Ich bin auch noch immer im Nebel (ca. Seite 80) - unserem gar nicht nebeligen Hochsommerwetter der letzten Tage sei Dank.

Das Wort Finsternis gebraucht Conrad wirklich häufig
Mittlerweile ist mir noch ein anderes Wort aufgefallen: leer. Das leere Land, der leere Strom, leere Flussstrecken
(du liebe Zeit, neue Rechtschreibung) ... das ist irgendwie ungewöhnlich, aber treffend und gefällt mir sehr gut.
Und noch eine Besonderheit im Ausdruck: Conrad schreibt des Öfteren "dort drinnen", wo ich intuitiv eher ein "dort draußen" erwarten würde. Er bezieht sich dann auf das Land, den Dschungel etc., also ist "drinnen" durchaus logisch - aber man ist eben eher an ein "draußen" gewohnt, wenn von drohender Gefahr die Rede ist. Es ist nur ein ganz feiner Unterschied, aber der erzeugt für mich trotzdem nochmal eine etwas "eigenere" Stimmung.
ich bin nun fast am Ende des 2. Kapitels und diesen Nebel fand ich sehr gut beschrieben. Ich hatte das Gefühl Conrad beschreibt hier das Eindringen des weißen Mannes in die Welt der Schwarzen. Die Weißen waren blind (wie im Nebel) für die Anliegen der Afrikaner. Sie hatten keine Ahnung was sie anrichten und man sieht ja auch, dass sie diese Leute gar nicht als Menschen wahrnehmen, sondern als Tiere, die man wie Hunde dressieren kann.
Der Nebel lichtet sich zwar hin und wieder, aber die Erkenntnis hier etwas falsches zu tun, kommt nicht oder nur sehr, sehr zaghaft.
Das beschreibst du sehr schön.
Man wirft Conrad ja durchaus auch Rassismus vor. Im ersten Teil wollte ich schon fast schreiben, dass ich das für sehr übertrieben halte und dass man an dieses Buch nun mal nicht unsere heutigen Maßstäbe der "political correctness" anlegen darf.
Im zweiten Teil gab es nun aber durchaus schon einige Stellen, wo ich verärgert die Stirn runzeln musste (auch wenn man Marlows Wahrnehmung nicht mit Conrads Einstellung gleichsetzen darf).
Mir kam es so vor, als ob Marlow den Afrikanern im ersten Teil noch mehr Sympathie und Mitgefühl und vor allem weniger Arroganz entgegen bringt. Wie er seinen Heizer beschreibt, ist absolut demütigend ("dressiert" trifft den Nagel auf den Kopf, Jaqui)!

Im ersten Teil hatte Marlow ja auch noch kaum direkt mit den Einheimischen zu tun, während er jetzt richtig mit ihnen zusammen arbeiten und leben muss. Das ist psychologisch durchaus interessant, denn auch in heutigen Städten ist die Ausländerfeindlichkeit ja dort am stärksten, wo die Kulturen tatsächlich aufeinanderprallen und sich arrangieren müss(t)en.