Autor Thema: Lest ihr eigentlich "querbeet"?  (Gelesen 2373 mal)

Offline Jaqui

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Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« am: 23. August 2010, 07:25 »
Hallo,

mit "querbeet" meine ich nicht unterschiedliche Genres, diese Frage hatten wir schon mal, sondern innerhalb der Klassiker querbeet?

Auf die Frage bin ich gekommen als ich JMarias Beiträge verfolgt habe. Seit der Lektüre eines Buches von Conrad Ferdinand Meyer liest sie derzeit seine Novellen. Ich habe mir auch schon öfter gedacht nach dem Buch eines guten Autors, dass ich von dem noch mehr lesen muss, aber gleich im Anschluss habe ich das noch nie gemacht. Es vergehen immer ein paar Bücher dazwischen bis ich wieder zu einem Buch des Autors greife.

Meine Frage bezieht sich aber nicht nur auf den selben Autor. Wenn ihr in einer Epoche seid, bleibt ihr dann da oder lest ihr ganz woanders weiter. Zum Beispiel die Autoren der Antike. Lest ihr mehrere hintereinander oder reicht euch einer?

Oder seid ihr so Leser wie ich, die sich treiben lassen. Ich springe in meiner Lektüre wahllos hin und her. Nach einem Thomas Mann kann ich problemlos ein Fantasy Buch lesen und dann wieder einen Klassiker a la Thomas Morus genießen.

Wie sieht das bei euch aus?

Katrin

Offline JMaria

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #1 am: 23. August 2010, 09:22 »
Hallo Katrin,

ich lasse mich gerne von der Literatur ziehen; ein Buch führt mich zum nächsten durch Erwähnung im Buch selbst oder durch Thematik oder sonstiges.... und meist werden daraus Projekte, die ich über Jahre hinweg verfolge. Derzeit Schweizer Autoren des 19. Jahrhundert/Beginn 20. Jahrhundert, im Moment noch Schwerpunkt Conrad Ferdinand Meyer. Darüber hinaus seit Jahren der "Dreißigjährige Krieg". Optimalerweise ergab sich hier Schnittpunkte mit Conrad Ferdinand Meyer und der Jürg Jenatsch Leserunde....

achja, Ideen habe ich genug  :breitgrins:

aber zur ursprünglichen Frage zurück, ich lasse mich von Büchern führen und dann kann es sein, dass ich auch nacheinander ein Autor lese oder sich Projekte entwickeln. Dazwischen bleibt noch etwas Zeit für Mainstream meiner Lieblingsautoren (Stewart O'Nan, Siegfried Lenz, ..... ) oder Anregungen durchs Forum, kürzlich Flaubert und Faulkner.

Es wäre wirklich schön, mehr über die Lesegewohnheiten der anderen zu erfahren und hoffe, es melden sich noch mehr.

Liebe Grüße
Maria
« Letzte Änderung: 23. August 2010, 09:30 von JMaria »
Aktuell:

Offline thopas

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #2 am: 23. August 2010, 09:54 »
Hallo zusammen,

bei mir ist es ähnlich, ich lasse mich eher treiben bei meiner Lektürewahl. Es gibt bestimmte Gebiete/Epochen, aus denen ich bevorzugt lese, wie z.B. englische/englischsprachige Literatur, dort v.a. die Klassiker bis zu den 20er/30er Jahren das 20. Jahrhunderts. Aber ich probiere auch immer wieder neuere englischsprachige Autoren aus, z.B. anhand der Booker-Prize-Listen (allerdings nur Bücher, die mich thematisch ansprechen).

Ich lese selten von einem Autor zwei oder mehr Bücher hintereinander. Ein bißchen Abwechslung zwischendurch finde ich ganz angenehm. Meist lese ich eh mehrere Bücher parallel, sodaß ich dann wählen kann, ob ich gerade einen Klassiker oder Unterhaltungsliteratur lesen möchte.

Wenn ich geistig viel "um die Ohren" habe, dann kann ich mich meist schlecht auf anspruchsvollere Literatur konzentrieren und lese dann gerne mal Krimis, Thriller, Science Fiction, seltener mal Fantasy. Das ist dann meist sehr spontan, was ich dann auswähle...

Viele Grüße
thopas

edit: meine Antwort bezieht sich doch eher auf das Querbeet-Lesen allgemein; nur auf Klassiker bezogen: da lese ich auch eher querbeet als thematisch oder auf einen Autor konzentriert  :winken:
« Letzte Änderung: 23. August 2010, 09:57 von thopas »

Offline André

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #3 am: 23. August 2010, 10:28 »
Hallo,

ich wechsele sogar sehr gerne die unterschiedlichen Genres.
So habe ich zuletzt "Der Schwarm" (Thriller) , "Die Säulen der Erde" (historisch) und "Iphigenie auf Tauris" (Klassiker) gelesen.

Ich denke, dass ein wenig Abwechslung ganz gut tut, da man sich sonst nicht mehr auf den Klassiker freut. (So ergeht es mir zumindestens)
Und was spricht schon gegen ein bisschen Abwechslung; auch andere Genre haben lesenswertes zu bieten. So z.B. als Fantasylektüre den "Herrn der Ringe" oder "Eragon".

In diesem Sinne einen schönen Tag noch!

André
Miguel de Cervantes Saavedra:                           "Don Quixote von la Mancha" 
- Tieck Übersetzung -

Offline Gronauer

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #4 am: 23. August 2010, 10:41 »
Nicht queerbeet, aber nach der Methode Schnitzeljagd. JMaria hat das so ähnlich beschrieben: ein Buch verweist auf einen anderen Autor, ein anderes bestimmtes Werk, eine Epoche, ein Sujet, und da geht es dann weiter. So entsteht nicht unbedingt ein roter Faden, aber ein Netzwerk mit vielen gegenseitigen Bezügen. Aus einer Fußnote bei Jean Paul führte einmal der Weg zu Christian Ludwig Liscow. Eben der taucht jetzt als Zitat in Uwe Dick's Sauwaldprosa wieder auf, so bleibt es spannend. Als Ankerpunkte bleiben die langjährigen Leseprojekte Jean Paul, C.M. Wieland; später Herman Melville, dazu eine Handvoll moderner Autoren.

Dabei bilden sich ganz von selbst Schwerpunkte bei Autoren und Epochen, die mich besonders interessieren. Und es gibt daneben jeweils einen Jahresautor; in dieser Reihe standen bisher z.B. Hermann Hesse, Ludwig Tieck, Heinrich von Kleist... aktuell ist es Michel de Montaigne, das nächste Jahr könnte ein Diderot-Jahr werden, mal sehen. Sinn dieser Festlegung ist es, in das Werk eines interessanten Autors so tief einzusteigen, dass mehr als nur vereinzelte Inseln darin sichtbar werden.

Offline sandhofer

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #5 am: 23. August 2010, 11:25 »
Ach - es gibt wohl vieles: Externe Anregungen, z.B. aus diesem Forum, und die Tatsache, dass Bücher zu Büchern führen, und mehr oder weniger intensiv verfolgte Langzeitprojekte (bei mir z.B. die alten Historiker) und Autoren/Werke, die man gerne und regelmässig oder bei Bedarf wiederliest. Insofern zieht sich wohl ein roter Faden durch meine Lektüre, der aber oft nur für mich sichtbar ist. ;)
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Anita

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #6 am: 23. August 2010, 11:40 »
Mein Standard ist eigentlich, ein Sachbuch (meist Philosophie, Religion oder auch Naturwissenschaften) einen Roman mit Anspruch (meist Klassiker) und eine leichte Bettlektüre. Und so zieht das eine Buch das andere nach, manchmal viel zu viele und dann könnte  :grmpf:,weil ich meist mehr will als ich bewältigen kann ...

LG
Anita
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Offline Lost

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #7 am: 23. August 2010, 12:31 »
Es ist das erste Jahr, für das ich eine Liste, der Bücher angelegt habe, die ich unbedingt im Jahr lesen will. Außerdem gibt es nun zwei langfristige Projekte: Proust und Pepys. Das ist der systematische Anteil.

Sonst regt meine Lektüre weitere an, es kommen Anregungen aus dem Forum, von Zeitungen und sonstwoher, und wenn ich über meine nicht gelesene Bücher schaue, dann kommt, wegen des schlechten Gewissens, noch mehr dazu. So entsteht eine Kraut und Rüben Lesereihenfolge.

So hatte ich vor, nach "Die Elenden" von Hugo, direkt französische Geschichte lesen, habe aber den neuen Grass gewählt, damit er nicht immer weiter nach hinten rutscht. Ich muss den Zaratustra fertig lesen, will aber nicht so recht, so wie ich nicht so gut mit Horen weiterkomme, und lange habe ich keinen Amerikaner zwischen Fingern gehabt.

Für dieses Jahr ist nur noch "Das Schloss" von Kafka und  "Der Nachsommer" von  Stifter Pflicht. Wie ich den Freiraum ausfülle, kann ich noch nicht sagen.

Offline Giesbert Damaschke

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #8 am: 23. August 2010, 13:05 »
Ich lese kreuz und quer und wirbel dabei Autoren, Zeiten und Genres durcheinander. Zuletzt: Ulrich Bechers "Murmeljagd", dann Kurt Vonneguts "Ein dreifach Hoch auf die Milchstraße", im Anschluss Jane Tellers "Nichts" und jetzt (vermutlich) Benjamin Stein "Die Leinwand". Oder was ganz anderes, zb Stifters Erzählungen. Oder Stig Larsson, den ich endlich mal zur Kenntnis nehmen wollte 8-). Zwischendurch immer wieder Arno Schmidt. Und diverse Fachliteratur, aber die zählt ja nicht wirklich.
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Offline Poppea

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #9 am: 23. August 2010, 13:18 »
Auch ich lese "querbeet", meist zieht ein Buch ein anderes nach sich, Anregungen z.B. von hier kommen dazu. Oft ergibt sich die Wahl aber auch durch den Seelenzustand. Da geht es mir wie thopas, die verlorene Zeit geht eben nur in stressfreier Zeit...

Allerdings beschränkt sich meine Auswahl zu 99% auf klassische Literatur, der Gegenwart bin ich entwachsen. Wenn man es genau nimmt, gibt es genauso wenig Themen wie Mordmotive, daraus folgt für mich: die Sprache und psychologische Ausarbeitung  machen den Unterschied. Und da wird die Auswahl in modern schon sehr dünn.

In den letzten fünf Jahren habe ich als Bildungsprojekt die Bibel gelesen und dazu die entsprechende Sekundärliteratur. Das nächste Bildungsprojekt ist die Philosophie.

 :winken:
Poppea
« Letzte Änderung: 23. August 2010, 14:30 von Poppea »

Offline Anita

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #10 am: 23. August 2010, 13:48 »
Ulrich Bechers "Murmeljagd"

Wie hat dir das Buch gefallen?

LG
Anita
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Offline Lauterbach

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #11 am: 23. August 2010, 13:50 »
Hallo,
mir geht es wie meinen Vorrednern, es treibt mich hin und her auf dem Meer der
Literatur. Damit das nicht ganz so ausufert, habe ich einige Autoren, die ich seit Jahren
immer wieder lese, einfach auch um einen guten Überblick über ihr werk zu haben.
Wie da wären, Günter Grass, Thomas Mann, Fontane und Schiller, etc.
Eine Zeitlang habe ich fast alles von und über Heinrich Heine und Ludwig Börne gelesen,
sozusagen Thema Vormärz. 
Auf jedenfall werden Autoren, die für gut befunden wurden, weiter verfolgt.
Und letztendlich kommt man an den vielen Anregungen dieses Forums nicht vorbei.

Gruß, Lauterbach

Offline Sir Thomas

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #12 am: 23. August 2010, 14:14 »
Quer durchs bunte Gemüsebeet lesen ist die eine Sache, die ich praktiziere. Aber es gibt einen mehr oder weniger variablen Autorenbestand (Thomas Mann, Rilke, Dostojewski, Melville, Kafka und neuerdings Proust, Faulkner und Flaubert), den ich immer wieder lese und um den herum ich Pläne mache. Von Faulkner bspw. ist es nur ein kleiner Schritt zu Capote, von Flaubert zu Stendhal oder Balzac. Gern unterbreche ich längere Prosastücke durch einen Lyrikband, ganz selten greife ich zu Dramen.

Manchmal rücken auch Epochen (Antike, Fin de siècle) oder Stile (z.B. Impressionismus) in den Mittelpunkt meines Interesses. Oft nehme ich mir vor, nach bspw. einem Keyserling mal eben einen Fontane (wieder) zu lesen, was aber nur selten funktioniert. So bleibt es meistens bei einem munteren Sichtreibenlassen mit ein wenig System, das sich aber nicht allzu ernst nimmt.

Es grüßt

Tom
« Letzte Änderung: 23. August 2010, 14:24 von Sir Thomas »

Offline Jaqui

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #13 am: 23. August 2010, 14:37 »
Danke für die zahlreichen Antworten  :winken:

Ich bin also nicht allein, der quasi ohne System durchs Gemüsebeet liest  :breitgrins:
Aber ich habe heute bemerkt, dass mir das zu wenig ist. Ich habe also beschlossen erst mal aufzulisten in welchen Epochen ich schon gelesen habe und dann aufzulisten was ich unbedingt noch lesen will. So rede ich seit einiger Zeit davon mehr von Thomas Mann zu lesen, aber geschafft habe ich es bis dato nicht. Dabei hat mir gerade "Buddenbrooks" sehr gut gefallen.

Von einigen Autoren, die hier genannt wurden, habe ich bisher noch gar nichts gelesen, auch das soll sich ändern. Ich  würde gerne einen Überblick bekommen über alle Epochen und alle Genres innerhalb der Klassik. Sofern das überhaupt möglich ist.

@Poppea: Du hast die Bibel also von hinten bis vorne durchgelesen? Oder wie muss ich mir das vorstellen?

Katrin

Offline Poppea

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Re: Lest ihr eigentlich "querbeet"?
« Antwort #14 am: 23. August 2010, 15:00 »
Ja Katrin. Und nicht nur das, ich habe auch den Anfängerfehler gemacht ganz vorn anzufangen... die Bibel ist aber kein Roman und nach den schönen Geschichten im AT kommt eine üble Durststrecke: seitenweise Religionsvorschriften (wenn ein grüner Finger am Himmel erscheint, dann darf nur der in die Wüste gehen, dessen Gewand lauter rote Bommeln hat), Stammbäume und ähnliches.

Es gibt ja auch sehr schöne Kompilationen, die den Zweck auch erfüllt hätten, denn eigentlich hab ich mich nur in den Museen immer geärgert, dass ich die Geschichten nicht richtig kannte.

Also habe ich mir ein Buch mit Erklärungen gekauft. Unverzichtbar heute, wir kennen die Bräuche einfach nicht mehr und müssen deshalb mit einem Erklärbären lesen. Ich geb Dir ein Beispiel: Abraham gibt ein Riesenfest als Isaak entwöhnt wird. Entgegen meiner ersten Annahme ist Abraham kein schwerer Trinker, der jede sich bietende Gelegenheit zum Feiern nutzt, sondern ein Kind wurde zwischen zwei und drei Jahren entwöhnt und da damals die Kindersterblichkeit hoch war erst wirklich zur Kenntnis genommen, wenn es mit hoher Wahrscheinlichkeit erwachsen werden würde. Davon konnte man zum Zeitpunkt der Entwöhnung ausgehen.

Dann kamen verschiedene neue Übersetzungen dazu, die sich mehr oder weniger flüssig lesen lassen. Werke über Textkritik, amerikanische und englische Bibelausgaben mit Erklärungen, und, und....

Ein weites Feld, aber sehr schön. Es verbindet Literatur, Archäologie, Textkritik, Sitten und Gebräuche. You name it, it's in it!

Sag Bescheid, wenn Du sie lesen willst, ich helf Dir gern bei der Auswahl einer Übersetzung. Hier stehen mittlerweile elf verschiedene.