Zuletzt erschienen ist „Lea“, von dem ich, nach allem, was ich darüber gelesen habe, ganz sicher die Finger lassen werde.
Allein die Tatsache, dass dort das Wunderkindthema wieder fröhliche Urständ feiert, lässt es mir angeraten scheinen, die Finger davon zu lassen. Wobei diese Wunderkinder meist so simpel konstruiert sind, dass sie in jeder Reality-Soap oder beim Gummibärli-Fetischisten wohl aufgehoben wären. Wieviel trivialer, profaner ein solches Leben in realiter sich darstellt sehe ich am knapp vierjährigen Sprössling meiner Bekannten: Reduzierte Kindheit, Arbeit, Schweiß. Die Eltern beide Musiker, der Kleine - vielleicht - talentiert, interessiert der Eltern wegen. Natürlich: Er spielt bereits besser, als es die meisten je schaffen werden. Aber dieses "Wunderkinddasein" hat in Wirklichkeit nichts Literarisches, Wundersames, sondern wie bei allem monomanisch von früh auf Betriebenem (etwa auch im Sport) etwas Beängstigendes, Einengendes, das mit großen Einschränkungen verbunden ist.
Das Thema verkauft sich wohl nur deshalb so gut, weil das Spiel mit der Thematik des unverstandenen, einsamen "Genies" auf fruchbaren Boden fällt bei so vielen. Denn wenn das Menschlein auch noch so einfach gestrickt und bar jeder Kreativität durch die Welt hampelt, irgendwann hatte es doch das Gefühl des Ungenügens, Unverstandenseins - und findet sich dann wieder in der dargestellten Figur. Auf ähnliche Weise funktionieren tragische Liebesgeschichten mit Fürstensöhnen und -töchtern, der Bergdoktor, Rosamunde Pilcher oder die Schwarzwaldklinik. Nur dass in diesen Fällen mit dem noch populäreren Thema der großen Gefühle hantiert wird.
Grüße
s.