Autor Thema: Juli 2010 - Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror  (Gelesen 5029 mal)

Offline sandhofer

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #30 am: 4. August 2010, 07:21 »
Soweit, so fertig.

Der 6. Gesang bringt, ganz in romantischer Tradition, dann noch einen Roman im Epos. Maldoror ist zwar wieder eine Hauptfigur des Romans.
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Offline sandhofer

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Re: Juli 2010 - Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #31 am: 4. August 2010, 07:42 »
Für die, denen Maldoror mit seiner provokanten oder provozierten Schlechtigkeit auf den Keks geht, ist es vielleicht interessant zu wissen, dass Ducasse kurze Zeit nach Maldoror zwei kleine theoretische Werke (Essays) unter eigenem Namen veröffentlicht hat (Poésies I und Poésies II), in denen er die Position des Maldoror gänzlich zurücknimmt, mit explizitem Bezug auch auf den Maldoror.

In seinen Briefen an den väterlichen Freund (also: sowohl ein Freund, der wie ein Vater zum Exil-Montevideo-Jüngling war (sein leiblicher Vater blieb in Montevideo, nur der Junior wurde mit 15 oder 16 zur Ausbildung nach Frankreich geschickt), wie auch der Freund des Vaters (und zugleich dessen Bankier in Frankreich - Ducasse stammte aus guten oder gar sehr guten Verhältnissen, hat auch die Publikation seiner Werke aus eigener Tasche bezahlt, offenbar ohne - im Gegensatz zu z.B. Schiller - auf einen pekuniären Gewinn dabei zu spekulieren) und Verwalter der väterlichen finanziellen Zuwendungen) bringt Ducasse das Argument, dass er die Schlechtigkeit Maldorors nur beschrieben habe, um im Leser eine Gegenreaktion, hin zum Guten, zu provozieren.

Was ich noch sagen wollte: Maldoror sollte ja nur der Anfang eines grossen Werkes sein. Ducasse schwebte wohl so etwas im Stil von À la recherche du temps perdu vor, d.h. der Roman eines ganzen Lebens. Seines war dann zu kurz, um diese Absicht in die Tat umzusetzen.
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Offline Bluebell

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #32 am: 6. August 2010, 20:26 »
Soweit, so fertig.

Schon irgendwie tragisch, dass ausgerechnet der, der eigentlich im Vorhinein abspringen wollte, dann der Einzige war, der konsequent bei der Sache blieb. Mädels, spricht das nun gegen uns oder gegen Maldoror? :elch:

Ich habe den zweiten Gesang beendet, aber seitenweise wirklich nur überflogen. Sandhofer, hast du den Schreibstil überhaupt nicht anstrengend gefunden? Ich plage mich sehr damit! Manche Strophen oder auch nur Stellen sprechen mich zwar an, wie die mit dem schwarzhaarigen Mädchen, dass Maldoror eine Zeitlang nachstellt, oder auch gewisse Formulierungen, die mir ziemlich brilliant vorkommen. Aber ich möchte nicht wissen, wieviele solcher Nadeln ich in dem - pardon - Heuhaufen überlesen habe, weil ich genervt abgeschweift bin. Meistens muss ich mich zur Konzentration zwingen, in einen richtigen Lesefluss bin ich erst ganz selten gekommen.

Ich weiß nun auch nicht so recht, wie es weitergehen soll, im Augenblick habe ich die Lust nämlich verloren ...  :sauer:
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Offline Bluebell

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Re: Juli 2010 - Lautréamont: Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #33 am: 6. August 2010, 20:35 »
Für die, denen Maldoror mit seiner provokanten oder provozierten Schlechtigkeit auf den Keks geht, ist es vielleicht interessant zu wissen, dass Ducasse kurze Zeit nach Maldoror zwei kleine theoretische Werke (Essays) unter eigenem Namen veröffentlicht hat (Poésies I und Poésies II), in denen er die Position des Maldoror gänzlich zurücknimmt, mit explizitem Bezug auch auf den Maldoror.

Aha ...

das Argument, dass er die Schlechtigkeit Maldorors nur beschrieben habe, um im Leser eine Gegenreaktion, hin zum Guten, zu provozieren.

Ahaaa ... naja. Vielleicht fruchtet der Versuch bei anderen ja mehr als bei mir.  :schulterzuck:

Was ich noch sagen wollte: Maldoror sollte ja nur der Anfang eines grossen Werkes sein. Ducasse schwebte wohl so etwas im Stil von À la recherche du temps perdu vor, d.h. der Roman eines ganzen Lebens.

Man stelle sich vor ...  ein paar tausend Seiten solcher Gesänge!? :entsetzt:
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Offline sandhofer

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #34 am: 7. August 2010, 06:19 »
Sandhofer, hast du den Schreibstil überhaupt nicht anstrengend gefunden?

Doch. Ich habe allerdings auf Französisch gelesen, wo so etwas eher "gepflegt" wirkt und gepflegt wird; auch ist das Französische schlussendlich meist doch einfacher als das Deutsche, weil da das Verb immer an gleicher Stelle steht, was das Erfassen von Schachtelhalmsätzen à la Lautréamont erleichtert. Es ist, selbst wenn er hin und wieder in epische Diktion abschweift und z.B. zu Beginn jeder Strophe eine Variation des klassischen Anrufs an die Musen bringt, - es ist halt doch "gelehrtes Französisch", das Ducasse verwendet.
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Offline Bluebell

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #35 am: 19. August 2010, 10:08 »
So - ich habe nun einen zweiten Anlauf mit dem dritten Gesang gewagt und bin diesmal über die erste Seite (sogar Strophe) hinausgekommen! :elch:

Diese - die mit den am Strand reitenden Brüdern - war allerdings wieder ein Fall von "Was, um Himmels Willen, will mir der Autor damit sagen??". Vielleicht bin ich wirklich zu dumm, oder ich habe noch immer eine ganz falsche Herangehensweise, aber für mich ist das Lesen nach wie vor Anstrengung pur. Ich habe auch schon versucht, die Sache ganz anders anzupacken, die kognitive Hirnhälfte mehr oder weniger auszuschalten und mich stattdessen einfach dem "Flow" hinzugeben, alles ganz passiv wirken zu lassen und danach erst nachzuschauen, was an Eindrücken übrig bleibt ... klappt so ganz ohne Drogen leider auch nicht recht.  :rollen:
Ich glaube, um wirklich eine Aussage herausziehen zu können, müsste ich ständig innehalten, reflektieren und recherchieren ... aber um mich für so eine Prozedur zu motivieren, gefällt es mir leider einfach nicht gut genug.  :sauer:

Sandhofer, hast du den Schreibstil überhaupt nicht anstrengend gefunden?

Doch. Ich habe allerdings auf Französisch gelesen, wo so etwas eher "gepflegt" wirkt und gepflegt wird; auch ist das Französische schlussendlich meist doch einfacher als das Deutsche, weil da das Verb immer an gleicher Stelle steht, was das Erfassen von Schachtelhalmsätzen à la Lautréamont erleichtert.

Darum beneide ich dich. Gerade wenn die Sprache so ins Gewicht fällt wie offenbar hier, könnte ich gerne im Original lesen. Für mich kommt da nur Englisch in Frage, und selbst da gehen richtig schwierige Sachen nicht mehr sinnerfassend und flüssig gleichzeitig.

Die zweite Strophe (mit der tanzenden Wahnsinnigen) verspricht wieder zugänglicher zu werden, damit tue ich mich bisher leichter. Überhaupt scheine ich mit den realistischeren Strophen besser zurecht zu kommen, die allzu surrealen bekomme ich irgendwie nicht richtig zu fassen.

Ich würde wirklich lieber mehr zum Inhalt als über meine Schwierigkeiten mit dem Buch posten, aber das eine verschleiert mir das andere leider ziemlich ...
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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #36 am: 21. August 2010, 11:05 »
Wider Erwarten den 3. Gesang beendet (dachte zwischendurch mal, jetzt würde ich endgültig das Handtuch werfen) ...
Jedenfalls hat es sich bestätigt, dass die (mit dicken, fetten Anführungszeichen) "realistischeren" Strophen für mich die lesbareren sind - was leider nicht heißt, dass ich mir mehr damit anzufangen weiß. Aber die Wahnsinnige, die die Schändung ihrer Tochter beschreibt, oder Gott, der ein Puff besucht, konnte ich zumindest flüssig durchlesen. Beim Adler-Drachen-Kampf bin ich wiederum völlig ausgestiegen ...  :rollen:

Jetzt mal ganz ernsthaft: WAS ist der künstlerische/literarische Wert des Ganzen? Ich kann einfach keinen Sinn hinter der Sache erkennen, außer dass der Autor 1. schocken und 2. seine perversen Phantasien verbalisieren will. Die paar Anspielungen und Querverweise (oder vielleicht sind's auch mehr, und ich erkenne sie bloß nicht) scheinen mir eher nettes Beiwerk als sonstwas zu sein.

Allerdings war ich gerade recht überrascht, in einem halben Satz eines Online-Zeitungsartikels über Lautréamont und seinen Maldoror gestolpert zu sein ... klick
« Letzte Änderung: 21. August 2010, 11:09 von Bluebell »
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Offline sandhofer

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #37 am: 21. August 2010, 18:54 »
WAS ist der künstlerische/literarische Wert des Ganzen?

Es ist der Roman eines jungen Intellektellen. Ducasse hat schon mit 20 offenbar Gott und die Welt gelesen und sie in seinem Epos verwurstet. Es ist (auch) eine Parodie auf klassische Epen - schon vom Sprachduktus her.
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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #38 am: 22. August 2010, 16:27 »
Es ist der Roman eines jungen Intellektellen. Ducasse hat schon mit 20 offenbar Gott und die Welt gelesen und sie in seinem Epos verwurstet.

Ok, stimmt ...

Es ist (auch) eine Parodie auf klassische Epen - schon vom Sprachduktus her.

Parodie, hmm ... sowas fällt einem natürlich nicht auf, wenn man das parodierte Original nicht kennt.
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Offline sandhofer

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #39 am: 22. August 2010, 17:14 »
Parodie, hmm ... sowas fällt einem natürlich nicht auf, wenn man das parodierte Original nicht kennt.

Wie gesagt: In vielem auch das Werk eines jungen Intellektuellen. Wobei seine Bilder zum Teil schon einzigartig sind.
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Offline Bluebell

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Re: Lautréamont - Die Gesänge des Maldoror
« Antwort #40 am: 31. August 2010, 12:05 »
Ich freue mich gerade über den 4. Gesang ... da wird's doch tatsächlich endlich witzig!
Wie er die schnellste Art, eine Fliege zu töten, beschreibt (zwischen zwei Fingern zerquetschen), und dann darauf hinweist, dass es in manchen Situationen jedoch eher angebracht sein könnte, ihr den Kopf abzuschneiden ... hihi. :breitgrins: Auch selbstironisch wird Ducasse hier, und die Strophe über das (Nicht-)Lachen hat ja schon fast etwas Interaktives. :zwinker:
Insgesamt wirkt der Text hier auf mich "ruhiger", weniger effektheischend ... würde mir gefallen, wenn es so bliebe.
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