüre für ein Weilchen  :winken:

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline Steffi

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Ferner kommen mir fast alle Figuren so leer vor, da sie absolut einseitig sind. Leere Hüllen, da Lebendigkeit eigentlich immer auch den Spiegel/Widersprüche mit sich trägt. Und kann es sein, dass der ach so gute Melzer zum Schluss doch noch ein wenig böse (menschlich) wird? Zumindest aus Liebe?


Auf Melzers Entwicklung bin ich auch gespannt, bisher kann ich ihn nur schwer einschätzen, weil er bzw. Doderer alles in sich vergräbt, die Gedanken an den Tod Laskas oder seine merkliche Unzufriedenheit z.B.. Er versteckt sich hinter Zeremonien wie dem Kaffeekochen, die Szene im Auwald mit Editha/Mimi zeigt das deutlich. Hier scheint er auch sein Gegenüber direkt wahrzunehmen und er stellt fest, dass etwas mit Editha nicht stimmt. Der Leser weiß ja nun schon, dass es sich um die Zwillingsschwester Mimi handeln muss. Da ich die Donau mit ihren Auwäldern und versteckten Badeseen gut kenne, fand ich diese Szene sehr plastisch beschrieben.

Während Melzers Farben hier grün, braun und golden sind, ist René am Vortage im strahlenden Weiss von Edithas/Mimis Wohnung. Er erinnert sich an die Tage vor 14 Jahren, damals war er bei der Begegnung mit dem Lindwurm auch im grün-goldenen Wald. Von dort hat er sich wegbewegt, sollten diese beiden Waldszenen jeweils ein Wendepunkt darstellen, die Natur als Auslöser zum Sich-Selber-Finden ? René jedenfalls ist tief verstrickt in diese Fremdbestimmung, die ihm Grete auferlegt und woraus er sich nicht befreien mag, auch den Lavendelduft, der ihm auferlegt wurde und  mit dem er sich ja auch in eine bestimmte Rolle fügt, hat René inzwischen verinnerlicht.

Gruß von Steffi

@Anita: Viel Spaß im Urlaub !
Gruß von Steffi

Offline JMaria

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  bin ich auch gespannt, bisher kann ich ihn nur schwer einschätzen, weil er bzw. Doderer alles in sich vergräbt, die Gedanken an den Tod Laskas oder seine  Während Melzers Farben hier grün, braun und golden sind, ist René am Vortage im strahlenden Weiss von Edithas/Mimis Wohnung. Er erinnert sich an die Tage vor 14 Jahren, damals war er bei der Begegnung mit dem Lindwurm auch im grün-goldenen Wald. Von dort hat er sich wegbewegt, sollten diese beiden Waldszenen jeweils ein Wendepunkt darstellen, die Natur als Auslöser zum Sich-Selber-Finden ? René jedenfalls ist tief verstrickt in diese Fremdbestimmung, die ihm Grete auferlegt und woraus er sich nicht befreien mag, auch den Lavendelduft, der ihm auferlegt wurde und  mit dem er sich ja auch in eine bestimmte Rolle fügt, hat René inzwischen verinnerlicht.

Gruß von Steffi

@Anita: Viel Spaß im Urlaub !

Hallo zusammen,

die psychologischen Abläufe René betreffend sind interessant; ist er irgendwie noch nicht weiter gekommen, von den Indianerkrapfen zum Schießstand mit Pfeil und Bogen. Er krümmt sich auf dem Boden, voller Zerrissenheit.

@Steffi,
auf das Farbenspiel werde ich in Zukunft mehr achten.

@Anita
auch von mir einen schönen Urlaub.

Danke auch für eure Erklärungen zum Zihaloiden. :-)

Gruß,
Maria
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Kleines Fazit kurz vorm Urlaub:

Vorgestern ist mir etwas richtig ins Auge gesprungen. Okay wir hatten schon mal festgehalten, dass Doderer die Gesellschaft spiegelt, auch mit dem Begriff verschmockt. Mir kam nun der Gedanke, dass eigentlich Melzer Österreich, also die Geschichte Österreichs, inne hält. D. h. vom Militär zu Zivil, von der K. u. K. Zeit zur Demokratie. Sind das seine tiefen Jahre? Natürlich wurde diese Idee auch durch das Zihaloide unterstützt, Doderer streift ganz oben drüber die Geschichte Österreichs?

 

Hallo Anita,

ich glaube schon, dass hier eine Zeitperiode eingerahmt wird; jedoch mit Melzer alleine hätte ich es nicht in Verbindung gebracht. Doderer meidet auch eher politische Aussagen, jedenfalls bisher. Doch da du es ansprichst, werde ich meinen Augenmerk darauf legen.  :winken:

mir schien es, als ob René seine Selbstfindung oder den Weg dorthin über Naturbeschreibungen findet.
Für Melzer hingegen geschehen bedeutende Szenen seiner Menschwerdung in der Stadt. Selbst das Bärenfell hat mehr Bedeutung in seiner Stadtwohnung als die Jagd selbst. *grübel*

Liebe Grüße
Maria
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 Edit 2:  Schopenhauer hat sehr wohl Meister Eckhart (Pfarres Wäldchen) mit Buddha vereinbart, und den Schlüssel findet man auf den Seiten 428 bis 29, das Vehikel hat sich verraten, "im Buddhismus betrachtet man die Sexualität als Vehikel des >Erwachens<" und das war mir geläufig. Nur mit den Begriffen von Transzendenz (mir geläufig) und Tranzendental muss ich mich noch anfreunden  :smile:


Hallo Anita,
hallo zusammen,

hier fehlt mir das philosophische Verständnis. Pfarrers Wäldchen, schon der Begriff verwirrt mich. Meister Eckhart kenn ich auch nicht. Kannst du deine Aussage näher erklären? Den Schlüssel auf den Seiten 428 bis 429 fand ich leider nicht dazu.

Liebe Grüße
Maria
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