Autor Thema: Mai 2011: Ovid - Amores  (Gelesen 4419 mal)

Offline Gontscharow

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Antw:Ovid - Amores
« Antwort #15 am: 18. Mai 2011, 22:03 »

Der Lesefortschritt ist und bleibt eine Schnecke. Sorry, wenn es Dir nicht schnell genug geht.

Dein Lesetempo ist für mich vollkommen o.k. Nimm dir alle Zeit der Welt, denn:

Die Amores sind Gedichte, die vertragen keine Eile!

 :winken:

Offline Sir Thomas

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Antw:Ovid - Amores
« Antwort #16 am: 24. Mai 2011, 14:29 »
Hallo Gontscharow,

ich bin auch durch.

Ein knappes Fazit:
Die Lektüre war ein Genuss bezüglich der Sprache, Metaphern etc. (ich habe davon an anderer Stelle genug geschwärmt). Inhaltlich war ich mehrfach sehr überrascht, denn die vor 2.000 Jahren entworfenen Bilder der Liebe und des liebenden Mannes finde ich moderner und „fortschrittlicher“ als manchen modernen Entwurf der Literatur des 20. Jahrhunderts. Nichts ist verklemmt und spießig oder moralisch aufgeladen. Im Gegenteil: Die Liebe bei Ovid ist (mal erfrischend, dann wieder erschreckend) frei von moralischen Bedenken und Skrupeln gegenüber etwaigen Ehemännern oder Nebenbuhlern. Sie ist jedoch immer eine verehrende, die Anmut und Schönheit der Frau anbetende Liebe, die einen (nicht allzu hartnäckigen) Widerstand der Geliebten überwinden muss, um ihrer würdig zu sein.

Diese Art der Liebe endet nicht, wenn sie unerfüllt bleibt. Im Gegenteil: Das Scheitern ist fast schon ein notwendiger (und einkalkulierter) Bestandteil und dient letztlich der Aufrechterhaltung von Verehrung und Begierde.   

Die Liebe erobert nicht um jeden Preis, sondern achtet die Würde und die Freiheit der Geliebten. Zwang ist ihr fremd. Die Liebe ist ein Dienst an der Frau. „Jeder, der liebt, ist Soldat.“ (1,9) Und genau wie jeder Soldat, muss der Liebende mit Verwundung, Niederlage und Tod leben.

Die Liebe gelingt eher selten; sie ist –  so scheint mir das bittere Fazit der „Amores“ zu lauten - in vielen Fällen nahezu unerfüllbar (so unerfüllbar wie die Liebe der Frauen in Ovids „Heroides“). Zu groß sind die Hindernisse, zu stark mancher Widerstand, der überwunden werden muss; zu stark sind aber auch die persönlichen „Defizite“ des Liebhabers, der im Bett versagt oder einfach nicht an den Wachen, die vor der Tür der Geliebten Posten bezogen haben, vorbeikommt. Diese grundsätzliche Nichterfüllbarkeit der Liebeswünsche (die wohl zum Kern der römischen Elegie gehört) hinterlässt bei mir, trotz vieler Schmunzler, einen bittersüßen Nachgeschmack.       

Eigentlich sollte diese Gedichtsammlung zur Pflichtlektüre von Romanschriftstellern und Drehbuchautoren gemacht werden. Vielleicht kämen dann inspiriertere Bücher und Filme auf den Markt.

Viele Grüße

Tom