In meiner Ausgabe ist die eigentliche Erzählung in einen ziemlich umfangreichen Kommentar eingebettet. Den ersten Teil (sozusagen das Vorwort) habe ich noch mit Begeisterung gelesen, das Nachwort bewegt sich dann aber thematisch teils doch recht weit weg und war mir abschnittsweise zu langweilig, um es genau zu lesen.
Außerdem bin ich noch nicht dazu gekommen, mir die im Materialienthread verlinkten Interpretationen durchzulesen (danke übrigens für die Zusammenstellung!), also kommen hier erstmal nur meine ganz eigenen Eindrücke.
Mich hat die Blutrünstigkeit in dieser Erzählung total überrumpelt - damit hatte ich gerade bei Kafka überhaupt nicht gerechnet! Taucht so etwas denn öfter in seinem Werk auf? Ich habe ja erst ganz wenig von ihm gelesen (
Amerika und ein paar Erzählungen), aber mit Kafka assoziiere ich wenn dann nur psychologischen Horror, ohne solche explizite Brutalität!
Wobei ich den Reisenden eigentlich nicht unbeteiligt fand. Gut, er reagiert vielleicht nicht so
hysterisch emotional

, wie ich das in seiner Situation täte, aber es wird ja schon deutlich, dass er dieser Folterung sehr, sehr ablehnend gegenübersteht. Und das parallel dazu vorhandene - ich nenne es jetzt mal - fachliche Interesse, diese wissenschaftlich orientierte Faszination, die springt ja sogar auf den Leser über.
Allerdings enthält meine Ausgabe auch noch ein paar Varianten für den Schluss, die ich durch die Bank emotionsgeladener in Erinnerung habe - im Vergleich dazu wirkt der Reisende in der Endfassung tatsächlich am nüchternsten, "unbeteiligtsten".
Apropos meine Ausgabe - sagt euch "Der Garten der Qualen" von Octave Mirbeau etwas, das im Vorwort als eine der Hauptquellen für die Strafkolonie genannt wird?
Und eine Detailfrage: wer sind denn diese Frau
en des Kommandanten, die an ein paar Stellen erwähnt werden?
Der Offizier ist für mich genau wie für Steffi ein Fanatiker, der das mit der Erlösung der Seele durch die Maschine einfach glauben
will.
Den Schluss habe ich mir, glaube ich, so erklärt, dass den Reisenden der ganze Wahnsinn der Situation übermannt und er deshalb so schnell wie möglich verschwinden will und auch nichts mit Leuten zu tun haben möchte, die in irgendeiner Weise in dieser Sache "drinhängen". Allerdings kann es sein, dass mir gewisse Details gerade nicht einfallen ...
Mit meinen restlichen Notizen melde ich mich demnächst.