Hallo liebe Mitleser,
mit wachsendem Vergnügen habe ich die ersten Seiten der Lobrede Morias gelesen. Mir gefällt die Sprache und die Ausdrucksform von Erasmus immer besser.
Moria beeindruckt mich. Mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern kokettiert sie mit ihrem "Publikum", nimmt sich und somit auch ihren Gegenüber regelrecht auf die Schippe und hält uns allen einen Spiegel vor, in den wir schauen müssen, ob wir wollen oder nicht. Trotz ihres Humors folgt sie dabei in ihrer Argumentation einer unbestechlichen Logik, lässt nichts aus, beschönigt nichts.
Die Bezeichnung 'Lobrede' finde ich bemerkenswert. Lobreden kenne ich vor allem aus der Heiligenverehrung des Mittelalters. Die Elegien und Viten sind gänzlich anders aufgebaut; in ihnen werden die Taten des Betreffenden in schillernden Farben, oft verwoben mit Wundertätigkeiten ausgemalt, bis die betreffende Person einen legendären Charakter annimmt. Sicherlich wird in diesen Elegien auch mit dem erhobenen Zeigefinger dargestellt, wo denn die Menschheit ohne diese heldenhaften Taten wäre.
Ganz anders die 'Lobrede' der Moria. Ihr Eigenlob klingt vielleicht zunächst überheblich, vor allem wenn sie sich als 'Alpha-Göttin' darstellt, aber irgendwie hat ihre Argumentation doch etwas nahezu schüchternes, als wolle sie ihr Dasein rechtfertigen, uns darum bitten, ihre Existenz in allem menschlichen Dasein anzuerkennen. Damit wir ihr nicht widersprechen können, verpackt sie diese 'Bitte' und ihre Kritik an unserem Kleingeist in ganz viel Charme und Humor.
Leider habe ich momentan so gut wie keine Zeit zu lesen, aber ich werde meine kurzen Pausen mit Freude dem Erasmus widmen

lg Grüße
Memmerle