Hmm.. ich habe nur die Fassbinder Fassung gesehen (und das ist schon mind. zwei Jahre her). Ausserdem haben wir es in der Schule, d.h mit dementsprechenden Pausen und Abstaenden geschaut, dass die Stimmung und der Funke wohl nicht ganz rueberkam.
Instetten hatte ich mir auch ganz anders vorgestell. Jedenfalls ohne Bart (hatte er doch, oder?). Juenger nicht unbedingt (er ist ja Anfang 40), aber nicht so...schuechtern?
Effi kam mir auch etwas zu alt vor (da sie ja am Anfang sowieso eher kindlich ist). Aber wie es dann spaeter war, weiss ich leider nicht mehr.
An was ich mich noch erinnern kann, ist die Atmosphaere. Wir haben damals kurz ueber Fassbinders Machart diskuturiert (kurz deshalb, da wir etwa nur 2 Schueler waren, die daran interessiert waren und ueberhaupt etwas sagten).
Mir fiel damals die Kamerafahrt auf, und die Einstellung mit den Spiegeln. Es schaffte eine gewisse Distanz. Sowohl zwischen Protagonisten, als auch zwischen den Schauspielern und dem Zuschauer. Der ganze Film wirkte kuehl, irgendwie sachlich und neutral. Vielleicht wollte Fassbinder extra Distanz wahren, keine Partei ergreifen und das Buch bzw. die Umstaende, der Ehebruch und die Gesellschaft nicht bewerten. Denn soweit ich mich erinnern kann, bewertet auch Fontane nicht, oder?
(So war zumindest mein eindruck vom Film).
Ich kenne nicht besonders viele Fassbinder Filme und kenne mich mit seiner Art nicht aus. Mir kam es so vor, als wolle Fassbinder nicht einfach das Buch als Film umsetzten, als Unterhaltung oder so, sondern durch den Film den Zuschauer zum ..Nachdenken (ist wohl nicht das richtige Wort) anregen (er selbst bleibt allerdings neutral). Der Zuschauer ist nicht total passiv und bekommt alles auf einem Teller (bzw. Bildschirm) praesentiert, sondern muss selber abwaegen.
Aber jetzt bin ich von deiner Frage abgekommen, oder? Ich glaube ich muss den Film nochmals anschauen. 
Hallo,
finde diese Diskussion sehr interessant und interessiere mich sehr für Fassbinder Filme.
Fassbinder wollte vor allem die Mechanismen aufzeigen, die sowohl das Leben Effis als auch das Instettens ruiniert haben und will aufzeigen, dass diese Mechanismen auch in der heutigen Gesellschaft noch latent vorhanden sind. Allerdings hat er sich sehr genau an die Vorlage Fontanes gehalten, was ja auch der Titel "Fontanes Effi Briest" ausdrückt.
Er hat m.M. nach keine Personen direkt kritisiert, sondern wollte nur die gesellschaftlichen Triebfedern aufzeigen, die sich in den Personen fortsetzen.
Allerdings wollte er auch vermeiden, die literarische Vorlage unter dem Aspekt der Frauenemanzipation aufzuzeigen, da auch diese die oben angesprochenen Muster in der Gesellschaft nicht unterwandern kann.
Z.B ist ja auch die Mutter Effis nicht gerade positiv bzw. "emanzipatorisch" besetzt, sondern stellt die Konsequenzen der Gesellschaft über ihre Tochter, genauso ist Effi keine Persoen, die irgendeine Emanzipation anstrebt (allerhöchstens in einem kurzen Gefühlsausbruch) sondern Instetten innerhalb der Konventionen sogar recht gibt.
Fassbinder will, zumindest meiner Auffassung nach, den Menschen zur (individuellen) Veränderung aufrufen, bietet aber gerade deshalb keine Gefühle an, mit denen er sich allzuleicht identifizieren kann um das Hauptanliegen des Film nicht durch eine Katharsis (Mitleid, ...) zu verdecken. Deswegen die distanzierte Erzählweise. Genausowenig will er den irgendeine Bindung zu einer Person provozieren,bzw. vermeiden, den Zusauer dazu zu verführen, einer Person "Recht" zu geben, eban da dies nur eine Identifikation hervorrufen würde, die die individuelle Reaktion auf den Film verhindert. Er glaubte z.B. nicht an den Wert von "Vorbildern", da diese erstens autoritär bestimmt sind und ohnehin keine Auswirkungen auf den Menschen haben können, da Fassbinder diese schon als in der Kindheit bestimmt ansieht.
Was ich z.B in diesem Bezug an Fassbinder interessant finde, ist die tatsache, dass er behauptet, dass alles Bekämpfen von Strukturen nur im Ergebnis wieder dieselben Strukturen hervorruft, eben da wir schon Produkt dieser Strukturen sind. So erzählt er seine Filme auch so, dass sie nicht neue Strukturen erzeugen, sondern den Zuschauer durch die Erkenntnis der Mechanismen zu persönlichen Lösungsmöglichkeiten auffordert.
MfG,
rezk