Hallo finsbury,
ich komme zu III/ 5. Kapitel. Enttäuschend für die Bündner, dass der franz. König zu schwach ist um die Unterschrift zu leisten. Rohan schwer erkrankt, wird wohl kaum mehr etwas tun können, wenn er es auch versucht. Doch Jenatsch hat sich bereits innerlich von ihm abgewendet. Wenigstens waren sie bis dato ehrlich miteinander.
Bei Jürg Jenatsch selbst gleitet Meyer manchmal ein wenig ins Triviale ab: Er ist groß, stark, hat blitzende Augen und imponiert überall mit seinem eindrucksvollen Auftritt.
Im Gegensatz zu ihm zeichnet Meyer die Nebengestalten viel differenzierter: den nüchtern-gemütlichen Waser, den nervös-kritischen, mageren Wertmüller, die hysterisch-gemütvolle Herzogin usw.
Damit hast du recht. Jenatsch kann ich nur schwer einordnen; er ist mir nicht sympathisch, aber er zeigt derweilen Züge, die mich bewegen. Ergreifend war für mich Lukretias Warnung an Jenatsch, sich von ihr fern zu halten. Ich glaube, das wird er nicht ernst nehmen, denn er sieht in ihr eine stolze, aber schwache Frau.
Mir gefällt sehr gut, wie der Autor Kunst und Literatur einbaut, passend zum Thema Freiheitskampf und Liebe:
S. 46 Blasius Alexander liest die Makkabäer, Jenatsch legt auf diese Seiten seine Notiz : Makkabäer = jüdische Freiheitskämpfer
S. 136 ein Dichter dessen Name wie ein Vogel klingt = Pierre Corneille, franz. Dramatiker, schrieb u.a.
La Mort de Pompée, Der Tod des Pompeius, zwar eine andere Thematik und spielt in Ägypten, doch zumindest der Titel erinnert an unseren Pompejus (Planta).
S. 121 Grimani erwähnt Machiavelli, der u.a. darüber schrieb, dass die Religion als Mittel der Politik diene, weil durch sie sich die Menschen besser manipulieren lasse. Eigentlich macht es Jenatsch ähnlich, er benutzt beides, Religion und Politik, um an sein Ziel zu kommen, manipuliert er die zwei Machtstaaten, Frankreich und Spanien-Habsburg.
S. 119 ein Bild von Tizian oder aus der Schule Tizians, eine Venus wird beschrieben. Es gibt zwar Venusdarstellungen von Tizian, doch ohne den Parisapfel. Hier bin ich nicht fündig geworden.
Viele Grüße
Maria