So, ich bin unterdessen mit dem Niebelschütz fertig.
Ein erstes Fazit:
Sprachlich, nachdem die ersten 100-200 Seiten völlig überkandidelt und maniriert daherkommen, sprachlich also, verbessert sich Niebelschütz wirklich. Es ist eine Freude, ihm zu folgen, und das dritte Buch ist, was Sprache und Schilderung von Figuren und deren Gedanken betrifft, eine echtes Kleinod. Leider aber bleibt die Geschichte recht wirr; was in den ersten drei Büchern Satyrspiel war, quasi-barockes Divertimento, wird im letzten zu einer Tragödie, aus der nur noch der Deus ex machina Zeus heraushelfen kann. Der Text wird plötzlich zum Träger politischer An- und Einsichten, und wenn Niebelschütz tatsächlich die Ansichten seiner Sympathieträgerin, Daene, geteilt haben sollte, müsste man ihn für hoffnungslos antiquiert halten. Das Buch ist keine Auseinandersetzung mit den Ereignissen des 20. Jahrhunderts, weder mit dem Ersten noch mit dem Zweiten Weltkrieg oder den Gegebenheiten, die zu diesen geführt haben, es ist keine Auseinandersetzung mit dem Kalten Krieg - es ist eine Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution und ein Plädoyer für einen aufgeklärten Absolutismus als beste Regierungsform.
Nicht einmal Art pour l'art ...