Autor Thema: Juli 2010 - Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror  (Gelesen 5026 mal)

Offline Jaqui

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Hallo ihr Lieben,

heute startet die Leserunde zu Lautréamonts - Die Gesänge des Maldoror

Ich wünsche uns allen viel Spaß bei dem Buch.

Katrin

Offline Jaqui

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Juli 2010 - Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #1 am: 20. Juli 2010, 08:08 »
Der Thread will gefüllt werden    :zwinker:

Wikipedia über das Werk Die Gesänge des Maldoror

Wikipedia über den Autor: Lautréamont

Katrin
« Letzte Änderung: 20. Juli 2010, 10:23 von Jaqui »

Online Anita

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #2 am: 20. Juli 2010, 16:34 »
Hallo Zusammen.

Den Termin habe ich gestern Abend spät noch gecancelt, deshalb konnte ich nun doch heute beginnen.  Ich stecke im ersten Gesang bis: Ich nehme mir vor, …

Inhaltlich fällt mir eine Ähnlichkeit mit Wilber auf, also in der Aussage. Entweder sehe ich nur noch Wilber, oder Wilber hat tatsächlich alles auf einen Punkt gebracht, den gemeinsamen Nenner gefunden. Ich sehe das Atman-Projekt im Streben nach „Ruhm“ und Anerkennung, den „Durst nach Unendlichkeit“, die menschlichen Triebe und seine archaischen Instinkte, die er in der modernen Welt nicht unter Kontrolle bringt. Darüber hinaus kam das Bild der Großen Mutter ins Spiel, mit ihren „Sühneopfern“.

Heißt das Strophen? In der Strophe Ich werde in wenigen Zeilen darlegen, … erzählt Lautréamont Conrads „Herz der Finsternis“ in Kurzform.

Eindeutig surrealistisch, um zum Literarischen Stilmittel zu kommen, ist die Strophe: Beim Schein des Mondes, … Ich finde insgesamt den Stil nicht verstörend oder gar gruselig, meiner misanthropischen Neigung passt er sich gut an. Auch ist es ja nicht im Einzelnen zu deuten, sondern im Allgemeinen mit krassen Bildern. Ja, ich bin positiv überrascht, dass mir das Buch anscheinend doch liegt.

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

Offline sandhofer

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #3 am: 20. Juli 2010, 19:03 »
Ich bin noch zu Beginn des Vorworts, S. 16. Der Text beginnt auf S. 67. Bis jetzt ein paar recht dürre biografische Fakten über Isidore Ducasse.
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Online Anita

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #4 am: 20. Juli 2010, 20:06 »
Ich bin noch zu Beginn des Vorworts, S. 16. Der Text beginnt auf S. 67. Bis jetzt ein paar recht dürre biografische Fakten über Isidore Ducasse.

Fehlt dem o. g. TB in gänzlicher Länge  :sauer: Steht denn gar nichts interessantes drin?  Falls doch erhelle unsere Geister  :breitgrins:
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Offline Jaqui

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #5 am: 21. Juli 2010, 09:33 »
Hallo,

ich habe die ersten Seiten gelesen und ich bin erstaunt wie konkret er die Dinge beim Namen nennt. Bei den dargstellten Misshandlungen des Jungen musste ich schlucken - Stephen King lässt grüßen.

Ansonsten komme ich sehr gut mit dem Buch zurecht, aber ich denke ich muss mich erst mal einlesen.

Katrin

Offline Bluebell

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #6 am: 21. Juli 2010, 21:51 »
Hallo liebe Mitleser,

ich bin mitten in der 9. Strophe des ersten Gesanges, also ca. gleich weit wie Anita.
Auf der ersten Seite dachte ich noch: Oh mein Gott, welch ein Pathos. Es war mir fast zu theatralisch, mit welcher Überzeugung der Autor ankündigt, dass sein Werk den Leser bestimmt völlig verstören wird - aber es geht dann ja tatsächlich ganz schön zur Sache, und vor 150 Jahren muss das Buch noch um ein Vielfaches krasser gewirkt haben (ähnlich wie der Weiße Hai in den 1970ern, während er heute im Sonntagnachmittagsprogramm läuft  :zwinker: ).

Der Text erzeugt starke Bilder im Kopf, und mit Tabubrüchen spart Lautréamont auch nicht.

In der Strophe Ich werde in wenigen Zeilen darlegen, … erzählt Lautréamont Conrads „Herz der Finsternis“ in Kurzform.

Jaja, da ist er wieder, unser lieber Mr. Kurtz!  :breitgrins:

Übrigens: hat jemand von euch "The Dark Knight" gesehen und musste bei der Strophe Mein ganzes Leben lang sah ich die Menschen mit engen Schultern ... auch ganz stark an diesen Herrn hier denken?  :entsetzt:
« Letzte Änderung: 21. Juli 2010, 21:54 von Bluebell »
"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of books she wants to read, who has had a library card since she was twelve."

Offline sandhofer

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Re: Juli 2010 - Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #7 am: 22. Juli 2010, 06:55 »
Ganz zu kurz aus dem Vorwort zu meiner Ausgabe (Flammarion). (Den Autor werde ich noch nachreichen, ich habe das Buch nicht dabei.)

Werke, die Ducasse (aka Comte de Lautréamont) verehrte:

  • Goethe: Faust (es steht nicht, ob I oder II oder beide)
  • Byron: Manfred (müsste ich mal wieder lesen)
  • Mickiewicz: Konrad [Wallenrot] (von Mickiewicz kenne ich gar nichts)

Daneben legt der Autor des Vorworts Wert auf die literarischen Kenntnisse von Ducasse, darauf, dass er ein Epos mit einem negativen Helden schreiben wollte (also sich wohl auch an Miltons Paradise Lost orientierte).
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Offline sandhofer

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #8 am: 22. Juli 2010, 06:57 »
Fehlt dem o. g. TB in gänzlicher Länge  :sauer: Steht denn gar nichts interessantes drin?  Falls doch erhelle unsere Geister  :breitgrins:

Guckst Du hier :)

Ich bin jetzt zwar mit dem Vorwort fertig und im ersten Buch. Allerdings noch in der ersten Fassung; ich vermute, bei Euch ist nur die zweite vorhanden, oder? Und im ersten Buch habe ich erst den ersten Abschnitt gelesen, von daher kann ich zum Werk selber immer noch nichts sagen.  :smile:
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Online Anita

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Re: Juli 2010 - Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #9 am: 22. Juli 2010, 10:34 »
In Byrons "Manfred" kann man hier ein wenig lesen.
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Online Anita

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #10 am: 23. Juli 2010, 13:30 »
Hallo ihr.

Ich bin mit dem 1. Gesang durch und habe soeben den zweiten begonnen. Der Stil bleibt der gleiche. Hm, "Das Buch der 1000 Bücher" schreibt von "absurder Komik". Wo und Wie finde ich die?  :breitgrins: Bei aller Liebe ich kann aus diesem Zynismus keine Komik entnehmen. Seht ihr Beispiele?
Und dann muss ich gestehen, dass bei mir fast die Puste raus ist, diese theatralische Menschheitsanklage  :rollen:, hält man das 250 Seiten aus? Oder habt ihr einen anderen Zugang? Verratet mir diesen dann bitte  ...

LG
Anita
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Offline Bluebell

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #11 am: 23. Juli 2010, 18:47 »
Hallo Anita,

ich bin auch schon mit dem 1. Gesang durch und wollte mich soeben mal an einer vorsichtigen Zwischenbilanz versuchen - und da sehe ich, dass deine Eindrücke ja ganz ähnlich sind wie meine! Zum Glück, denn ich hielt mich schon für einen ganz fürchterlichen Banausen.  :breitgrins:

Also dieses Buch gehört definitiv zum Seltsamsten, was ich jemals gelesen habe. Auch wenn immer wieder einzelne Stellen auftauchen, die mir gefallen, fehlt mir der Zugang zum "Gesamtkonzept" leider völlig. In ganz schlechten Momenten habe ich sogar eher das Gefühl, die Tagebucheintragungen eines eingerauchten 17jährigen Gruftis zu lesen als einen literarischen Klassiker ... und die Komik scheint mir, sofern vorhanden, dann doch eher unfreiwillig. :clown:

Dass sich der Erzähler an Dingen erfreut, die einen normalen Menschen ängstigen, während er bei "schönen" Anblicken (Kind in der Wiege) traurig wird - na gut, das mag damals ein Novum gewesen sein, aber hat das Zeug zum Schocker heute auch längst verloren. Wie die Hexen bei Macbeth ("schön ist hässlich, hässlich schön") ... :zwinker:

Naja, es gibt aber wie gesagt auch lichte Momente, so fühlte ich mich in der Strophe Eine Familie sitzt um eine Lampe ... ganz stark (und gar nicht schlecht) an den Erlkönig erinnert.
Dass die nächste Strophe dann mit "Er, der nicht weinen kann [...], bemerkte, dass er sich in Norwegen befand" beginnt, war wiederum für ein verwirrtes :schulterzuck: gut.

Wenn die nächsten 4 Gesänge wirklich auch in dieser Tonart weitergehen, ohne dass sich irgendwas herauskristallisiert, frage ich mich aber schon, wozu das Ganze eigentlich. Aber mal sehen ...
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Online Anita

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #12 am: 23. Juli 2010, 20:26 »
Dass sich der Erzähler an Dingen erfreut, die einen normalen Menschen ängstigen, während er bei "schönen" Anblicken (Kind in der Wiege) traurig wird - na gut, das mag damals ein Novum gewesen sein, aber hat das Zeug zum Schocker heute auch längst verloren.

Und war es das früher wirklich, also ein Novum?
Selber nicht gelesen, aber de Sade muss ziemlich grauslich gewesen sein. Auch die Hexenprozesse nahmen erst Ende des 18. Jh. ihr Ende. Überhaupt war man früher körperlich brutaler als heute, oder? Mir scheint es, dass man heute psychisch grausamer ist. Aber ich bin alles andere als eine Historikerin  :breitgrins:

Literarisch wurden solche Texte wohl zensiert, aber spiegeln sie nicht doch einen gewissen Zeitgeist? Ich mein, Stephen King habe ich als Jugendliche auch gelesen  :zwinker:

LG
Anita
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Offline Jaqui

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #13 am: 23. Juli 2010, 20:44 »
Hallo,

leider kann ich nicht wirklich mitreden. Bei uns ist das Wetter so herrlich, dass ich die ganze Zeit nur draußen bin und leider sehr wenig zum Lesen komme, aber eure Eindrück lassem Böses ahnen. Ich werde am Wochenende versuchen weiter zu kommen.

Katrin

Offline sandhofer

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #14 am: 24. Juli 2010, 05:11 »
Ich kann - jedenfalls in der Urversion, die ich gerade lese - Eure Eindrücke nicht teilen. Schwarze Romantik: ja. Es ist schwierig, zwischen dem Erzähler Lautréamont und einem zweiten Erzähler, Maldoror, zu unterscheiden: ja. Aber das Buch erinnert mich an Jean Pauls Giannozzo (den Ducasse gekannt haben könnte) und die Nachtwachen von Bonaventura. Ich bin - jedenfalls in dieser Erstfassung - weit von de Sade entfernt.
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