Autor Thema: Juli 2003: William Shakespeare - Der Sturm  (Gelesen 4483 mal)

Offline ikarus

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Juli 2003: William Shakespeare - Der Sturm
« am: 22. Juli 2003, 17:34 »
Hallo zusammen

Es wundert mich nicht, daß sich von Euch noch niemand zu dem Stück geäußert hat. Was will man auch über ein Theaterstück (fast) ohne Handlung schreiben?
Ich habe einige Zeit gebraucht bis ich herausgefunden habe, daß das eine Komödie sein soll. Okay, die Dialoge im II. Akt 1. Szene sind ganz amüsant und Stefano und Trinculo sind auch ganz lustige Burschen, aber sonst?  
Was ich aber überhaupt nicht verstanden habe ist, warum Prospero wieder nach Mailand zurück will? Auf seiner Insel ist er doch der King! Er lebt dort friedlich, kann sich den ganzen Tag seinen Büchern widmen, hat einen Sklaven, den er mit niederen Arbeiten schickaniert und beherrscht sogar die Geister. Was will er denn mehr?

Ich weiß zwar nicht, welcher Stellenwert diesem "Sturm" in Shakespeares Werk beigemessen wird, aber von allen Stücken, die ich von ihm kenne, ist das für mich mit Abstand das Schwächste. Ich konnte wenig damit anfangen und kann auch nicht sagen, daß es mir gefallen hat.  :sauer:

Viele Grüße
ikarus
« Letzte Änderung: 20. August 2006, 17:26 von sandhofer »
"Der Umgang mit Büchern bringt die Leute um den Verstand" (Erasmus von Rotterdam)

Anonymous

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #1 am: 22. Juli 2003, 19:58 »
Hallo allerseits

Ja, was soll ich sagen? gefällt mir auch nicht!
Was nicht passt, wird von Prospero per Zauberstab passend gemacht.
Sehr einfach gestrickt.
Alles sehr flach.
Wie bereits mal gesagt: Den Schurken wird vergeben und die Liebenden finden zueinander- fertig ist die "Komödie"!
Wahrscheinlich muss man das Stück vor dem Hintergrund des veränderten Puplikumsgeschmack sehen?!
Damalige Zuschauer hatten sicher ihre helle Freude an dem bunten Treiben auf der Bühne!
Deshalb lasst uns nicht zu hart sein. Es ist ein Bühnenstück, ausgedacht, um gespielt zu werden.

Gruß
Rainer

Offline JMaria

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #2 am: 22. Juli 2003, 22:53 »
Hallo zusammen

ich hinke hinter euch her.

Dass es eine Komödie ist, habe ich in meiner Gesamtausgabe gleich zu anfang gesehen, denn diese beginnt mit den Komödien.

Jedenfalls vermute ich mal, daß Shakespeare seine Handlungen gerne ins Ausland verlegt um den Adel im eigenen Land nicht gegen ihn aufzubringen, das war ja auch höchst ungesund damals. Besonders wenn ich eine solche Spitze lese:

Bootsmann:
Niemand, den ich lieber habe als mich selbst! Ihr seid ein Staatsrat: könnt Ihr diesen Elementen Stillschweigen gebieten und auf der Stelle Frieden stiften, so wollen wir kein Tau mehr anrühren! Gebraucht nur Euer Ansehn; wo nicht, so dankt Gott, daß Ihr so lange gelebt habt und bereitet LEuch in der Kajüte auf Euer Stündlein, wenn es schlagen sollte! ....Aus dem Weg sage ich!........ Arbeitet ihr denn?


usw.

Deutlicher kann man nicht sagen, daß auch dem höchsten Vertreter auf damaliger Erde, ein König oder ein anderer Adliger, keine Macht über Naturgewalten hat.

Werde nun erstmal weiterlesen.

Liebe Grüße
Maria
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Offline Steffi

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #3 am: 24. Juli 2003, 14:04 »
Hallo zusammen !

Sorry, ich konnte ein paar Tage meinen Computer nicht benutzen ...  :sauer:

Ich bin auch ziemlich ratlos und habe mich ebenfalls gefragt, warum Prospero wieder zurück will, warum er seine Tochter unbedingt verheiraten will (vielleicht damit sie das ihr zustehende Erbe erhält ?) und warum er so mühelos verzeiht ?

Eigentlich hatte er ja von Anfang an keine Lust aufs regieren, denn er hatte ja seinem Bruder die Staatsmacht übertragen - er wollte sich seinen geistigen Studien widmen. Plötzlich gibt er ohne Zögern seine Zaubermacht auf und kehrt wieder ins alte Leben zurück. Wollte er nur seine Tochter erziehen ?

Mir fallen zum "Sturm" zwar allerhand Assoziationen ein, z.B. Entdeckung der Südsee und deren Eingeborenen (Caliban = Canibal ?),  vielleicht auch ein Stückchen Humanismus, aber richtig deutlich wird das nicht und zerfließt quasi ins Leere.

Auf der Bühne stelle ich mir das Stück ziemlich toll vor, der Einstieg mit dem Sturm und den Schiffbrüchigen, mit Caliban und Ariel, ist schon sehr bildhaft und sicherlich gut darzustellen. Ich kenne auch den Film des englischen Regisseurs Peter Greenaway "Prosperos books", den finde ich einfach genial (naja, eigentlich alles von Greenaway). Nach der Lektüre wäre er sicherlich noch aufschlußreicher !

Gruß von Steffi
Gruß von Steffi

Offline ikarus

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #4 am: 24. Juli 2003, 20:15 »
Hallo Steffi

Der Gedanke, daß das Stück auf der Bühne interessanter sein könnte ist mir auch gekommen.
An diesen Greenaway-Film mußte ich auch denken. Den habe ich vor Jahren mal im Fernsehen gesehen, aber damals nicht verstanden. Ich hoffe, daß er irgendwann mal wieder zu sehen ist.
Mein Lieblingsfilm von Greenaway ist (und wird es wohl für immer bleiben) "Der Kontrakt des Zeichners". Sehr atmosphärisch, rätselhaft, sinnlich und dazu die geniale Musik von Michael Nyman. Einfach Klasse!

Viele Grüße
ikarus
"Der Umgang mit Büchern bringt die Leute um den Verstand" (Erasmus von Rotterdam)

Offline Ingrid

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #5 am: 25. Juli 2003, 08:41 »
Hallo zusammen,

nein, ich möchte nicht mitlesen,  :smile: nur etwas erwähnen, was mir aufgefallen ist. Speziell Maria dürfte es vielleicht interessieren:

Es gibt ein Buch von Mary Stewart " Die Zauberinsel". Die Handlung spielt auf der Insel Korfu, und die Heldin des Romans ist von Anfang an der Meinung, das müsse Prosperos Insel sein.
Dieses Vergleichen mit diesem Stück zieht sich übrigens durch das ganze Buch.

Ich wollte euch damit nur erzählen, dass auch andere Schriftsteller sich Gedanken über "den Sturm" gemacht haben.  

Schönes Weiterlesen!


Ingrid
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Offline ikarus

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #6 am: 25. Juli 2003, 16:35 »
Hallo zusammen

Am Nürnberger Schauspielhaus wird "Der Sturm" zur Zeit gespielt. Wenn man sich die Bilder der Aufführung anschaut und die Premieren-Kritiken liest bekommt man einen Eindruck davon, wie das Stück auf der Bühne wirken kann. Es läßt sich schon sehr effektvoll inszenieren. Über die Blutleere des Plots kann das aber nicht hinwegtäuschen.

http://www.theater.nuernberg.de/Schauspiel/Produktionen/Sturm/sturm.html

@Ingrid: Danke für den Buchtip. Hört sich interessant an. Im Buchhandel scheint es nicht mehr vorrätig zu sein, aber bei Amazon gibt es günstige Gebraucht-Exemplare.

Viele Grüße
ikarus
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Offline JMaria

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #7 am: 27. Juli 2003, 12:42 »
Hallo zusammen

"Der Sturm" hat mich doch tatsächlich in ein Lesetief katapultiert  :redface:

Mehr als diese Seite kann man aus dem Stück kaum noch herausfiltern.

@Ingrid: danke für die Erinnerung an "Die Zauberinsel". Es ist schon seeehr lange her, als ich es las und mir war garnicht mehr bewußt, daß es darin "Sturm-Parallelen" gibt. Muß ich beizeiten mal nachlesen :)

Liebe Grüße
Maria
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Offline Hubert

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Shakespeares Meisterwerk "Der Sturm"
« Antwort #8 am: 31. Juli 2003, 01:44 »
Hallo liebe Shakespeare LeserInnen,

im Rahmen der "Alexis Sorbas"-Lektüre bin ich wider einmal (wie ja schon bei Montaigne) auf Shakespeares "Sturm" gestoßen und habe ihn jetzt, da im Roman doch mehrmals erwähnt, zum ersten Mal komplett gelesen. Das Stück kenne ich aber vom Theater und von der Verfilmung.

Eure Enttäuschung? über das Stück kann ich nicht ganz nachvollziehen. Allerdings gilt bei diesem Stück auch nicht, was ich sonst über dramatische Literatur sage: dieses Drama muß analysiert werden. In sein letztes Werk hat der Dichter soviel reingepackt, dass es nicht auf einen Blick und nicht ohne die anderen Werke Shakespeares zu kennen, zu erkennen ist.

Ein Beispiel: Strebt nicht Prospero wie Macbeth über sich selbst hinaus? allerdings achtet er jetzt äußere Macht gering, so dass er sich als Herrscher vertreten läßt (auch ein Motiv aus "Maß für Maß") um sich ohne Störung seiner (Shakespeares) Kunst zu widmen. Der Bericht den Prospero seiner Tochter Miranda, der Zukunftsträgerin, über die Vergangenheit gibt, ist voll von Motiven des Seins und des Scheins, der Selbstverwirklichung und der Selbstentfremdung, der Weltsucht und der Weltflucht usw. - fand ich nicht ganz uninteressant.

Und so sind auch die anderen Figuren im "Sturm" Figuren aus anderen Shakespearedramen, allerdings mit verändertem Verhalten.

ikarus hatte gepostet:
Ich weiß zwar nicht, welcher Stellenwert diesem "Sturm" in Shakespeares Werk beigemessen wird,

Da ich festgestellt habe, dass "Der Sturm" im Forum "Chronik" noch nicht aufgenommen ist (es gab ja nichts zu verschieben), habe ich dort einen Eintrag gemacht, bei dem ich auf die Einordnung des "Sturms" in das Gesamtwerk eingegangen bin.

Gruß

Hubert

Offline Hubert

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #9 am: 31. Juli 2003, 02:02 »
Das dramatische Werk von William Shakespeare kann man sowohl chronologisch als auch nach Gattungen gliedern. In beiden Fällen werden seine Dramen üblicherweise in vier Gruppen zusammengefasst:

Gliederung nach Gattungen:

I. Historische Dramen: Hier dramatisiert Shakespeare englische Geschichte und stellt zugleich hoch brisante politische Fragen

II. Komödien: Neben rein lustigen Komödien stehen hier auch sogenannte Problemkomödien wie „The Merchant of Venice“

III. Tragödien:

IV. Romanzen: Shakespeares letzten Stücken „The Winter’s Tale“ und „The Tempest“ hat man ihrem märchenhaften Stil wegen den Namen Romanzen gegeben. Motive die aus früheren Stücken hier wiederkehren, haben ihre Düsternis verloren und werden heiter und mit überlegener Verklärung dargestellt.

Chronologische Gliederung:

I. In der ersten, Schaffensperiode von 1589 bis 1595, Shakespeares „Sturm und Drang“-Zeit (nur von mir so genannt) entstand u.a. „King Richard III“  

II. Es folgte eine heitere Periode von 1595 bis 1599 in der viele Komödien wie „A Midsummer Night’s Dream“ entstanden aber auch „Romeo and Juliet“

III. In einer dritten, düsteren Periode von 1599 bis 1609 entstanden die vier großen Tragödien „Hamlet“, „Othello“, „King Lear“ und „Macbeth“
 
IV. Die in der Zeit zwischen 1609 und 1613 entstandenen Werke wie „The Tempest“ kamen einerseits einem neuen Publikumsgeschmack entgegen (das Rokoko löst langsam den Barock ab), entsprechen aber andererseits, so nehme ich an, auch dem veränderten Bedürfnis Shakespeares nach Heiterkeit, Hoffnung, und Transparenz.

Es verwundert nicht, dass „Der Sturm“ in beiden Gliederungen am Ende steht, ist dieses Werk doch die Krönung von Shakespeares Schaffen. Zunächst wirkt die Fantasy-Welt sehr befremdlich – erwartet man doch solche Märchenelemente bei Shakespeare nicht. Doch spätestens wenn Prospero sagt: „We are such stuff as dreams are made on” reibt man sich die Augen und fragt sich: Ja wer träumt nun diese Figuren, wenn sie also aus solchem Stoff sind, wie der, aus dem die Träume sind. Shakespeare lässt die Frage offen.

Gewöhnlich wird deshalb Prospero mit dem Dichter Shakespeare gleichgesetzt, der seine Figuren erträumt und Ariel und das Geisterspiel sind dann Shakespeares Dichtung, so auch in dem Film des englischen Regisseurs Peter Greenaway "Prosperos books", Gewiss ist diese Deutung legitim, aber sie reicht nicht aus. Es geht um mehr als um des Dichters Kunst in diesem Stück. Wie immer bei Shakespeare geht es auch hier um die großen Fragen der Menschheit. Diesmal aber auf einer anderen Ebene..

Der Sturm, der dem Drama den Namen gibt, entstammt nicht der Naturgewalt, wie in „Othello“ oder „King Lear“, sondern er ist von Prospero entfacht: nicht Naturgewalt, sondern Gewalt des Geistes. In Shakespeares früheren Werken spielen Natur, Schicksal und Menschenwille immer geheimnisvoll zusammen, in seinem letzten Werk aber hat der menschliche Wille die Oberhand gewonnen. Vielleicht ist Prospero aber hier auch mit Gott gleichzusetzen, einem Gott aber, der den Menschen die Freiheit lässt, das Gute oder das Böse zu wählen. „These are not natural events“, sagt Alonso im letzten Akt. Wer will dem widersprechen.

Offline JMaria

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #10 am: 31. Juli 2003, 21:30 »
Hallo zusammen

Zitat von: Steffi


Ich bin auch ziemlich ratlos und habe mich ebenfalls gefragt, warum Prospero wieder zurück will, warum er seine Tochter unbedingt verheiraten will (vielleicht damit sie das ihr zustehende Erbe erhält ?) und warum er so mühelos verzeiht ?

 


Im Vordergrund steht wohl, daß er ihr Erbe sichern wollte und eine Verheiratung mit Ferdinand war die Beste Möglichkeit die Familienfehde zu beenden. So konnte er großzügig sein und vergeben, denn wie du auch festgestellt hast, hat er die Staatsgeschäfte gern seinem Bruder überlassen und er liebte seine Bücher und die hatte er ja auf dieser Insel.

Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt - welche Bücher waren das wohl?

Außerdem war es damals auch Brauch zerstrittene Adelshäuser durch Verheiratung zu binden. Das war billiger als Kriege!

Prosperos hatte Macht über mächtige Wesen, wenn ich da an Ariel denke. Auch in der Bibel kommt einmal ein Ariel vor, ich glaube das war ein Schutz- und Todesengel. Bin aber nicht ganz sicher.

Wie er sich wohl fühlte als er Ariel freigab? Hat er deswegen seine Zauberkraft verloren?

Aber verließ Prospero wirklich seine Insel? Ich finde, das läßt Shakespeare offen. Im "Nachspruch" begibt sich Prosperos in die Hände seiner "Feinde" um Barmherzigkeit hoffend, daß er nicht zurückbleibt?

Hat euch dieser Nachspruch auch überrascht?

Zitat von: Hubert
Und so sind auch die anderen Figuren im "Sturm" Figuren aus anderen Shakespearedramen, allerdings mit verändertem Verhalten.


Leider sind meine Kenntnisse in den Werken Shakespeare nicht sehr groß (Maß für Maß kenne ich auch noch nicht), deswegen habe ich keine Möglichkeit die Figuren zu vergleichen, ich werde mir aber diesen Gedanken merken   :winken:

Viele Grüße
Maria
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Offline Hubert

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Ariel im "Sturm"
« Antwort #11 am: 31. Juli 2003, 21:57 »
Maria hat geschrieben:

Prosperos hatte Macht über mächtige Wesen, wenn ich da an Ariel denke. Auch in der Bibel kommt einmal ein Ariel vor, ich glaube das war ein Schutz- und Todesengel. Bin aber nicht ganz sicher.

Hallo Maria,

Du hast Recht, Ariel gibt es auch in der Bibel. In vier verschiedenen Versen wird er genannt:

Esr8,16; Jes29,1; Jes29,2; Jes29,7.  Bei der ersten Fundstelle wird der Name zusammen mit anderen Namen von Sippenhäuptlingen genannt und ich glaube auch der Ariel aus Jes29 hat wenig mit Shakespeares Ariel zu tun. Außer dem Namen natürlich und das ist schon entscheidend, zeigt Shakespeare doch dadurch das der Puck aus dem "Sommernachtstraum" (Puck -> Ariel) jetzt auf einer höheren (religiösen) Ebene angesiedelt ist. Er dient jetzt nicht mehr dem Elfenkönig Oberon, sondern Prospero, aber dem dient er mit gespaltenen Gefühlen. Zwar ist er voll Liebe für ihn und möchte sich von ihm geliebt wissen, aber er sehnt sich auch nach Freiheit, nach der himmlischen Luft und ist insofern nicht nur Diener, sondern Spiegelbild von Prospero.

Liebe Grüße

Hubert

Offline Ingrid

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #12 am: 1. August 2003, 08:27 »
Hallo zusammen,

ein bißchen etwas über den Erzengel "Ariel"


Ariel: ist der Engel des Nordens
 
Bedeutung: Großer Erdenfürst
 
Farben: Grün und Braun
 
Jahreszeiten: Winter
 
Tageszeiten: Mitternacht
 
Element: Erde
 
Astrologische Zeichen: Stier, Jungfrau und Steinbock
 
Hüter von: Visionen, Träumen und Prophezeiungen Engel der Mysterien, unterstützt Raphael bei der Heilung
 
Beschützer: der übersinnlichen Medien und all jener, die im positiven Sinn die Zukunft voraussagen
 
Patron von: Journalisten, Lehrer und Autoren
 
Zuständig für: Tornados, Gewitter, Wirbelstürme, Vulkane und Erdbeben
 
Ariel überwacht: die Arbeit der Naturgeister
 
Magie Arbeit: wenn es um Prophezeiungen und Heilung geht


Ein etwas finsterer Geselle, dieser Ariel...
 :winken:
Liebe Grüße
Ingrid
Ich träume, also bin ich...

hafis50

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #13 am: 1. August 2003, 11:25 »
mein erster eindruck entsprach dem der meisten hier: flache charaktere, unglaubwürdigkeiten in der geschichte und gewisse trivialitäten.
In der eingangsszene, in der prospero seiner tochter ihre vergangenheit eröffnet, beklagt er sich "herr einer armseligen insel" zu sein, während sein bruder ihm das bedeutende amt genommen habe. Da ist unklar, wieso er jetzt dem amt nachtrauert, wenn er es zuvor nicht gewollt hat. Ebenso frage ich mich, wieso er nicht seine zauberkräfte nicht zur wiedererlangung des amtes gebrauchen konnte.
Ein blick ins kindler-lexikon zeigt, daß die phantasie der interpretatoren denen des autors nicht nachstehen müssen. Dort steht:
"Sein grundthema...ist der gegensatz...von natur und kunst...Die natur erscheint, insofern sie durch den wilden caliban...verkörpert wird, als der ungstalte, bewußtseinsdumpfe, triebgesteuerte rohstoff des lebens, unfähig zu freier selbststeuerung und daher wesensmäßig dazu ausersehen, beherrscht...zu werden...Kunst bedeutet dagegen durch erkenntnis und tirebkontrolle in einem kontinuierlichem erzeihungsprozeß erworbene "bildung", die, wie inder gestalt prosperos deutlich wird, in der freien verfügung über die kräfte der äußeren und eigenen natur zur vollendung gelangt.Eine andere, die dämonische komponente der natur, wird durch die hexe sycoral repräsentiert, wobei zugleich das thema "macht" beleuchtet wird. Der nur auf selbstbestätigung gerichteten schwarzen magie der gewalt begegnet prospero mit der weißen magie des geistes, die macht als verantwortung begreift."
In diesem sinne, wenn man es nicht als komödie, sondern eher als ein gleichnis liest, macht es IMO schon mehr sinn. Vielleicht kommt diese interpretation der absicht shakespeares ja wirklich nahe.
gruß hafis

Offline Steffi

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Juli 2003: William Shakespeare: “Der Sturm”
« Antwort #14 am: 2. August 2003, 17:21 »
Hallo !

Wie gesagt, "der Sturm" läßt vieles offen und daher auch viele Interpretationsmöglichkeiten zu ! Wie hafis ausführte Natur - Kunst, dann vielleicht Haben oder Sein (analog Erich Fromm), Eingeborene - Kolonialmacht, Heidentum - Religion, Shakespeare - seine Werke, Herrscher/Usurpator -  Volk...

Aber richtig überzeugend ist für mich nichts !
Vielleicht hat ersich gar nichts dabei gedacht ...  :redface:


Gruß von Steffi
Gruß von Steffi