Hallo Anita,
ich bin auch schon mit dem 1. Gesang durch und wollte mich soeben mal an einer vorsichtigen Zwischenbilanz versuchen - und da sehe ich, dass deine Eindrücke ja ganz ähnlich sind wie meine! Zum Glück, denn ich hielt mich schon für einen ganz fürchterlichen Banausen.

Also dieses Buch gehört definitiv zum Seltsamsten, was ich jemals gelesen habe. Auch wenn immer wieder einzelne Stellen auftauchen, die mir gefallen, fehlt mir der Zugang zum "Gesamtkonzept" leider völlig. In ganz schlechten Momenten habe ich sogar eher das Gefühl, die Tagebucheintragungen eines eingerauchten 17jährigen Gruftis zu lesen als einen literarischen Klassiker ... und die Komik scheint mir, sofern vorhanden, dann doch eher unfreiwillig.

Dass sich der Erzähler an Dingen erfreut, die einen normalen Menschen ängstigen, während er bei "schönen" Anblicken (Kind in der Wiege) traurig wird - na gut, das mag damals ein Novum gewesen sein, aber hat das Zeug zum Schocker heute auch längst verloren. Wie die Hexen bei Macbeth ("schön ist hässlich, hässlich schön") ...

Naja, es gibt aber wie gesagt auch lichte Momente, so fühlte ich mich in der Strophe
Eine Familie sitzt um eine Lampe ... ganz stark (und gar nicht schlecht) an den Erlkönig erinnert.
Dass die nächste Strophe dann mit "Er, der nicht weinen kann [...], bemerkte, dass er sich in Norwegen befand" beginnt, war wiederum für ein verwirrtes

gut.
Wenn die nächsten 4 Gesänge wirklich auch in dieser Tonart weitergehen, ohne dass sich irgendwas herauskristallisiert, frage ich mich aber schon, wozu das Ganze eigentlich. Aber mal sehen ...