Autor Thema: Intensität der Lektüre - abnehmend?  (Gelesen 2833 mal)

Offline Dostoevskij

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #15 am: 29. Mai 2011, 09:55 »
Moin, Moin!

Es muss auch nicht immer an der Beschränktheit des Leser liegen, wenn er ein Buch nicht versteht, wenn es zu keiner produktiven Auseinandersetzung mit dem Gelesenen kommt oder wenn das Buch in der Erinnerung keine Spuren hinterlässt.

Gab es nicht mal einen Dienstleister, der Texte in Fachchinesisch übersetzte, d.h. durch Einstreuung von Fremd- und Fachwörter verkomplizierte?
Keep reading, Markus Kolbeck
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FeeVerte

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #16 am: 29. Mai 2011, 10:13 »

Gab es nicht mal einen Dienstleister, der Texte in Fachchinesisch übersetzte, d.h. durch Einstreuung von Fremd- und Fachwörter verkomplizierte?

Ich kann mir vorstellen, dass das zum normalen Leistungsspektrum von Text- und Ghostwritingagenturen gehört. Aber eigentlich sollte man das nach ein paar Jahren Studium auch selber können.

(Aber das führt jetzt etwas vom Thema des Threads weg.)

Offline thopas

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #17 am: 29. Mai 2011, 10:16 »
Bei mir habe ich das Gefühl, daß es nicht vom Alter abhängt, sondern, daß es Phasen gibt, in den die jeweilige Lektüre intensiver zu sein scheint. Für anspruchsvolle Bücher muß ich solche Phasen oder "Zeitfenster" abwarten, damit die Lektüre befriedigend ist. Erst letztens bei der Nachsommer-Leserunde habe ich festgestellt, daß gerade kein Zeitfenster für dieses Buch ist.

Ich habe schon als Jugendliche manche Bücher sehr intensiv erlebt (Stephen Kings ES fällt mir da ein) und andere nur oberflächlich gelesen, obwohl sie mir eigentlich gut gefallen haben. Vermutlich lag es auch hier schon am rechten Buch zur rechten Zeit.

Was mir allerdings auffällt, was sich mit den Jahren verschlechtert hat: die Konzentrationsfähigkeit. Ich meine damit nicht, daß ich zerstreut geworden bin (bin auch noch nicht ganz 40), aber während Schul- und Unizeit gab es wesentlich weniger nervige Ablenkung durch Alltag und v.a. Beruf. Ähnlich wie Dostoevskij verbringe ich dann viel Zeit im Internet, die ich eigentlich lieber fürs Lesen verwenden würde; anders als bei Dostoevskij ist es aber bei mir nicht das Internet, das mich ablenkt, sondern ich selbst lenke mich durch das Surfen im Internet ab, weil mir einfach zu viel "Mist" im Kopf herumschwirrt, sodaß ich mich nicht mehr aufs Lesen konzentrieren kann. Allenfalls Unterhaltungsromane gehen dann noch.

Ich habe auch gerade eine längere Klassikerpause hinter mir und habe vor kurzem zu Dickens' Bleak House gegriffen. Ein Roman, der seit über zehn Jahren bei mir im Regal steht, aber erst jetzt hatte ich das Gefühl, daß die richtige Zeit dafür gekommen ist. Und momentan habe ich richtige Lust, in Dickens' Welt abzutauchen...

Viele Grüße
thopas

Offline JMaria

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #18 am: 29. Mai 2011, 10:23 »
Hallo,

mit 16 träumte ich noch von Mr Rochester. DAS passiert mir als Ü40 nicht mehr  :breitgrins:
dennoch erlebe ich heute wieder ein intensives Lesen. Da mag auch der Zeitfaktor mit hineinspielen, denn ich habe das Glück, dass ich mich seit ca. einer Dekade und beruflicher Veränderung wieder intensiver mit Klassiker auseinandersetzen kann.

Grüße,
Maria
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Offline Jaqui

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #19 am: 29. Mai 2011, 23:51 »
mit 16 träumte ich noch von Mr Rochester. DAS passiert mir als Ü40 nicht mehr  :breitgrins:

Nachvollziehbar, obwohl Mr. Rochester echt was hat.  :breitgrins:

Katrin

Offline Hubert

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #20 am: 18. Juni 2011, 23:36 »
Nimmt die Intensität der Lektüre mit zunehmendem Alter ab?

Wie geht euch das? Habt ihr auch mit 40, 50, 60 Lektüreoffenbarungen,

Hallo Christian,

wie es mir mit 60 geht, kann ich Dir noch nicht sagen, so alt bin ich ja noch nicht.

Ob die Intensität der Lektüre mit zunehmendem Alter abnimmt? – Nein bei mir nimmt sie zu! Mir geht es ähnlich wie Jaqui, obwohl ich so jung auch wieder nicht bin. Zwei Gründe fallen mir spontan ein, warum ich heute intensiver lese als früher:

1.)   Ich lese nicht mehr so viel.
2.)   Ich wähle meine Lektüre sorgfältiger aus. 

Offline xenophanes

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #21 am: 11. Juli 2011, 15:32 »
Hallo!

Meine Erfahrung ist, dass ich mit zunehmenden Alter anders lese. In meiner Jugend- und Studentenzeit las ich sehr in die Breite, da überwog oft die Entdeckungslust auf Neues. Ich las deshalb auch verhältnismäßig schnell. Als ich mich dann ganz passabel durch den Kanon gelesen hatte (so im Alter von 30), kam ich zunehmend zur Erkenntnis, dass weniger oft mehr ist. Das heißt, ich lese weniger Bücher, die dafür aber langsamer und genauer als früher. In den letzten Jahren las ich viele meiner Lieblingsbücher zum wiederholten Male.

CK

Offline Lauterbach

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #22 am: 19. Juli 2011, 16:46 »
Hallo,
mir geht es so ähnlich wie Xenophanes, ich habe früher ziemlich kreuz und quer gelesen, da waren dann auch eine Menge
Bücher drunter, die ich heute vermutlich nicht mehr lesen würde.
Heute wähle ich meine Lektüre sorgfältiger aus, sodaß immer seltener irgendwelche Durchhänger
dabei sind.
Was aber nichts gegen die Leseintesität sagt, die hat im Gegenteil eher zugenommen, obwohl ich erheblich weniger lese.

Gruß, Lauterbach

Offline Isadora

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #23 am: 14. November 2011, 01:30 »
Ich kann vielleicht noch nicht wirklich mitreden, ich bin erst 24... Trotzdem hab ich schon ein paar Sachen in meinem Leben gelesen, obwohl ich nie eine war, die wirklich jede Woche einen Klassiker verschlungen hat - im Gegenteil, viele Klassiker wurden (und werden) mir sozusagen aufgezwungen, durch Schule oder Studium und manchmal ist auch einer dabei, den ich wirklich zu schätzen weiß. Ich kann nicht behaupten, dass die Intensität meiner Lektüre abgenommen hat, eher das Gegenteil ist der Fall, ich merke, dass mich manche Dinge einfach auch mehr mitnehmen als sie das vielleicht früher getan hätten. Ich meide daher oft Bücher von denen ich weiß, dass sie sich rein auf tragische Einzelschicksale konzentrieren oder von denen ich weiß, dass sie einen total "runterziehen" (letztes Beispiel für so ein abgebrochenes Werk war Ernst Toller: Hinkemann) In dieser Hinsicht bin ich also auf eine völlig unintellektuelle Weise selektiver geworden.

Wieso das so ist? Keine Ahnung, vielleicht die Sensibilität des "Alters"...  :breitgrins:

Ich muss aber zugeben, dass ich generell eine sehr intensive Leserin bin, dh. ich leb doch so richtig mit, wenn das Buch ansprechend geschrieben ist. Mir fehlt da vielleicht die gesunde Distanz zum Leseerlebnis, aber ich bin euphorisch, wenn es im Buch gerade gut läuft, ich bin völlig niedergeschmettert, wenn die Geschichte eine tragische Wendung nimmt und manchmal ärgere ich mich mit Leidenschaft über die Charaktere. *g* Ich denke mal wer so intensiv liest, der ist dann automatisch vorsichtiger bei der Auswahl.

Diese Intensität ist bei einer Re-Lektüre nicht ganz so ausgeprägt wie beim ersten Mal, aber durchaus da. Ob mein Leseerlebnis beim wiederholten Mal anders war, kann ich also immer erst hinterher beurteilen und nicht schon währenddessen.

Brauche ich das Buch für die Uni oder so, lese ich zT auch anders, dh. viel weniger emotional, sondern analytischer (und dadurch auch distanzierter).

Ach ja, was sich bezüglich Auswahl der Lektüre verändert hat, das ist, dass ich meine "Arroganz" gegenüber Trivialliteratur ziemlich abgelegt habe. Mir fehlt sicher mittlerweile der jugendliche Idealismus besonder wertvolle Bücher lesen zu wollen, stattdessen bin ich praktisch als Leserin "selbstbewusst" genug um mir durchaus auch bedenklichen Schmarrn zwischendurch reinzuziehen. Ich werde also zunehmend ungeniert.  :breitgrins:
... this is nat language at any sinse of the world.

Offline Steffi

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Antw:Intensität der Lektüre - abnehmend?
« Antwort #24 am: 14. November 2011, 10:07 »
Prinzipiell ist es so, daß es verschiedene "Lesekonstruktionen" gibt. Die kindliche des narkotischen, verschlingenden Lesens wird mit dem "literarischen Erwachsenwerden" aufgegeben, verdrängt oder verloren. Die erwachsene, ästhetische Literaturkonstruktion ist nur bedingt in der Lage, dieses flow-erzeugende Leseglück aus Kindheit und Jugend zu reproduzieren. Warum das so ist, müßtet ihr in dem Buch nachlesen... ;-)

Interessant - daher wechsle ich also gerne mal von den Klassikern zu Fantasy oder historischen Romanen, um mich narkotisieren zu lassen  :breitgrins:

Es stimmt schon, früher war mir die Handlung und die Aussage des Textes am wichtigsten, heute lege ich mehr Wert auf Atmosphäre, Stil und auf Autoren, die etwas Neues wagen und unverwechselbar sind. Aber allgemein gesehen scheint sich bei mit bisher nicht viel geändert zu haben - schwärmen kann ich nach wie vor von einem Buch !
Gruß von Steffi