Hallo zusammen,
ich bin nicht so ganz sicher, ob dieser Beitrag ganz passt, aber ich denke, nimue wird ihn verschieben, falls er fehl am Platze ist!
Unser Städtchen ist ein bißchen "durchzogen" vom Duft des Hambacher Festes (siehe Wirth und Siebenpfeiffer). Und wir wohnen nicht allzu weit vom Hambacher Schloss entfernt, so daß man nicht umhin kann, sich mit dem "Hambacher Fest" etwas mehr zu befassen.
Ich habe in einem "Hambach-Journal", das anläßlich der Feier zum 150igsten Jahrestages des Hambacher Festes herausgegeben wurde, einige Artikel gefunden, die sehr interessant sind. Einer davon trägt den Titel "....der letzte Termin, den die Göttin der Freiheit uns gewährte" im Gespräch mit Ludwig Börne und Heinrich Heine.
Heine schrieb z.B. "Während den Tagen des Hambacher Festes hätte die allgemeine Umwälzung in Deutschland versucht werden können. Jene Hambacher Tage waren der letzte Termin, den die Göttin der Freiheit uns gewährte; die Sterne waren günstig. Dort waren sehr veile Männer der Tag versammelt, die selber von ersterm Willen glühten und auf die sicherste Hilfe rechnen konnten. Jeder sah ein, es sei der rechte Moment zu dem großen Wagnis, und meisten setzten gerne Glück und Lebens
aufs Spiel... Wahrlich, es war nicht die Furcht, welche damals nur das Wort entzüngelte und die Tat zurückdämmte".
Bedeutend noch mehr beeindruckt hat mich ein anderer Artikel:
J.W.v.Goethe - ein Dichter ohne soziales Mitleid?Neustadt, im Mai 1832
Dem Tod des Dichtes J.W.v.Goethe am 22. März haben deutsche Zeitungen eher beiläufig einige Zeilen gewidmet. Besonders auffällig erscheint, dass ein namhaftes literarisches Organ wie das von Cotta herausgegebene "Literaturblatt" über Goethes Tod offenbar nichts zu sagen hat. Der Redakteur der Zeitung, Wolfgang Menzel, hat den Dichter des "Faust" bisher mit keiner Zeile gewürdigt. In Paris widmete ein deutscher Schriftsteller Goethe viele Zeilen, allerdings eher kritische. Ludwig Börne sieht in ihm einen "Dichter ohne soziales Mitleid" und denkt darüber nach, wie die Geschichte über Goethe urteilen wird.
"Sie, die furchtbar unbestechliche Richterin, wird Goethe fragen: Dir war ein hoher Geist, hast du je die Niedrigkeit beschämt? Der Himmel gab dir eine Feuerzunge, hast du je das Recht verteidigt? Du hattest ein gutes Schwert, aber du warst nur immer dein eigener Richter."
Börne hat sein Urteil schon gesprochen: "Dieser Mann eines Jahrhunderts hat eine ungeheure hindernde Kraft. Er istd ein grauer Star im deutschen Auge. Seit ich fühle, habe ich Goethe gehasst, seit ich denke, weiß ich warum. Es ist mir, als wurde mit Goethe die alte deutsche zeit begraben; ich meine, an dem Tag seines Todes müßte die Freiheit geboren werden."
Ein weiteres urteil über Goethe wird ebenfalls in Paris gefällt. Das "Journal des Debats" schreibt, dass Goethes Tod für Deutschland den Abschluss einer Kunstepoche und den Beginn eines neuen bedeutete: "Das Schrifttum, das damit zu Grabe ging, war das großartigste Geilde des Geistes, der Deutschland glänzend charakterisiert hat und ihm seine politische Gestaltung gab."
Frankreichs angesehenes Literaturblatt fährt fort: "Jetzt aber weht hier ein anderer Geist, der Geist der Einheit. Wie in Frankreich seit längerer Zeit, tritt in Deutschland die Freiheit der Poesie an die STelle der Literatur; der Gedanke aller an die Stelle der Gedanken einzelner!"
Gestern Vormittag, halb 12 Uhr, starb mein geliebter Schwiegervater, der großherzogl. sächsische wirkliche geheime Rath- und Staatsminister
Johann Wolfgang von Goethenach kurzem Kranksyn am Stickfluss in Folge eines nervös gewordenen Katharrhalfiebers.
Geisteskräftig und liebevoll bis zum letzten Hauche, schied er von uns im drei und achtzigsten Lebensjahr.
Weimar, 23. März 1832 [/list:u]