Der von Dir genannte Stundensatz ist aber ordentlich. Aber ich dachte, man wird nach Norm-Seiten bezahlt.
Eine (Simultan)Dolmetscherin wird idR. nach Stunden bezahlt, ein Literaturübersetzer logischerweise nach Normseiten, denn wer will schon entscheiden, wie viele Stunden eine Übersetzung dauert?
Ulrich Blumenbach hat für seine Übersetzung von David Foster Wallaces "Unendlicher Spaß", an der er sechs (!) Jahre gearbeitet hat, 52.000,- Euro erhalten. Natürlich ist davon auszugehen, dass er nicht 8 Stunden am Tag dieses Buch übersetzt hat und nebenher bestimmt auch noch andere (Übersetzer-)Jobs oder Geldquellen hatte, denn üppig finde ich das nicht gerade ...
Das Buch hat nun 1500 Seiten auf Deutsch. Das heißt für jede Seite hat er gerade mal 35 EUR brutto verdient. Braucht er für eine Seite nur 30 Minuten. Wohl deutlich mehr, denke ich. Selbst wenn man eine Stunde ansetzt, verdient mein Auto-Mechaniker mehr. Also ich denke, man sollte dann doch lieber Anwalt werden ... (muss sich ja auch intensiv mit sprachlich-logischen Konstrukten auseinander setzen).
Mir stellt sich die Frage, warum es sechs Jahre dauert, ein Buch (das ich nicht kenne) zu übersetzen. 35 Euro "Stundenlohn" sind für einen Freiberufler nicht üppig, aber auch kein Grund für Depressionen.
Wenn ich pro Jahr ca. 200 Arbeitstage ansetze (also exklusive Wochenenden, Urlaubs- und Krankheitszeiten), so hat er ca. 1.200 Tage an den 1.500 Seiten gesessen und demnach pro Tag ca. 1 bis 1,5 Seiten geschafft, mithin ca. 43,- Euro am Tag. Und wenn ich die 52.000 Euro auf die sechs Jahre umrechne, hat er pro Monat lediglich gut 720,- Euro erhalten. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel...
Er hat bestimmt mehr als 1 oder 1,5 Seiten pro Tag geschafft. glaube mir!
Es gibt offensichtlich abstruse Vorstellungen, wie Kulturschaffende zu bezahlen sind. Solang sie unbekannt sind, werden sie von den Auftraggebern behandelt wie ein Hersteller ungarisch gewürzter Kartoffelchips von den Handelsketten: Qualität und Preis müssen stimmen. Nur die Stars der Kulturindustrie können unverschämt abkassieren - etwas, das sie den Kartoffelchipsproduzenten übrigens voraus haben ...
Marktwirtschaftliche Grüße!
Tom