Autor Thema: Literatursendung: Dr. Book  (Gelesen 3001 mal)

Offline sandhofer

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Antw:Literatursendung: Dr. Book
« Antwort #15 am: 26. Juni 2011, 09:46 »
Ich hab die Sendung inzwischen auch angesehen - das Drumherum fand ich z.T. etwas befremdlich. Aber inhaltlich fand ich sie, für die Kürze der Zeit, gelungen.

Ja. Vor allem Felicitas von Lovenberg wirkt doch recht bizarr im Ganzen. Ich kannte sie gar nicht vorher (was zeigt, wie oft und gern ich Literatursendungen im Fernsehen anschaue - nämlich gar nicht) und musste sie googeln. Erinnert mich in Aussehen und Diktion an jene Möchte-Gern-Doktorandin, die in Deutschland unlängst enttarnt worden ist ...

Ich dachte zuerst, dass von Lovenberg ein Neuling im TV ist und hätte ihr deswegen solche Sätze verziehen. Da sie aber eine alte TV-Häsin zu sein scheint, und ihr Text wohl sorgfältig aufgezeichnet wurde, finde ich Konstrukionen wie "[...] wo man auf die Hormone und das Gefühl gehorcht [...]" doch recht ... hm ... dilettantisch. Und Fr. Rohling als Nachfahrin der Austen ... hm ... Selbst wenn Fr. Rohling eine gute Autorin wäre (was ich persönlich nicht glaube), dann ist die Serie um Potters Harry von Inhalt, Zielpublikum und Anlage her etwas ganz anderes. Das einzig Gemeinsame ist wohl der ökonomische Erfolg ihrer Bücher. Aber da könnte man geradesogut Hera Lindt zur Nachfahrin von Austen deklarieren. (Aber über die Chick-Lit zieht Fr. von Lovenberg ja dann wieder her ...) Nein, eine Nachfahrin der Austen wäre wohl im 20. Jahrhundert die Woolf. Etwas später dann die Bachmann. Heute? Heute sehe ich niemand ...
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Lost

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Antw:Literatursendung: Dr. Book
« Antwort #16 am: 26. Juni 2011, 11:18 »
. Und Fr. Rohling als Nachfahrin der Austen ... hm ... Selbst wenn Fr. Rohling eine gute Autorin wäre (was ich persönlich nicht glaube), dann ist die Serie um Potters Harry von Inhalt, Zielpublikum und Anlage her etwas ganz anderes.

An H. Potter dachte ich schnell, als ich die ersten Szenen des Dreiteilers in Arte sah. Die, schon faschistoide zu nennende, Charakterisierung  der Familie von Ms. Dashwoods Sohn, über die betonte Darstellung ihres unhübschen Kinds, hatte die gleiche Form, wie die Eingangsszenen der Romane Rowlands (wenigstens des ersten, den ich gelesen habe). Im Roman, ich höre zur Zeit die Lesung gesprochen von Eva Mattes, ist das wesentlich differenzierter geschildert.

Lowenberg erlebte ich ein Mal bei einer Veranstaltung mit Herta Müller, wo sie etwas das gleiche Niveau zeigte, wie bei Dr. Book. 

Offline finsbury

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« Antwort #17 am: 26. Juni 2011, 19:54 »
Mir hat die Sendung überhaupt nicht gefallen, und ich muss sandhofer Recht geben, wenn er sagt, dass Jane Austen keine Frauenliteratur ist: Natürlich geht es um den weiblichen Lebenskreis der damaligen Zeit, das war ja wohl auch kaum anders möglich: Aber Austens Romane sind große Gesellschaftsromane, mit der feingeschliffensten Ironie, die ich kenne und die selbst in Übersetzungen noch herauskommt. Im Deutschen würde ihr am ehesten Jean Paul entsprechen.
Die Sendung hat AUsten in eine Ecke gerückt, nach dem Prinzip gehobene Chicklit für Frauen und Männer wissen dann endlich, wie Frauen ticken. Puuuh!
Die ganze Aufmachung war auch so hölzern und primitiv und die Expertin hatte tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten in der AUsstrahlung mit Frau EU_FDP.

finsbury

PS: DIe TV-Verfilmung fand ich übrigens auch nicht sehr gelungen: Sie war eine bis in Einzelheiten ausgewalzte schlechte Kopie der Version mit Emma Thompson, aber noch weniger satirisch.

 
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Offline klassikfreund

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« Antwort #18 am: 27. Juni 2011, 09:31 »
Ich hab die Sendung inzwischen auch angesehen - das Drumherum fand ich z.T. etwas befremdlich. Aber inhaltlich fand ich sie, für die Kürze der Zeit, gelungen.

Ja. Vor allem Felicitas von Lovenberg wirkt doch recht bizarr im Ganzen. Ich kannte sie gar nicht vorher (was zeigt, wie oft und gern ich Literatursendungen im Fernsehen anschaue - nämlich gar nicht) und musste sie googeln. Erinnert mich in Aussehen und Diktion an jene Möchte-Gern-Doktorandin, die in Deutschland unlängst enttarnt worden ist ...


So was finde ich reichlich unverschämt, manche Männer scheinen Probleme mit gutaussehenden Frauen zu haben (aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten)  :breitgrins: Frau von Lovenberg ist übrigens auch Kritikerin bei der FAZ und was ich dort lese, halte ich für fundiert.

Gruß, Thomas

Offline mombour

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« Antwort #19 am: 27. Juni 2011, 18:47 »
Frau von Lovenberg ist übrigens auch Kritikerin bei der FAZ und was ich dort lese, halte ich für fundiert.

Gruß, Thomas

Sie moderiert auch "Literatur im Foyer",swr, 3sat. - abwechselnd mit der überaus  sympathischen Thea Dorn. Bin quasi ein Fan, gute Literaturendung.

Offline sandhofer

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« Antwort #20 am: 27. Juni 2011, 20:37 »
So was finde ich reichlich unverschämt, manche Männer scheinen Probleme mit gutaussehenden Frauen zu haben

Wenn ich frech sein wollte, würde ich sagen, ich habe kein Problem mit gutaussehenden Frauen. Aber - auch wenn mich ihr Aussehen und ihre Diktion fatal an jene fdp-Doktorandin erinnert hat, so ist es nicht nur das: Es ist auch das relativ Nichtssagende, Unverbindliche ihrer Antworten. Sie hat, wenn ich recht gesehen habe, wohl mal ein Buch über Jane Austen veröffentlicht und gilt offenbar nun als Spezialistin.
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Offline JMaria

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« Antwort #21 am: 28. Juni 2011, 14:38 »
  Nein, eine Nachfahrin der Austen wäre wohl im 20. Jahrhundert die Woolf. Etwas später dann die Bachmann. Heute? Heute sehe ich niemand ...

Hallo Sandhofer,

könntest du mir das näher erklären?
ich könnte mir zwischen Austen und Woolf deren neuen wegweisenden Erzählstil vorstellen .... (?) .... sonst noch ?
leider kenne ich nichts von Ingeborg Bachmann  :redface:

somit wäre ich an einer näheren Erläuterung sehr interessiert.

Grüße von
Maria
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Offline sandhofer

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« Antwort #22 am: 28. Juni 2011, 16:07 »
Bei allen dreien ein zwar wesentlicher aber nicht exklusiver Part ihrer Literatur ist die Auseinandersetzung mit der conditio feminina.

Wobei mir jetzt noch der Name Christa Wolf durchs Hirn schwirrt. Aber ich schätze diese Autorin weniger hoch als die andern drei. Immerhin wäre das eher ein Name gewesen, den ich von Fr. von Lovenberg erwartet hätte.
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Offline JMaria

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« Antwort #23 am: 29. Juni 2011, 15:24 »
Bei allen dreien ein zwar wesentlicher aber nicht exklusiver Part ihrer Literatur ist die Auseinandersetzung mit der conditio feminina.

Wobei mir jetzt noch der Name Christa Wolf durchs Hirn schwirrt. Aber ich schätze diese Autorin weniger hoch als die andern drei. Immerhin wäre das eher ein Name gewesen, den ich von Fr. von Lovenberg erwartet hätte.


danke dir. Das leuchtet mir ein. :-)
ein schöner Begriff, den du benutzt hast ... conditio feminina. Drückt sehr viel mehr aus als das heutige so beliebte Wort "Frauenliteratur", das bei manchen Kritiker und Buchbesprechungen gerne als ein Totschlagargument benutzt wird. Bemerke ich öfters in der Sendung von Iris Radisch.


Gruß,
Maria
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Offline sandhofer

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« Antwort #24 am: 29. Juni 2011, 16:45 »
ein schöner Begriff, den du benutzt hast ... conditio feminina. Drückt sehr viel mehr aus als das heutige so beliebte Wort "Frauenliteratur", das bei manchen Kritiker und Buchbesprechungen gerne als ein Totschlagargument benutzt wird.

"Frauenliteratur"? Ist das nun ChickLit oder feministische Schreibe? - - - So oder so: Die drei von mir genannten Autorinnen rechne ich weder ins eine noch ins andere Lager. Im Gegensatz zu einer Simone de Beauvoir, die ich definitiv ins andere Lager rechne.
 
Iris Radisch

Wenn ich jetzt was über diese Dame sage, heisst es dann noch, ich hätte auch Probleme mit nicht-gutaussehenden Kritikerinnen. (Nur um es klar zu stellen: Ich mag auch Dennis Scheck nicht. MRR hatte hohen Unterhaltungswert; seine Urteile könnte ich nur selten unterschreiben. Karasek ist nicht dumm, aber ist er ein guter Kritiker?)
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Offline JMaria

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« Antwort #25 am: 29. Juni 2011, 18:12 »
ein schöner Begriff, den du benutzt hast ... conditio feminina. Drückt sehr viel mehr aus als das heutige so beliebte Wort "Frauenliteratur", das bei manchen Kritiker und Buchbesprechungen gerne als ein Totschlagargument benutzt wird.

"Frauenliteratur"? Ist das nun ChickLit oder feministische Schreibe? - - - So oder so: Die drei von mir genannten Autorinnen rechne ich weder ins eine noch ins andere Lager. Im Gegensatz zu einer Simone de Beauvoir, die ich definitiv ins andere Lager rechne.
 
 


"Frauenliteratur" ist doch nur ein Schlagwort um die Verkaufszahlen zu steigern. Der Begriff ist bei uns viel zu verwaschen.
er wird erst interessant, wenn es um ein neues weibliches Bewusstseins geht oder dem Wandel der Frau in der Gesellschaft, deswegen fand ich den Begriff den du verwendest sehr treffend und die Autorinnen dazu, die du genannt hast.

Grüße von
Maria
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Offline Hubert

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« Antwort #26 am: 30. Juni 2011, 23:44 »
Ja. Vor allem Felicitas von Lovenberg wirkt doch recht bizarr im Ganzen. Ich kannte sie gar nicht vorher (was zeigt, wie oft und gern ich Literatursendungen im Fernsehen anschaue - nämlich gar nicht) und musste sie googeln. Erinnert mich in Aussehen und Diktion an jene Möchte-Gern-Doktorandin, die in Deutschland unlängst enttarnt worden ist ...

Frau von Lovenberg ist übrigens auch Kritikerin bei der FAZ und was ich dort lese, halte ich für fundiert.

Hallo Thomas,
Deiner Meinung kann ich mich nur anschliessen und das ist das Einzige, was in einem Literaturforum erwähnenswert sein sollte und nicht wie sie aussieht oder wem sie ähnlich sieht.

Kleine Ergänzung: Felicitas von Lovenberg ist nicht nur Kritikerin bei der FAZ, sondern sie leitet dort seit 2008, also in der Nachfolge von Hubert Spiegel, das Ressort „Literatur und Literarisches Leben“. Bereits fünf Jahre vorher, nämlich 2003 erhielt sie den Alfred-Kerr-Preis, den wichtigsten Preis für Literaturkritik. Soviel zur Kompetenz der Frau.

Gruß

Hubert

Offline Hubert

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Literaturstar Sven Regener bei Felicitas von Lovenberg
« Antwort #27 am: 30. Juni 2011, 23:51 »
Sie moderiert auch "Literatur im Foyer",swr, 3sat. - abwechselnd mit der überaus  sympathischen Thea Dorn. Bin quasi ein Fan, gute Literaturendung.

„Literatur im Foyer“ ist die einzige Literatursendung im TV, die ich mir noch ab und zu ansehe, vor allem weil hier nicht über, sondern mit den Autoren gesprochen wird. War schon immer eine gute Literatursendung, vor allem als Martin Lüdke noch die Sendung leitete.

Heute aber wird die Sendung um 23:45 Uhr (SWR) wieder von Felicitas von Lovenberg moderiert. Gäste sind Sven Regener und M. Zschokke.
(Wiederholung am Sonntag um 10:15 Uhr auf 3sat)

Gruß

Hubert

PS: Jetzt muss ich mich aber beeilen, wenn ich die Sendung nicht verpassen will.

Offline Gontscharow

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Antw:Literatursendung: Dr. Book
« Antwort #28 am: 2. Juli 2011, 01:10 »

"Frauenliteratur"? Ist das nun ChickLit oder feministische Schreibe? - - - So oder so: Die drei von mir genannten Autorinnen rechne ich weder ins eine noch ins andere Lager. Im Gegensatz zu einer Simone de Beauvoir, die ich definitiv ins andere Lager rechne.

Also ins Lager der feministischen Schreibe?
Genausowenig wie Marx marxistisch oder Kafka kafkaesk geschrieben haben, hat Simone de Beauvoir eine " feministische Schreibe". Ihre Romane sind dem Existenzialismus verpflichtet. Ihre biographischen Schriften wie die Memoires d'une jeune fille rangée von allgemein menschlichem Interesse, übrigens überaus lesenswert! Ihr einziges feministisches Werk, LE DEUXIEME SEXE , ist ein Schlüsseltext des, nein die Initialzündung für den sog. zweiten Feminismus. Es hat die spätere " feministische Schreibe " der 60iger, 70iger Jahre vielleicht ermöglicht. Wer dieses Werk je gelesen hat, weiß aber, dass es  meilenweit von späteren feministisch angehauchten Schriften wie denen von  Betty Friedan, Kate Millet, Alice Schwarzer oder gar Judith Jannenberg entfernt ist.
Also, wir Romanisten sollten doch die Dinge säuberlich auseinanderhalten!