Deine Gedanke helfen mir aber weiter, denn Melzer wirkt sehr passiv, sein selbständiges Denken kommt erst gegen Ende zum Tragen, also mit der Menschwerdung. Irgendwie drehe ich mich im Kreise 
Es sind beide wirklich sehr unterschiedlich geschildert - Melzer, dessen Vergangenheit wir auch nicht richtig kennen, bleibt unnahbar und ein bißchen undurchschaubar - letztendlich wissen wir ja nicht mal seinen Vornamen - und doch überwindet er seine passive Haltung, rettet Marys Leben und plötzlich aktiv, weiß er, was für ihn das beste ist. René lernen wir auch durch seine Familie und sein Umfeld kennen, aber je älter er wird, desto passiver wird er eigentlich. Er versucht, alles intelektuell zu begreifen, wo doch das Herz oder die Intuition oder das Gefühl - kurz wohl das Unbewusste - die Führung übernehmen sollte. René klammert sich aber weiterhin an den Verstand, den er nicht loslassen kann. Vielleicht kann man so auch die Religion verstehen, als eine Art Hilfe oder Spiegel, wie sich die Selbstfindung vollziehen kann, es ist vielleicht ein anderer, ursprünglicherer Religionsbegriff, den Doderer hier meint.
Die Kriegserfahrung, das sehe ich auch so, machte Melzer aufgeschlossen für seine Selbstfindung, und dazu braucht er aber auch eine Frau. Ein bißchen wundert mich, dass am Ende diese biedere Bürgerlichkeit das Glück Melzers sein soll, entweder war das auch ein Wunsch Doderers, der immerhin zum Katholizismus konvertierte oder es ergibt sich aus den Schrecken des Krieges ?
Gruß von Steffi