Es wurde schon mehrfach angedeutet: Das Ganze hat etwas von einem Datums- und Zeitpunktfetischismus, der dazu dient, dem Betreffenden Zwang aufzuerlegen. Wenn da einer für den Jahreswechsel seine Zigarettenabstinenz verkündet, regt sich meine skeptische Ader; ebenso bei der Gewichtsreduktion während der Fastenzeit, dem Beschluss, das Saufen sein zu lassen, wenn der Sirius sich im Sternbild des großen Hundes befindet und einem gleichzeitig die verstorbene Schwiegermutter im Traum erscheint. Das ist Kokolores - und fast nie zielführend.
Vielleicht kann ich das auch deshalb so gar nicht verstehen, weil ich trotz meiner 6000 Bücher mich nicht im geringsten als "buchkaufsüchtig" bezeichnen würde. Meine Neuerwerbungen erstehe ich "bewusst", sehr oft sind das Bücher, die ich zuvor von Leihbibliotheken entlehnt habe und die ich im Anschluss an das Lesen als "besitzenswert" erachtet habe. (Es gibt auch Erwerbungen im Vorbeigehen - meist preisreduziert. Wenn ich etwa von einem Schriftsteller kein Gesamtwerk besitze (z. B. Hamsun) und ein Buch irgendwo um 2 Euro erstehen kann, so sehe ich auch keinen Grund zu "widerstehen".)
Das mit dem SuB sehr ich wie Anna Magdalena (ich meine mich über diesen SuB-Auf- und Abbau schon in einem anderen Thread ein wenig despektierlich geäußert zu haben): Das erinnert immer an "Abarbeiten", an eine Art schweißtreibende Tätigkeit, einen Zwang, etwas erledigen zu müssen und dabei ähnliches Vergnügen zu empfinden wie beim Fensterputzen oder Bodenwischen. Ich muss nicht, ich will Bücher lesen - und die Tatsache, dass ich eine Auswahl unter vielen ungelesenen Büchern treffen kann, beruhigt mich enorm. Diese ungelesenen Bücher in meiner Bibliothek wecken in mir nicht das Gefühl des Ungenügens, einer zukünftigen Verpflichtung, sondern eines der Vorfreude. (Dazu kommt, dass die Belletristik nur rund 50 % des Bücherbestandes ausmacht und Fach- und Sachbücher nicht immer in einem Zug von vorn nach hinten gelesen werden.)
Zwanghaftes Bücherkaufen oder -lesen kenne ich nicht: Ich würde keine Zeile lesen, wenn es mir nicht so großes Vergnügen bereiten würde.
Grüße
s.