Ich kann vielleicht noch nicht wirklich mitreden, ich bin erst 24... Trotzdem hab ich schon ein paar Sachen in meinem Leben gelesen, obwohl ich nie eine war, die wirklich jede Woche einen Klassiker verschlungen hat - im Gegenteil, viele Klassiker wurden (und werden) mir sozusagen aufgezwungen, durch Schule oder Studium und manchmal ist auch einer dabei, den ich wirklich zu schätzen weiß. Ich kann nicht behaupten, dass die Intensität meiner Lektüre abgenommen hat, eher das Gegenteil ist der Fall, ich merke, dass mich manche Dinge einfach auch mehr mitnehmen als sie das vielleicht früher getan hätten. Ich meide daher oft Bücher von denen ich weiß, dass sie sich rein auf tragische Einzelschicksale konzentrieren oder von denen ich weiß, dass sie einen total "runterziehen" (letztes Beispiel für so ein abgebrochenes Werk war
Ernst Toller: Hinkemann) In dieser Hinsicht bin ich also auf eine völlig unintellektuelle Weise selektiver geworden.
Wieso das so ist? Keine Ahnung, vielleicht die Sensibilität des "Alters"...

Ich muss aber zugeben, dass ich generell eine sehr intensive Leserin bin, dh. ich leb doch so richtig mit, wenn das Buch ansprechend geschrieben ist. Mir fehlt da vielleicht die gesunde Distanz zum Leseerlebnis, aber ich bin euphorisch, wenn es im Buch gerade gut läuft, ich bin völlig niedergeschmettert, wenn die Geschichte eine tragische Wendung nimmt und manchmal ärgere ich mich mit Leidenschaft über die Charaktere. *g* Ich denke mal wer so intensiv liest, der ist dann automatisch vorsichtiger bei der Auswahl.
Diese Intensität ist bei einer Re-Lektüre nicht ganz so ausgeprägt wie beim ersten Mal, aber durchaus da. Ob mein Leseerlebnis beim wiederholten Mal anders war, kann ich also immer erst hinterher beurteilen und nicht schon währenddessen.
Brauche ich das Buch für die Uni oder so, lese ich zT auch anders, dh. viel weniger emotional, sondern analytischer (und dadurch auch distanzierter).
Ach ja, was sich bezüglich Auswahl der Lektüre verändert hat, das ist, dass ich meine "Arroganz" gegenüber Trivialliteratur ziemlich abgelegt habe. Mir fehlt sicher mittlerweile der jugendliche Idealismus besonder wertvolle Bücher lesen zu wollen, stattdessen bin ich praktisch als Leserin "selbstbewusst" genug um mir durchaus auch bedenklichen Schmarrn zwischendurch reinzuziehen. Ich werde also zunehmend ungeniert.
