Autor Thema: Glück - Was sagen Dichter dazu?  (Gelesen 7760 mal)

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3860
Glück - Was sagen Dichter dazu?
« am: 9. August 2003, 09:50 »
Hallo zusammen

Ingrids Idee über das Sammeln eines Themas in der Literatur fand ich toll. ( das Böse - was sagen Dichter dazu? )

was sagen Dichter über das Glück? (Ihr dürft gern mit Texten ergänzen  :winken: )


Glück - (Hermann Hesse)



Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum glücklich sein
Und währe alles Liebste dein.

Solange du nach Verlorenem klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziele mehr, noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,

Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz - und deine Seele ruht.
--------------

Theodor Fontane - aus einem Briefwechsel
...es gibt vielerlei Glück,
und wo dem einen Disteln blühn,
da blühn dem Andern Rosen.
Das Glück besteht darin,
daß man da steht,
wo man seiner Natur nach hingehört.  

--------------

Oscar Wilde - Auszug aus "Die Nachtigall und die Rose"
"Keine rote Rose in meinem ganzen Garten!" rief er, und seine schönen Augen waren voll Tränen. "Ach, an was für kleinen Dingen das Glück hängt. Alles habe ich gelesen, was weise Männer geschrieben haben, alle Geheimnisse der Philosophie sind mein, und wegen einer roten Rose ist mein Leben unglücklich und elend."

--------------

Wilhelm Busch
Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.

--------------
Aktuell:

Offline Hubert

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2392
Über das Glück
« Antwort #1 am: 9. August 2003, 22:42 »
Hallo zusammen!
Hallo Maria,

Ingrids Idee über das Sammeln eines Themas in der Literatur fand ich toll

Die Idee finde ich auch gut, aber nur dann, wenn es nicht nur beim Sammeln bleibt, sondern wenn auch über das Gesammelte reflektiert wird. Auch Dichter haben ja nicht immer recht und manche lit. Zitate, Redewendungen, Sprichwörter können unreflektiert auch viel Unsinn erzeugen. Da die von Ingrid und Dir gebrachten Beispiele eigentlich alle recht gut sind (d.h. aber nicht, dass man darüber nicht reflektieren könnte), will ich meine Aussage mit zwei themenfremden Beispielen verdeutlichen:

1. „Der Klügere gibt nach“: damit hat man schon im Kindergarten versucht,. mich davon zu überzeugen, dass die Klugheit keine Chance hätte.. Ich habe aber bis heute den Kampf gegen die Dummheit nicht aufgegeben.
2.  „Wer A sagt muss auch B sagen“, ist meiner Meinung nach meistens nur der Versuch, jemanden der eine Dummheit begangen  hat, dahingehend zu erpressen, der ersten Dummheit eine zweite folgen zu lassen. Man kann aber doch auch erkennen, dass A falsch war, und deshalb B sein lassen.

Soviel zur Vorrede (mit der ich nur zeigen will, dass man alles (auch Dichterworte) hinterfragen sollte. Nun zurück zum „Glück“: Zunächst zwei weitere Aussagen von Hesse und Fontane zu diesem Thema, die zeigen, dass Dichter sich auch weiterentwickeln

Sich wegwerfen können für einen Augenblick, Jahre opfern können für das Lächeln einer Frau, das ist Glück. (Hermann Hesse)

Glücklich machen ist das höchste Glück. (Theodor Fontane)

Welche Zitate sind älter/besser/richtiger?

Dann noch zwei Zitate, die mir auch gut gefallen:

Sich glücklich fühlen zu können, auch ohne Glück – das ist Glück. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Das Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt. (Albert Schweitzer)

Schön, wenn Ihr noch weitere Zitate zu diesem Thema postet, aber noch schöner, wenn Ihr über das bereits gesammelte nachdenkt und eure Gedanken postet.
   
Und zum Schluss noch eine Quizfrage. Von wem stammt das folgende, wahrscheinlich jedem bekannte Zitat:

Glücklich allein ist die Seele, die liebt.

Liebe Grüße

Hubert

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3860
Glück - Was sagen Dichter dazu?
« Antwort #2 am: 9. August 2003, 22:48 »
Hallo Hubert

da wir gerade zur selben Zeit im Forum sind, mal nur grundsätzlich, wie ich das sehe.

Hinterfragen - schön und gut. Wer sich gedrängt fühlt - ok. Es gibt aber auch die Möglichkeit aus dem Gesammelten, das heraus zufiltern, was einem persönlich anspricht, zutrifft oder auch hilft (sollte gerade ein Bedürfnis vorhanden sein)

Die Frage was älter oder besser ist, stellt sich mir dann nicht.

...und nun werde ich mir deine Reflektionen näher betrachten, falls die Hitze mich nicht dahin schmelzen läßt  :winken:

Viele Grüße
Maria
Aktuell:

Offline Hubert

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2392
Nur Lesen?
« Antwort #3 am: 9. August 2003, 22:59 »
Hallo Maria,

selbstverständlich will ich niemand nötigen, etwas zu reflektieren, wenn ihr/ihm das Lesen reicht. Aber da Du hier ein Problem ausgemacht hast, will ich auch meine Meinung äußern:

 Es genügt nicht wahllos zu lesen, wenn man nicht das Gelesene reflektiert, wie z.B. auch Beispiele aus der Literatur zeigen (Don Quijotte, Madame Bovary) kann Lesen dann mehr schaden als nützen!

Liebe Grüße

Hubert

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3860
Glück - Was sagen Dichter dazu?
« Antwort #4 am: 9. August 2003, 23:25 »
Hallo Hubert

"alles hat seine Zeit", wie es schon die Bibel sagt und jeder hat seine eigene Vorgehensweise.

Jedoch glaube ich, daß wir hier im Forum gefestigt genug sind auch Romane die die Fantasie anregen oder auch nur zur Entspannung dienen,  lesen zu können - ohne gleich die Realität zu verlieren, wenn du schon Don Quichote und Madame Bovary ansprichst. Von mir behaupte ich das jetzt mal.  

ich bringe keinen um - wenn ich Krimis lese.
ich gehe nicht fremd - wenn ich einen Liebesroman lese.
ich baue mir keine fantastischen Dinge - um Sci Fi Abenteuer zu erleben.
ich sehe mich nicht als Zauberin - wenn ich Fantasy lese.
ich kaufe mir kein Pferd - wenn ich einen Abenteuerroman lese.

und und und  

Ich genieße jede Leserunde im Forum - aber
wenn du schreibst:
Es genügt nicht wahllos zu lesen, wenn man nicht das Gelesene reflektiert, wie z.B. auch Beispiele aus der Literatur zeigen (Don Quijotte, Madame Bovary) kann Lesen dann mehr schaden als nützen!

akzeptiere ich das als deine Meinung, aber nicht als Grundsatz mit einem Ausrufezeichen am Ende.

zurück zu den Gedichten/Zitaten/Aussprüchen: Wer reflektieren möchte - ok.  :sonne:
Viele Grüße
Maria
Aktuell:

Offline Hubert

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2392
Recht auf eigene Interpunktion
« Antwort #5 am: 9. August 2003, 23:38 »
Hallo Maria,

nur falls Du das überlesen hast: ich hatte meine Aussage mit der Bemerkung eingeleitet, dass dies meine persönliche Meinung ist und selbstverständlich kann jeder seine eigene, abweichende Meinung haben. Aber, auch in Zukunft werde ich mir erlauben, meine Meinung mit einem Ausrufungszeichen zu versehen, wenn ich das für nötig halte.

PS: Ich habe auch nie behauptet, dass Du unreflektiert liest! Wozu also Deine ausführliche Verteidigung.

Gruß und Gute Nacht

Hubert

Offline JMaria

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 3860
weitere Glück-Momente
« Antwort #6 am: 10. August 2003, 22:55 »
Das Glück, das gestern mich geküsst, ist heute schon zerronnen. Heinrich Heine.

Es gibt kein unbedingtes und ungetrübtes Glück, das länger als fünf Minuten dauert. Theodor Fontane.

Einen Regenbogen, der eine Viertelstunde steht, sieht man nicht mehr an. Goethe

ja, manchmal ist das Glück sehr kurz.

viele Grüße
Maria
Aktuell:

Offline Ingrid

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 171
Glück - Was sagen Dichter dazu?
« Antwort #7 am: 11. August 2003, 08:02 »
Hallo Maria,  hallo Hubert,

@Maria: Eine schöne Idee,  Aussagen über das Glück als Gegenstück zu Aussagen über das Böse zu setzen.

@Hubert: Ich liebe Quizfragen!! Hier meine Antwort:

Zitat
Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein,
langen und bangen in schwebender Pein,
himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - glücklich allein ist die Seele, die liebt.

Goethe
 Wenn ich heute noch ein bißchen Zeit finde, werde ich noch ein paar "Glücksgedichte" oder "Glückszitate" einfügen. Vielleicht kommt ja eine richtige kleine Sammlung hinzu!

Liebe Grüße und eine schöne Woche euch beiden
 :winken:
Ingrid
Ich träume, also bin ich...

Offline Ingrid

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 171
Glück - Was sagen Dichter dazu?
« Antwort #8 am: 11. August 2003, 13:53 »
Weil ich finde, dass es so eine schöne Idee ist, die Gedanken von Schriftstellern zum Thema "Glück" zu lesen, hier einige, die ich gefunden habe:  

Francoise Sagan
"Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens, was Glück war"

Berthold Brecht ("Dreigroschenoper)

Ja, renn nur nach dem Glück
doch renne nicht zu sehr
denn alle rennen nach dem Glück
das Glück rennt hinterher

Und noch eines von Hermann Hesse:

"Glück ist Liebe. Wer lieben kann, ist glücklich"

Und noch zum Schluss ein etwas anderes "Glücksgedicht" von Erich Fried:

Aufhebung

Sein Unglück
ausatmen können

tief ausatmen
so daß man wieder
einatmen kann

Und vielleicht auch sein Unglück
sagen können
in Worten
in wirklichen Worten
die zusammenhängen
und Sinn haben
und die man selbst noch
verstehen kann
und die vielleicht sogar
irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte

Und weinen können

Das wäre schon fast wieder
Glück

 :schmetterling:  :schmetterling:  :schmetterling:
Ingrid
Ich träume, also bin ich...

Offline Hubert

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2392
Der Weg zum Glück
« Antwort #9 am: 20. September 2003, 23:33 »
Es gibt keinen Weg zum Glück,
glücklich sein ist der Weg.

( Buddha )

 :schmetterling:  :blume:

Offline Hubert

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2392
glücklich und gut?
« Antwort #10 am: 21. September 2003, 17:22 »
Wenn wir glücklich sind, sind wir immer gut,
aber wenn wir gut sind, sind wir nicht immer glücklich.

(Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray)


 :schmetterling:  :schmetterling:  :schmetterling:

hafis50

  • Gast
Glück - Was sagen Dichter dazu?
« Antwort #11 am: 22. September 2003, 13:41 »
"So gewiß ist der allein glücklich und groß, der weder zu herrschen noch zu gehorchen braucht, um etwas zu sein."
goethe, götz

Offline Hubert

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2392
Aus Lichtenbergs Sudelbüchern
« Antwort #12 am: 22. September 2003, 21:56 »
Wie glücklich würde mancher leben,
wenn er sich um anderer Leute Sachen
so wenig bekümmerte als um seine eigenen.

G.C.Lichtenberg

 :schmetterling:  :schmetterling:  :schmetterling:

Offline Hubert

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2392
Tolstoi in Glück und Unglück
« Antwort #13 am: 23. September 2003, 20:20 »
Es ist traurig zu erkennen,
dass ich das Glück ebenso
wenig zu ertragen verstand
als das Unglück.

(Tolstoi, Tagebücher 1854)

 :schmetterling:  :schmetterling:  :schmetterling:

Offline Hubert

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 2392
Schnitzlers Bedenken
« Antwort #14 am: 24. September 2003, 21:21 »
Schlimmer betrogen,
wer aus Angst vor Enttäuschung
immer wieder sein Glück versäumte,
als wer jede Möglichkeit
eines Glücks ergriff,
selbst auf die Gefahr hin,
es könnte wieder
nicht das wahre gewesen sein.

(Arthur Schnitzler, Buch der Sprüche und Bedenken)

 :schmetterling:  :schmetterling:  :schmetterling: :schmetterling:  :schmetterling:  :schmetterling:  :schmetterling: :schmetterling: