Hallo liebe Mitleser.
Mir geht es bei meiner Erstlektüre irgendwie ganz anders als euch Zwei. Ich empfinde weder die Sprache oder Stil als hölzern, noch habe ich das Gefühl der emotionalen Unterkühlung und den „Krüppel“ kann ich gar nicht unterbringen. Dieser Tage habe ich im Bezug zum „Nachsommer“ die Begriffe wie Idylle und Veredelung gelesen, da ich selber das Wort traumhaft auf den Lippen hatte, kann ich dem nur zustimmen. Anderswo habe ich von „Zeitentschleunigung“ gelesen, und das trifft es absolut. Kein bisschen Langeweile, sondern tiefe „Zeitentrückung“, steter Genuss, und gerade auch sprachlich wird dies unterstrichen.
Ferner werden hier Begriffe wie prakmatisch oder aus der Nützlichkeit heraus verwendet. Auch ein Patriarch … Ich habe mich über das erste Kapitel eher gewundert, dass vor 150 Jahren ein Vater seinem Sohn nicht einbläut, er solle genau wie er Kaufmann werden. Okay mit Geld umgehen soll Heinrich lernen, auch seine Schwester, sie darf mit ihrem Erbteil, soweit es die Zeit zulässt als Frau, auch eigenständig damit umgehen.
“Jedes Ding und jeder Mensch, pflegte er zu sagen, könne nur eins sein, dieses aber muß er ganz sein.
Das soll Heinrich heraus finden! Das birgt natürlich die Gefahr der Lethargie, wenn man Geld genug hat, um fast alles zu machen, hinaus in die Welt zieht um heraus zu finden, was man wirklich selber ist. Heinrich schöpft zunächst aus dem vollem, will alles lernen und wissen, grenzt dann aber immer mehr dieses Alles ein, denn wer kann wirklich alles wissen. Zum Glück für Heinrich? lernt er dann im dritten Kapitel seinen Mentor kennen. Da beginnt die Idylle und auch die Poesie, außer man ist ein Rotschwanz, da hört es dann mit der Idylle auf.

Mir fallen Parallelen zum „Zauberberg“ und zum „Glasperlenspiel“ auf, beides auch Entwicklungsromane, zeitentrückt und auch diese Werke werden von einer ganz eigenartigen Atmosphäre getragen. Also ich bin sehr gespannt wie Heinrich sein Leben meistern wird. Und ich muss gestehen, ich habe mich in den „Nachsommer“ schon ein wenig verliebt

Liebe Grüße
Anita