Conlectores Ovidi Nasonis saluto!
Schon das seinem ersten Buch vorangestelllte neckische Epigramm, in dem er die libelli Nasonis (die Büchelchen Nasos) selbst zu Wort kommen und für das Gesamtwerk Propaganda machen lässt, nimmt mich wieder für Ovid ein!
Dann Amors Raub des zwölften Versfußes, wodurch Naso zur Liebeselegie „verpflichtet“ wird. Köstlich!
Beziehungsreich und ironisch beginnt das Werk mit dem selben Wort wie das von Augustus so hochgeschätzte Nationalepos, die Äneis, mit Arma (Waffen, Krieg) !
Aber nachdem der Pfeil Amors Naso getroffen hat (der Inhalt folgt der Form), endet die erste Elegie:
Ich stehe in Flammen und Amor herrscht …
Fahret hin ihr eisernen Kriege mitsamt euren Rhythmen!
Ist das nicht ein antikes Make love, not war?
In der zweiten Elegie wird wie auf einem pompejanischen Wandfries Amors Triumphzug entrollt, wunderschön wie wir das von Ovid kennen: Amor myrtenumkränzt auf einem von Venus-Tauben gezogenen Wagen inmitten herabregnender Rosenblüten … Tja, und in seinem Gefolge nicht nur der gefesselte Naso als einer der Besiegten, sondern
Mitgeführt werden auch, die Hände auf dem Rücken gebunden, der gesunde Menschenverstand, die Sittsamkeit und was sonst sich dem Heer Amors entgegenstellt. …
Ja, da hör ich förmlich Phädra aus den Heroides: Kein Liebender kümmert sich um das, was sich ziemt. und Erich Frieds in Hochzeitsanzeigen gern und vielzitiertes: ..Es ist Unsinn sagt die Vernunft- Es ist was es ist, sagt die Liebe.
Ovid fährt fort:
Schmeichelreden werden dein Gefolge bilden, Verblendung und Raserei, eine Schar die beständig deinem Banner folgt.
Liebes-Verblendung und Raserei haben wir schon in den Heroides kennengelernt. Auch hier erwartet uns also keine Idealisierung der Liebe, auch wenn der Liebende Naso heißt!
Für Schmeichelreden gibt er in der dritten Elegie gleich ein Beispiel, in ironischer Widersprüchlichkeit: Er gelobt Treue, preist seine untadeligen Sitten, die schlichte Einfalt und purpurne Schamhaftigkeit (purpureusque Pudor) an. Gerade diese führt Cupido aber, ausgeschaltet und besiegt, als allegorische Gestalten in in seinem Triumphzug mit! Und die drei von Zeus verführten Damen (Io, Leda, Europa), deren Ruhm er seiner Angebeteten verspricht, sind als Beispiel scheinbar schlecht gewählt, da sie durchweg betrogen und unglücklich werden … Und überhaupt sein Wunsch:
Schenke dich mir als fruchtbaren Stoff für meine Lieder
Kann das eine Frau überzeugen, wenn sie nicht um ihrer selbst Willen, sondern als Objekt der Kunst begehrt wird? Man stelle sich vor, Dante würde das zu seiner Beatrice sagen…
Ich glaube, über Ovids Amores haben sich seine Zeitgenossen köstlich amüsiert.