Vielleicht lohnt es sich den Film mal anzuschauen. Bisher ist er immer an mir vorbei gegangen.
Geht mir auch so.
Das Buch lässt mich nicht los ... das Buch und das Gefühl, dass es noch viel mehr zu verstehen gibt, als ich beim ersten Mal lesen erfassen konnte. Helft mir mal!

Ich habe gerade die Stelle noch einmal gelesen, wo Marlow Kurtz' Aufsatz liest - diese edlen und gutherzigen (und optimistischen) Ansichten zum Kolonialismus, mit der plötzlich donnernden Randnotiz "Rottet sie alle aus, die Tiere!".
Also wie ist das nun mit den ominösen "Methoden" von Kurtz? Werden diese Methoden eigentlich irgendwo konkret geschildert? Dreht es sich dabei nun um Verständnis, Einfühlungsvermögen, Kommunikation etc. oder um Härte und Brutalität?
Wenn ersteres: was zur Hölle haben dann die gepfählten Köpfe zu bedeuten??
Wenn zweiteres: warum lieben ihn die Schwarzen? - tun sie das überhaupt in dem Ausmaß, wie es sich die Weißen im Buch einreden? Oder handelt es sich nicht vielleicht eher um ein aus Furcht geborenes Dienen?
Und wofür vergöttern ihn die Weißen nun wirklich - dafür, dass er (zumindest theoretisch) die Völkerverständigung predigt, oder für das viele Elfenbein, das er zusammenträgt? Glauben die wirklich, dass er diese Mengen mit ganz lieb Bitten zusammenbekommt? Oder sind sie einfach nur geil darauf und akzeptieren seine altruistische Fassade deshalb allzu bereitwillig ohne nachzufragen?
Eine Zeitlang dachte ich, dass sich Kurtz vielleicht selbst etwas vormachen will - dass er nicht nur dem Unternehmen den nächstenliebenden Intellektuellen vorspielt, sondern sich auch ein bisschen selbst austricksen möchte, um sein schlechtes Gewissen zu unterdrücken und seine Selbstachtung zu behalten. Aber wenn die Köpfe das sind, wofür ich sie halte - nämlich Machtdemonstration & eine Art "Statussymbol" einerseits sowie ein Selbstschutz durch Einschüchterung der Wilden andererseits - dann stimmt meine Theorie nicht mehr. Dass er sowas nur zu ihrem Besten macht, das kann sich kein Mann mehr einreden - es sei denn, er ist tatsächlich schizophren ... aber auf diese Art geisteskrank hat er auf mich nun auch wieder nicht gewirkt, das war für mich eine andere (durch die äußeren Umstände verursachte) Verrücktheit.
Wenn ich mich richtig erinnere, sind die Köpfe für Marlow ja so eine Art Beweis, dass es Kurtz im entscheidenden Moment an Selbstbeherrschung fehlt (oder so ähnlich). Seht ihr das auch so? Dann bin ich überhaupt vollkommen auf dem falschen Dampfer. Denn wie ein blindes Wüten wirkt die Sache gar nicht auf mich, eher wie eine zwar hasserfüllte, aber doch wohlüberlegte und gezielte Geste.
Und schließlich: idealistischer Entwicklungshelfer oder böser Kolonialist - wovon steckt wohl tatsächlich mehr in Kurtz? Solange er nicht persönlich auf der Bildfläche erschien, wusste ich überhaupt nicht, was ich von ihm halten sollte. Danach kam es mir zuerst so vor, als ob er eigentlich schon ein Idealist wäre, dessen Dämon eben zu gewissen Zeiten aufblitzt, später schien es mir eher umgekehrt. Und nun? Ich weiß nicht ...
Entschuldigt, falls der Beitrag etwas wirr geraten ist, ich habe vieles gerade erst beim Schreiben für mich selbst ausformuliert. Aber vielleicht habt ihr ja noch den einen oder anderen Kommentar und könnt noch ein bisschen Licht in mein Hirn bringen!
