Zwischen den zwei Hamburger Richter Ausstellungen und der ab 6. Oktober 2011 in der Londoner Tate Gallery geplanten Richter-Retrospektive startete in ausgewählten Kinos am 8. Sept. 2011 der Film „Gerhard Richter Painting“ von Corinna Belz. Ich habe mir den Film am 10. September ab 17.00 Uhr im „Atlantis“ in Mannheim angesehen. Als Sensation war der Film angekündigt, imo ist nicht der Film selbst eine Sensation, sondern dass Richter überhaupt sein Atelier für einen Film geöffnet hat und sich beim Malen zuschauen ließ.
In der Eröffnungsszene stellt Richter eine Filmkamera auf, d.h. er versucht es, aber es gelingt ihm nicht. Was will uns diese Einstellung sagen? Dass Richter kein Pseudointellektueller ist, also Künstler und doch technisch begabt? Ich bin ratlos.
Dann, und das ist der Hauptteil des Films, sieht man Richter in seinem Atelier, abstrakte Bilder, die heute den größten Teil seiner Arbeit ausmachen, schaffend. Mit der Rakel zieht Richter abwechselnd Gelb, Blau und Rot über die Leinwand. (Beuys „«Der Fehler fängt schon an, wenn sich einer anschickt Keilrahmen und Leinwand zu kaufen.», scheint an Gerhard Richter spurlos vorbeigegangen zu sein.) Diese Arbeit sieht nicht nur willkürlich aus, sondern geschieht tatsächlich zufällig und planlos, wie der Künstler selbst bestätigt.
Zu diesen aktuellen Aufnahmen aus dem Atelier werden Szenen aus ältern Dokumentarfilmen geschnitten. Einmal sieht man eine Ausstellungseröffnung in London und Richter wird von einer Reporterin auf seinen RAF-Zyklus angesprochen: „Das war ja ein schwieriges Thema?“. Was wäre auf eine solche Frage nicht alles möglich gewesen? Gerhard Richter macht’s kurz: „Es ging.“ Selten ist ihm ein ganzer Satz zu entlocken und wenn wie z.B. „Jedes Bild ist der Todfeind des anderen“, dann ist es ein Zitat, in diesem Fall von Adorno.
Zusammengehalten wird der Film von den begleitenden Klavierstücken. Leider habe ich mir den Abspann nicht angesehen, weil ich noch zur „Autosymphonie“ wollte, aber eine Komposition von John Cage meine ich erkannt zu haben.
Fazit: In seiner Hilflosigkeit ist mir der Mensch Gerhard Richter sympathischer geworden, mein Fragezeichen hinter dem Künstler hat sich allerdings vergrößert.