Hallo,
nun habe ich ca. 60 Seiten meiner ca. 240 Seiten umfassenden Ausgabe gelesen: Malte ist gerade aus der Klinik "geflohen", in die er, wenn ich es richtig verstanden habe, zur Elektroschockbehandlung bestellt worden war.
Wie @Lost finde ich auch einige Ähnlichkeiten mit Proust, in den Erinnerungsabschnitten. Aber sie stehen bisher immer in scharfem Kontrast zu der Hauptzeitebene und akzentuieren die hoffnungsarme Lage Maltes darin. So zählt er, bevor er zu der Erzählung über seine Kindheitserlebnisse beim Großvater väterlicherseits, in Urnekloster, überwechselt, die vielen Möglichkeiten auf, nichts zu wissen und alles misszuverstehen. Man könnte also diesen Ausflug in die Vergangenheit als Versuch, sich seiner selbst und seiner Erfahrung zu vergewissern, betrachten.
Auch mir haben die Eingangszeilen zur "Bibliothèque nationale" gut gefallen, allerdings werden sie dann gleich wieder von dieser Angst Maltes, unsichtbar zu werden, weggeworfen zu sein, abgelöst. Aber für Bücherfreunde wie uns ist es tröstlich, dass Malte das Haus der Bücher, die Bücher selbst als Zufluchtsstätte ansieht.
Die anschließenden Szenen, insbesondere dann sein Ausflug in die Klinik, eventuell sogar psychatrische Klinik, sind dann nicht mehr proustsch, sondern mehr und mehr kafkaesk. Wie Malte da im Saal wartet, immer länger warten muss inmitten dieser sich fast auflösenden Gestalten der anderen Patienten, wie er schließlich zur Konsultation hereingerufen wird und vor dieser Menge von (Asssitenz)Ärzten Rechenschaft ablegen soll, dann wieder zurückgeschickt wird, dann von der Concièrge oder Wärterin gemaßregelt wird und schließlich flieht, das hätte auch K. passieren können.
Ab morgen und unter der Woche werde ich wohl selten zur Lektüre kommen.
finsbury