Hallo !
Ja, ich lese gerade Rabenliebe und bin sehr angetan.
Wawerzinek arbeitet mit einer Montagetechnik, im Text selber tauchen immer wieder Reime und Liedtexte auf und dann gibt es noch eingefügte Zeitungsberichte und Gesetzestexte. Da er aber seine Themen nicht direkt angeht und es auch keine durchgehende Handlung als solche gibt, hindert es den Ablauf der Geschichte nicht. Man spürt, dass er sich nicht direkt nähern will und manchmal auch Anlehnungen und Ablenkung braucht. Zu Beginn häufen sich ein bißchen die Metaphern, für mich sind sie schon ein bißchen überstrapaziert, aber glücklicherweise legt sich das ein wenig mit der Zeit - oder ich habe mich daran gewöhnt. Gelungen finde ich, dass der Autor sich nicht in sein jüngeres Selbst hineinversetzt sondern immer mit der Reflexion aus seiner jetzigen Position erzählt.
Trotzdem ist die Sprache für mich nicht poetisch sondern eher sachlich gehalten - es gibt zwar lustige und traurige Stellen, die aber im gleichen Tonfall abgehandelt werden. Eine Hoch- oder Tiefstimmung erlaubt sich der Autor nicht, zu sehr ist er bemüht, sein Leben einzufangen. Auch ist es bestimmt kein Sittenbild der damaligen DDR-Zeit, obwohl natürlich schon das eine oder andere Detail vorkommt, denn es sind eben fast nur Erinnerungen und Reflexionen, die erzählt werden. Ich würde sagen, es ist ein intimer Seeleneinblick ohne Mitleiderheischung, mit dem Versuch, sprachlich und stilistisch etwas zu wagen.
Ich werde mein Eigen nicht. Ich bleibe ein Pseudonym. Ich bleibe für mich, lebe unter dem falschen Namen der Adoptionseltern, den ich ertragen will, bis ich groß genug bin und in einem Alter, den Adoptionsmantel abzulegen.
Peter Wawerzinek: Rabenliebe