Ich habe nun am Wochenende "Heimatmuseum" beendet. Gegen Ende nahm die Geschichte richtig Fahrt auf und ja, ganz schön desillusionierend war die Situation nach dem Krieg.
Die Wandlung Connys konnte ich nicht recht nachvollziehen. Er hatte sich doch immer auch über "Heimat" lustig gemacht und dann wird er schließlich noch Ehrenbürger. Aber es ist irgendwie eine Art Mißbrauch, die er mit dem Museum treibt, so schien es mir. Vielleicht, weil er sich im Westen nicht anpassen konnte oder keine andere Arbeit als die in seinen Lucknower Blättern fand ? Weil es schön für ihn war, so hofiert zu werden, etwas zu gelten ? Traurig ja, aber doch die Erkenntnis, dass Heimat in uns selber bleibt und das wichtiger und wertvoller ist, als das Gemeinschaftsgefühl, das beschworen wird.
An der Erzählhaltung ist mir noch aufgefallen, dass es zwar aus der persönlichen Perspektive von Zygmund geschrieben wurde, dennoch seine inneren Gefühle nicht zur Sprache kamen. Selbst seine Gefühle beim Verlust von Frau und Kind waren nur angedeutet. Diese konsequent ausgeführte Distanziertheit und Objektivität hat mir sehr gut gefallen.
Auch wenn ich am Anfang etwas Schwierigkeiten hatte, hat mich Siegfried Lenz auch dieses Mal wieder nicht enttäuscht. Wunderbare Atmosphäre und Beschreibungen, vielschichtige Personen, ein interessantes Thema, das vielfach beleuchtet wurde und am Ende steht eine eindeutige Aussage - ein großes Lesevergnügen.