Autor Thema: 1 Jahr ohne Bücherkauf  (Gelesen 4712 mal)

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3743
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #15 am: 2. August 2010, 10:00 »
So ein Projekt macht doch nur Sinn, wenn man hinterher ein Buch daraus macht.


oder einen Blog, was aber kein Geld einbringt.


Zitat von: scheichsbeutel^
...oder mir des Abends mit dem Hammer auf den Daumen schlag

 :lachen:

Grüße von
Maria
Aktuell:

Offline Bluebell

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 479
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #16 am: 2. August 2010, 10:33 »
Hmm ... ganz so negativ wie viele von euch sehe ich die Idee nicht. Einmal davon abgesehen, dass der SUB schrumpfen und ein paar alte Perlen endlich wiedergelesen werden würden, könnte ich mir damit auch selbst etwas beweisen, nämlich Selbsdisziplin. Ich verstehe zwar schon das Argument "wenn Platz und Geld, wozu", aber trotzdem wäre so ein Experiment ein Signal, dass ich meiner Bücherkauflust nicht ganz willenlos ausgeliefert bin, sondern durchaus auch noch meine Vernunft einschalten kann. (Muss gerade an den klassischen "Ich könnte ja aufhören, wenn ich wirklich wollte"-Raucher denken  :zwinker: ).

Ein großer Nachteil wäre aber, dass ich gerne intuitiv lese und bei meiner Lektüreauswahl sehr offen für Inspirationen bin. Und solche Inspirationen von außen für ein ganzes Jahr ignorieren zu müssen ... das wäre mir dann doch eine zu starke Einschränkung.

Allerdings versuche ich mich gerade an einem Kompromiss - ich kaufe seit einiger Zeit keine Bücher mehr für "irgendwann", sondern nur solche, wo ich zumindest einen groben Plan im Kopf habe, wann in nächster Zukunft ich sie lesen möchte.
"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of books she wants to read, who has had a library card since she was twelve."

Offline Giesbert Damaschke

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 949
    • http://www.damaschke.de/
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #17 am: 2. August 2010, 10:45 »
Ich habe mir schon mehrfach mehr oder weniger erfolgreich Medienkaufembargos verordnet und mehrere Monate durchgehalten. Ich hätte ein Buch schreiben sollen, ts.
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Giesbert Damaschke

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 949
    • http://www.damaschke.de/
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #18 am: 2. August 2010, 10:49 »
Bücherkaufen um des Bücherkaufens willen ist imho kein sonderlich bewunderungswürdiges Verhalten. Auch kein verdammenswertes, klar ;-). Die einen kaufen zwanghaft Schuhe, die anderen Bücher, da macht das "was" des Kaufes nur einen marginalen Unterschied. Wenn man feststellt, dass man zwanghaft kauft (oder auch zwanghaft liest), dann sollte man sich vielleicht fragen, warum das so ist, ob man das wirklich möchte und ob man sein Verhalten gegebenenfalls ändern kann oder gar sollte.
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/

Offline Anna Magdalena

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 81
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #19 am: 2. August 2010, 13:58 »
Bücherkaufen um des Bücherkaufens willen ist imho kein sonderlich bewunderungswürdiges Verhalten.

Natürlich nicht, aber wenn es um zwanghaftes Verhalten geht, nützt ein Jahr ohne Bücherkauf wahrscheinlich auch nicht viel, da hilft nur eine dauerhafte Verhaltensänderung, wie auch immer die aussehen soll.
Ich habe in letzter Zeit tatsächlich den Eindruck gewonnen, dass gerade in den großen Bücherforen zwanghafter Bücherkauf und zwanghaftes Lesen immer stärker zunehmen. Wenn jemand kürzere Kapitel bevorzugt, weil er dann das Gefühl hat, das Buch schneller durchzulesen, oder ständig seinen SuB-Abbau oder SuB-Aufbau kommentiert, stimmt doch schon irgendwas nicht.

Gruß
Anna

Offline Anna Magdalena

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 81
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #20 am: 2. August 2010, 14:15 »
ich habe die darin geschilderte amour fou als arg konstruiert in Erinnerung. Immerhin: Das Raubein Hemmingway kann auch anders ... Interessant ist das Buch deshalb allemal. Wenn Du magst, berichte doch bitte über Deine Eindrück

Werde ich, auch wenn ich skeptisch bin. So eine Probe aufs Exempel habe ich nämlich schon mit Hesse gemacht. Ich habe mir einen Band mit Erzählungen von ihm gekauft und gut die Hälfte gelesen. Sie sind nicht schlecht geschrieben und lassen sich ganz gemütlich weglesen, wirken auf mich insgesamt aber sehr bieder, geradezu altväterisch, und überall scheint die Moral unübersehbar durch. Hesse habe ich jetzt endgültig von meiner Liste gestrichen (bei Remarque wusste ich damals schon, dass es mir reicht).

Gruß
Anna

Offline BigBen

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 757
    • Zwischen den Seiten
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #21 am: 2. August 2010, 14:42 »
Natürlich nicht, aber wenn es um zwanghaftes Verhalten geht, nützt ein Jahr ohne Bücherkauf wahrscheinlich auch nicht viel, da hilft nur eine dauerhafte Verhaltensänderung, wie auch immer die aussehen soll.

Da tuen sich ganz neue Geschäftsfelder auf. Buchhandlung mit angeschlossener Psychotherapiepraxis, spezialisiert auf zwanghafte Buchkäufer und Leser. Buchhändler mit einer Zusatzausbildung in Behandlung von Zwangsstörungen. Gruppentherapien der Anonymen Buchhamsterer.  :breitgrins:
"Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

Offline Memmerle

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 21
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #22 am: 2. August 2010, 15:12 »
lach, erinnert mich an das Gespräch zwischen Buchändler und mir heute Vormittag.
Ich sagte, ich sollte mich etwas einschränken, meine Bücherregale platzen aus allen Nähten, woraufhin er lapidar meinte, es gäbe wesentlich unangenehmere Süchte.

In den letzten Jahren hat es sich einigermaßen in Grenzen gehalten, schlicht weil unser einziger Buchladen eine einzige Katastrophe ist. Im Herbst kommt aber eine tolle Buchhandlung in unsere Stadt... da seh ich schwarz für meine Leseecke... und meinen Geldbeutel!

Aber so grundsätzlich erschließt sich mir der Sinn einer 1-jährigen-Buchkauf-Abstinenz nicht wirklich. Mein Mann hat sich mindestens seit 10 Jahren kein Buch mehr gekauft aber der Himmel möge verhüten, dass er darüber einen Erfahrungs- und Erlebnisbericht schreibt!

liebe Grüße
Memmerle
Dass Narren und Schelme immer an das glauben, was sie denken, sagen und schreiben, ist im Grunde eine große Tugend  - Asterix

Offline Anna Magdalena

  • Jr. Member
  • **
  • Beiträge: 81
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #23 am: 2. August 2010, 15:21 »
Da tuen sich ganz neue Geschäftsfelder auf. Buchhandlung mit angeschlossener Psychotherapiepraxis, spezialisiert auf zwanghafte Buchkäufer und Leser. Buchhändler mit einer Zusatzausbildung in Behandlung von Zwangsstörungen. Gruppentherapien der Anonymen Buchhamsterer.  :breitgrins:

Der Buchhändler als Therapeut für zwanghafte Bücherkäufer? Das hieße, den Bock zum Gärtner machen. :zwinker: Aber Giesbert Damaschke hat nicht unrecht. In den großen Foren gibt es viele Leute, denen es offenbar nur darum geht, so schnell wie möglich ein Buch nach dem anderen zu konsumieren. Die schielen beim Lesen des einen Buchs schon immer nach dem nächsten. Aber Gott sei Dank: Wir sind nicht so! :breitgrins:

@ Memmerle, schwant Dir etwa, dass Deinem Mann durch seine Buchkaufabstinenz keine so überraschenden Einblicke zuteil geworden sind wie offenbar der Autorin des bewussten Buches?

Gruß
Anna
« Letzte Änderung: 2. August 2010, 17:24 von Anna Magdalena »

Offline Memmerle

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 21
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #24 am: 2. August 2010, 15:48 »

@ Memmerle, schwant Dir etwa, dass Deinem Mann durch seine Buchkaufabstinenz keine so überraschenden Einblicke zuteil geworden sind wie offenbar der Autorin des bewussten Buches?

Gruß
Anna
[/quote]

jepp Anna, ich gehe mal davon aus, dass sich das letzte Jahr der Buchkaufabstinenz nicht eklatant von den 9 Jahren davor unterscheidet... :breitgrins:
Aber zu seiner Ehrenrettung, er liest immer fleissig bei mir mit...

Lg Memmerle
Dass Narren und Schelme immer an das glauben, was sie denken, sagen und schreiben, ist im Grunde eine große Tugend  - Asterix

Offline sandhofer

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 5012
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #25 am: 2. August 2010, 15:53 »
Für mich ist ein solches Projekt ein Kasperletheater.

Zweifelsohne. Es gibt allerdings einige, die ganz ähnlich handeln. Gut, vielleicht nicht gleich ein ganzes Jahr Kaufabstinenz, aber einen Monat oder so: ja. Das sind dann meist welche, die sich von ihrem SuB "bedroht" fühlen. Für solche, die weniger in entsprechenden Buchforen sich tummeln: SuB = Stapel ungelesener Bücher, wobei der Begriff "Stapel" metaphorisch zu verstehen ist; meist sind das halbe bis ganze Bibliotheken, die solche Leute anhäufen. Ist dieser nachgerade unkontrollierte Buchkauf zwanghaft? Oder ist er erst zwanghaft, wenn man ihm - Yoyo-mässig - mit bewusster und limitierter Kaufabstinenz begegnet? Oder gar kein Zwang? Es soll welche gegeben haben, die haben für ihre Bibliothek gemordet.

Persönlich halte ich nichts von solchen Abstinenz-Projekten. Wie jede Hungerdiät ist so etwas absolut sinnlos. Wie scheichsbeutel^ frage ich mich: Warum sollte ich ohne Not auf etwas verzichten, woran mir viel gelegen ist? Allerdings kaufe ich meine Bücher nicht Bibliotheken-weise ein. Bei mir ist eigentlich immer organisches Ein- und Ausatmen, Kaufen und Lesen zu beobachten. Im Moment lese ich. (Na ja ... würde ich gerne ...)  :winken:
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline scheichsbeutel^

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 251
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #26 am: 2. August 2010, 16:38 »

Es wurde schon mehrfach angedeutet: Das Ganze hat etwas von einem Datums- und Zeitpunktfetischismus, der dazu dient, dem Betreffenden Zwang aufzuerlegen. Wenn da einer für den Jahreswechsel seine Zigarettenabstinenz verkündet, regt sich meine skeptische Ader; ebenso bei der Gewichtsreduktion während der Fastenzeit, dem Beschluss, das Saufen sein zu lassen, wenn der Sirius sich im Sternbild des großen Hundes befindet und einem gleichzeitig die verstorbene Schwiegermutter im Traum erscheint. Das ist Kokolores - und fast nie zielführend.

Vielleicht kann ich das auch deshalb so gar nicht verstehen, weil ich trotz meiner 6000 Bücher mich nicht im geringsten als "buchkaufsüchtig" bezeichnen würde. Meine Neuerwerbungen erstehe ich "bewusst", sehr oft sind das Bücher, die ich zuvor von Leihbibliotheken entlehnt habe und die ich im Anschluss an das Lesen als "besitzenswert" erachtet habe. (Es gibt auch Erwerbungen im Vorbeigehen - meist preisreduziert. Wenn ich etwa von einem Schriftsteller kein Gesamtwerk besitze (z. B. Hamsun) und ein Buch irgendwo um 2 Euro erstehen kann, so sehe ich auch keinen Grund zu "widerstehen".)

Das mit dem SuB sehr ich wie Anna Magdalena (ich meine mich über diesen SuB-Auf- und Abbau schon in einem anderen Thread ein wenig despektierlich geäußert zu haben): Das erinnert immer an "Abarbeiten", an eine Art schweißtreibende Tätigkeit, einen Zwang, etwas erledigen zu müssen und dabei ähnliches Vergnügen zu empfinden wie beim Fensterputzen oder Bodenwischen. Ich muss nicht, ich will Bücher lesen - und die Tatsache, dass ich eine Auswahl unter vielen ungelesenen Büchern treffen kann, beruhigt mich enorm. Diese ungelesenen Bücher in meiner Bibliothek wecken in mir nicht das Gefühl des Ungenügens, einer zukünftigen Verpflichtung, sondern eines der Vorfreude. (Dazu kommt, dass die Belletristik nur rund 50 % des Bücherbestandes ausmacht und Fach- und Sachbücher nicht immer in einem Zug von vorn nach hinten gelesen werden.)

Zwanghaftes Bücherkaufen oder -lesen kenne ich nicht: Ich würde keine Zeile lesen, wenn es mir nicht so großes Vergnügen bereiten würde.

Grüße

s.

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3743
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #27 am: 2. August 2010, 17:03 »
Hallo,

wir dürfen aber nicht vergessen, dass SUB und ähnliche Bezeichnung ein Produkt des Internets ist. Eine eigene Dynamik, die wohl in der Art nicht entstanden wäre. Und wenn sich Gemeinschaften bilden, gibt es auch Besonderheiten, die sich entwickeln. Es ist ja nicht nur ein "Sport" den man damit betreibt, sondern auch ein Austausch, ein Einsichten in diverse Listen, das dann zu weitere Projekte/Diskussionen usw. anspornt.

ansonsten ist alles was obzessiv betrieben wird ungesund und irgendwann kommt so ein Mensch sowieso an einen Punkt kommt, wo er seine Verhaltensweise unweigerlich überdenken muß. Dazu braucht es keine Krimi-Autorin, die sich ein Buchkaufentzug auferlegt. (Was ich als Blog vielleicht noch interessiert verfolgt hätte)

ansonsten halte ich es wie scheichsbeutel^: Ich würde keine Zeile lesen, wenn es mir nicht so großes Vergnügen bereiten würde.
 

Grüße von
Maria
« Letzte Änderung: 2. August 2010, 17:11 von JMaria »
Aktuell:

Offline Poppea

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 243
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #28 am: 2. August 2010, 18:55 »
Ich finde es einfach nur widerlich. Heutzutage gibt es nicht, was ein Mensch tun kann, das nicht von irgendeinem geldgierigen Subjekt in ein Buch verwandelt und als "Erfahrungsbericht" verhökert wird. Da wird die uninteressanteste MickyMaus zur Bestsellerautorin, weil sie endlich abspeckt und wenn sie wieder fett wird, dann ist das natürlich auch ein Buch wert, ein Verkaufsdauerbrenner entsteht aus einer Wanderung in Verbindung mit einem Seelenstriptease über einen einst spirituellen Pfad und jetzt ist anscheinend die Abstinenz im Kommen...

Nun ja, da bleibt mir nur zu überlegen, was noch nicht zu Geld gemacht wurde und schnell zu handeln. Hm, wie lange kann ich wohl von meinen Essensvorräten leben? Oder noch besser: Ohne Internet, Handy und Telefon. Vielleicht sollte ich versuchen meinen Alltag trotz eines Schweigegelübdes zu meistern?

Was meint ihr? Ich will auch auf die Dumme reich werden!

Offline Anita

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 410
    • Literaturblog
Re: 1 Jahr ohne Bücherkauf
« Antwort #29 am: 2. August 2010, 19:15 »
Ich finde es einfach nur widerlich. Heutzutage gibt es nicht, was ein Mensch tun kann, das nicht von irgendeinem geldgierigen Subjekt in ein Buch verwandelt und als "Erfahrungsbericht" verhökert wird.

 Hm, wie lange kann ich wohl von meinen Essensvorräten leben? Oder noch besser: Ohne Internet, Handy und Telefon.

Genau beim Schopf gefasst Poppea. Darüber sollten wir uns Gedanken machen, und nicht ob das eine blöd oder das andere dumm ist.
Darüber gibt es leider schon Projekte  :breitgrins:

LG
Anita
Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"