Autor Thema: Scholem Alejchem: "Tewje, der Milchmann".  (Gelesen 2691 mal)

Offline finsbury

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Antw:Tewje der Milchmann, 5. Kapitel: Chawe
« Antwort #15 am: 17. Juli 2011, 10:42 »
die Begegnunt mit seiner Tochter im Wald, als Chawe versucht seinen Wagen anzuhalten, Tewje aber dem Pferd die Peitsche gibt, ist die real oder findet die nur in seinen Gedanken statt?

ich habe diese Begegnung als real wahrgenommen.

Ist das aber nicht seltsam, dass Tewje der ja ohne Zweifel auf seinem Wagen eingeschlafen war, jetzt seine Tochter sieht, in gleicher Kleidung als er sie zuletzt gesehen hat und wie kommt diese allein in den Wald und zufällig zu der Zeit als Tewje da entlang fährt?

Da hast du sicherlich Recht, auch das Auftauchen Chawes erst zur Rechten, dann zur Linken des Wagens spricht dafür. Der Autor gestaltet aber die Erzählsituation so, als schilderte Tewje diese Scholem Alejchem als wirklich passiert :
Glaubt ihr vielleicht, ich selbst hatte keine Lust, den Kopf zu wenden und einen Blick, einen einzigen dorthin zu werfen, wo sie gestanden hatte?
Später erzählt er auch, dass er niemandem etwas von der Begegnung erzählt hätte.
Vielleicht will der Autor diese Stelle aber auch absichtlich zwischen Fantasie und Wirklichkeit oszillieren lassen, um Tewjes seelische Anspannung zu untermalen.

Nun zu zeitgeschichtlichen Fragen:
Du berichtest oben von dem Pogrom von Kischinau von 1904. Der Roman erschien aber schon 1894, zumindest die ersten sieben Kapitel, in denen bereits auf Pogrome Bezug genommen wird. Ich habe jetzt nochmal im Wiki nachgelesen, da steht, dass es auch zwischen 1881 und 1884 Pogrome gab, unter anderem
in Jekaterinoslaw, das auch im 6. Kapitel erwähnt wird. Allerdings Kischinau, Odessa und Rostow nicht, die auch dort aufgezählt werden.
Außerdem wird im Wiki berichtet:
Zitat von:  wikipedia: Geschichte der Juden in Russland
Aufgrund dieser Ergebnisse wurden im Mai 1882 die Zeitweiligen Gesetze erlassen, welche den Juden verboten, sich außerhalb von Städten und Kleinstädten niederzulassen (siehe Maigesetze (Russland)).
Das widerspricht ja nun wieder genau dem, was wir über das Aufenthaltsverbot von Juden in Kiew erfahren haben. ??
Leider hat meine Ausgabe keinerlei Anmerkungen außer einem kleinen Verzeichnis jiddischer Wörter. Steht in deinen Anmerkungen irgendwo, auf welchen realen Zeitraum sich die Handlung bezieht? Dann könnte man genauer nachsuchen, auf welche Dinge sich Tewje genau bezieht.


finsbury
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Offline finsbury

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Antw:Scholem Alejchem: "Tewje, der Milchmann".
« Antwort #16 am: 17. Juli 2011, 11:01 »
Hallo,

muss mich kurz korrigieren: ich habe doch Anmerkungen, da ich ja die gleiche Insel-Großschriftausgabe lese wie du.
Jetzt habe ich die Stelle mit der Anmerkung zu Kiew auch nochmal gelesen und diese bringt ja die Erklärung, warum die reichen Juden doch in Kiew wohnten:
Zitat von:  Anmerkung S. 29 _Inseltaschenbuch
Jehupez (Kiew) liegt außerhalb des 'Ansiedlungsgebietes für Juden'. Der Aufenthalt in dieser Stadt war wohl praktisch möglich, aber mit großen Schiweirgkeiten und Kosten verbunden.
Damit ist klar, dass sich die reichen Juden mit guten wirtschaftlichen und politischen Kontakten wohl doch in Kiew ansiedeln konnten.

finsbury
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Offline Hubert

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Antw:Scholem Alejchem: "Tewje, der Milchmann".
« Antwort #17 am: 18. Juli 2011, 02:05 »
Da hast du sicherlich Recht, auch das Auftauchen Chawes erst zur Rechten, dann zur Linken des Wagens spricht dafür. Der Autor gestaltet aber die Erzählsituation so, als schilderte Tewje diese Scholem Alejchem als wirklich passiert :

Diese Stelle hat mich eigentlich auf die Idee gebracht, dass das nicht real sein kann. Dass Tewje das als real schildert kommt imo daher, dass er nicht zwischen Tagtraum und Wirklichkeit unterscheiden kann: für ihn war das Wirklichkeit, so sehr wünschte er sich, dass seine Tochter ihn um Vergebung bittet er aber nicht vergibt, diesen Gefallen tut sie ihm aber nicht.  .

Du berichtest oben von dem Pogrom von Kischinau von 1904. Der Roman erschien aber schon 1894, zumindest die ersten sieben Kapitel, in denen bereits auf Pogrome Bezug genommen wird.

Laut wikipedia wurden die acht Episoden zwischen 1894 und 1916 geschrieben. Von einem Erscheinen 1894 ist mir nichts gekannt. Wo hast Du das her? Sicher ist, dass das achte Kapitel 1916 geschrieben wurde, das heißt aber nicht, dass die ersten sieben Kapitel 1894 geschrieben wurden. Ich bin z.B. davon überzeugt, dass wenn das sechste Kapitel damit beginnt, dass sich Tewje und Reb Scholem Alejchem seit einem Schock Jahre nicht gesehen haben, auch zwischen dem Schreiben des fünften und des sechsten Kapitels ein Schock Jahre lag.   

Zitat von:  Anmerkung S. 29 _Inseltaschenbuch
Jehupez (Kiew) liegt außerhalb des 'Ansiedlungsgebietes für Juden'. Der Aufenthalt in dieser Stadt war wohl praktisch möglich, aber mit großen Schiweirgkeiten und Kosten verbunden.
Damit ist klar, dass sich die reichen Juden mit guten wirtschaftlichen und politischen Kontakten wohl doch in Kiew ansiedeln konnten.

Ich habe das so verstanden, dass man als Jude sich höchstens illegal in Kiew aufhalten konnte, was natürlich mit hohen Kosten verbunden war, weil von Illegalen z.B. höhere Mieten verlangt wurden und nicht so, dass man sich ein Ansiedlungsrecht erkaufen konnte.

Offline finsbury

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Antw:Scholem Alejchem: "Tewje, der Milchmann".
« Antwort #18 am: 18. Juli 2011, 07:34 »

Du berichtest oben von dem Pogrom von Kischinau von 1904. Der Roman erschien aber schon 1894, zumindest die ersten sieben Kapitel, in denen bereits auf Pogrome Bezug genommen wird.

Laut wikipedia wurden die acht Episoden zwischen 1894 und 1916 geschrieben. Von einem Erscheinen 1894 ist mir nichts gekannt. Wo hast Du das her? Sicher ist, dass das achte Kapitel 1916 geschrieben wurde, das heißt aber nicht, dass die ersten sieben Kapitel 1894 geschrieben wurden. Ich bin z.B. davon überzeugt, dass wenn das sechste Kapitel damit beginnt, dass sich Tewje und Reb Scholem Alejchem seit einem Schock Jahre nicht gesehen haben, auch zwischen dem Schreiben des fünften und des sechsten Kapitels ein Schock Jahre lag.

In der Inselausgabe steht als Nachweis am Ende (Zu dieser Ausgabe):
Der Titel der Originalausgabe lautet Tewje der Milchiger, erstmals erschienen 1894. Das  nachgetragene Kapitel VIII. erschien erstmals 1914.

Da der Obertitel das Schräggedruckte ist, gehe ich davon aus, dass alle sieben vorher erschienenen Episoden
in der Ausgabe von 1894 enthalten sind. Auch im Kindler ist 1894 als Ersterschinungsdatum des "Romans"  angegeben.

Zitat von:  Hubert
Ich habe das so verstanden, dass man als Jude sich höchstens illegal in Kiew aufhalten konnte, was natürlich mit hohen Kosten verbunden war, weil von Illegalen z.B. höhere Mieten verlangt wurden und nicht so, dass man sich ein Ansiedlungsrecht erkaufen konnte.


Wie oben schon angeführt, wohnt der reiche Ehemann von Bejlke in Jehupez( Insel-Taschenausgabe S. 216 f).

Du bist jetzt in die Karthausen-Leserunde involviert. Kann ich dann zu Ende lesen oder soll ich noch ein bisschen zuwarten, damit du mit beiden Lektüren zurandekommst?

Schöne Arbeitswoche allen

finsbury
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Offline Hubert

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Antw:Scholem Alejchem: "Tewje, der Milchmann".
« Antwort #19 am: 19. Juli 2011, 00:03 »
Hallo finsbury,

vielen Dank für Deine Hinweise.

Wie oben schon angeführt, wohnt der reiche Ehemann von Bejlke in Jehupez( Insel-Taschenausgabe S. 216 f).

So weit war ich noch nicht, also dann wäre das klar: Jehupez gehörte zwar nicht zum Ansiedlungsgebiet der Juden, aber für Leute mit Geld war (wie immer?) alles möglich.

Auch den Erscheinungstermin 1894 habe ich inzwischen gefunden. Bei Wikipedia heißt es, allerdings zu Anatevka: „Die Geschichte spielt im Russischen Reich, im ukrainischen Dörfchen Anatevka, in der vorrevolutionären Zeit um 1905.“ Und auch auf der folgenden Seite, hier zum Roman, heißt es: „Die Handlung des Romans spielt um das Jahr1905 , kurz vor der Russischen Revolution, in den kleinen Dörfern Masepowka, Jehupez, Bojberik und Anatevka.“
http://www.judentum-projekt.de/persoenlichkeiten/liter/alejchem/index.html

Ich sehe da drei Möglichkeiten: entweder in der Ausgabe von 1894 waren noch nicht sieben Kapitel enthalten oder (für mich das wahrscheinlichste) die ersten sieben Kapitel wurden im Zusammenhang mit dem Schreiben des achten Kapitels nochmals überarbeitet (sprich: aktualisiert) oder wir haben gerade ein Buch gelesen das in der Zukunft spielt und  Scholem Alejchem hatte hellseherische Fähigkeiten und konnte schon 1894 von einem 1904 in Kischinau stattfindenden Pogrom berichten. Was meinst Du?

Auch Dir eine schöne Woche. (Ich bin jetzt im achten Kapitel und werde den Tewje fertig lesen bevor ich mit der Kartause beginne)..

Gruß

Hubert

Offline finsbury

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Antw:Scholem Alejchem: "Tewje, der Milchmann".
« Antwort #20 am: 19. Juli 2011, 17:54 »
Hallo,

immer noch glaube ich, dass es um Pogrome zu Beginn der Achtziger Jahre geht: Leider findet man im Internet keine genaue Auflistung der Orte, aber es heißt z.B.
Ab Ostern 1881 flammten in ganz Südrussland antijüdische Ausschreitungen auf, die sich bis 1882 hinzogen und sich auf die nördlichen und baltischen Teile Russlands ausdehnten.

Das erscheint mir wahrscheinlicher, als dass Scholem Alejchem noche einmal viele Kapitel überarbeitet haben sollte.
Ich lese ab heute Nacht nun auch zu Ende, habe aber nicht viel Zeit.

finsbury
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Offline Hubert

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Tewje der Milchmann, 7. Kapitel: Tewje fährt ins Heilige Land
« Antwort #21 am: 20. Juli 2011, 03:16 »
Zuerst erfahren wir, dass und wie Golde gestorben ist – dann taucht der Heiratsvermittler wieder auf (im Musical war’s imo eine Heiratsvermittlerin): Pedozur ein reicher Mann hat ein Auge auf Tewjes jüngste Tochter, Bejlke, geworfen. Es dauert etwas, aber dann wird die Chuppe (Traubaldachin) gestellt. Als das junge Paar von der Hochzeitsreise aus Italien zurückkehrt, wird Tewje von seinem Schwiegersohn „vorgeladen“. Pedozur gibt Tewje eine „recht hübsche Summe“ aus seiner Brieftasche damit dieser mit dem Zug nach Odessa und von dort mit dem Schiff nach Jaffa fahren kann. Der Schwiegervater wird also ins Heilige Land abgeschoben.

Hallo finsbury,

im Materialordner habe ich nochmals zwei Links hinterlegt. Der zweite Link führt zu einem Dokument in dem es u.a. heißt, dass Scholem Alejchem den Roman zwischen 1894 und 1916 schrieb, die einzelnen Kapitel zunächst aber nur unabhängig voneinander in jiddischen Zeitungen erschienen (das klingt dann doch so, als ob zwischen dem Schreiben der einzelnen Episoden längere Zeiträume gelegen hätten) und die erste Buchausgabe auf Jiddisch erst 1924 in New York erschien. Wem soll man glauben?   

Offline finsbury

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Antw:Scholem Alejchem: "Tewje, der Milchmann".
« Antwort #22 am: 22. Juli 2011, 18:11 »
Hallo Hubert und alle,

nun habe ich die Lektüre - doch später als gedacht - beendet.
Zu unseren Datierungsproblemen und der Schlampigkeit einiger Internet - auch Wikipediaseiten:
Zitat von:  Hubert
Auch den Erscheinungstermin 1894 habe ich inzwischen gefunden. Bei Wikipedia heißt es, allerdings zu Anatevka: „Die Geschichte spielt im Russischen Reich, im ukrainischen Dörfchen Anatevka, in der vorrevolutionären Zeit um 1905.“ Und auch auf der folgenden Seite, hier zum Roman, heißt es: „Die Handlung des Romans spielt um das Jahr1905 , kurz vor der Russischen Revolution, in den kleinen Dörfern Masepowka, Jehupez, Bojberik und Anatevka.“
http://www.judentum-projekt.de/persoenlichkeiten/liter/alejchem/index.html


Der Wikipediaautor zählt hier Jehupez, also Kiew,  zu den kleinen Dörfern.

Weiterhin: Das Musical heißt Anatevka, aber Tewje wohnt gar nicht dort, sondern der avisierte Ehemann für Zeitel, der wohlhabende Schlachter. Der Ort spielt im Roman kaum eine Rolle. Ich nehme an, dass er als Titel für das Musical genommen wurde, weil er aufgrund der Vokalkombination recht wohllautend ist.

Trotz allem glaube ich weiterhin, dass der Roman in den Achtziger Jahren spielt. Ein weiterer Hinweis ist, dass im achten Kapitel Tewje aus seinem Dorf vertrieben wird, und diese Anweisung, die Juden vom Land zu  vertreiben, erging, wie weiter oben (17. Juli) ausgeführt, von der Regierung 1882.

In der einen deiner neu verlinkten Quellen heißt es:
Sprinze ist ohne Mann, aber schwanger, und nimmt sich das Leben
Hast du das mit der Schwangerschaft auch so herausgelesen, oder meint der Autor hier einen Topos, dass alle Mädchen, die unglücklich liebten und ins Wasser gingen, schwanger gewesen sein mussten.

Aber das mit dem Erscheinungsdatum irritiert mich wirklich: Ich weiß nicht mehr, was da richtig sein soll. Kischinau und Hodels Revolutionär verweisen auf ein späteres Erscheinungsdatum. Allerdings gab es auch im 19. Jahrhundert in Russland zahlreiche revolutionäre Bewegungen, wie zum Beispiel den Dekabristenaufstand.

Nun aber zum letzten Kapitel. Tewje wird nun unmittelbar vom Antisemitismus bedroht, allerdings auf eine tölpelhafte Weise und rettet sich durch seinen Glauben und seine Wortgewandtheit. Er versöhnt sich mit Chawe,  so dass auch dieser Handlungsfaden abgeschlossen ist.

Hinweise in diesem letzten  und  dem vorhergehenden Kapitel zeigen auch, dass der immer wieder erwähnte Brodskij ein reicher jüdischer Industrieller ist, denn Pedozur erhofft sich seinen Besuch, er wird mehrfach mit Rothschild in Zusammenhang gebracht und einmal wird ein Zeremonialgegenstand im Zusammenhang mit Brodskij kerwähnt, aber ich finde gerade die Stelle nicht.

So, nun muss ich erstmal aufhören. Morgen noch eine Schlusstellungnahme.

finsbury
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Offline Hubert

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Tewje der Milchmann, 8. Kapitel: Zieh fort
« Antwort #23 am: 24. Juli 2011, 01:55 »
Tewje und Scholem-Alejchem haben sich lange Zeit nicht gesehen. Wir erfahren, dass Tewje gar nicht ins Heilige Land gefahren ist, - der Grund: sein ältester Schwiegersohn, der Flickschneider Motel Kamisol fing zu hüsteln an, keine Ziegenmilch und keine Schokolade mit Honig half, er hüstelte bis er das letzte bisschen Lunge ausspie und Tewje musste sich nun um Zeitel und deren unmündige Kinder kümmern. Wir erfahren weiter, dass Pedozur, der Mann von Bejlke, sein Vermögen verlor und die Beiden inzwischen nach Amerika ausgewandert sind, wo sie Socken auf einer Maschine stricken und „ein Leben machen“.
Inzwischen hat sich die Lage der Juden extrem verschlechtert und die Dorfbewohner überlegen, wie der Bürgermeister Tewje mitteilt, ob sie ihm nur die Scheiben einschlagen, weil sie ja eigentlich nichts gegen ihn persönlich haben oder doch seine Kate, samt Stall und Hausrat verbrennen, wie das jetzt wohl üblich ist. Bevor Tewje sein Dorf verlässt gibt es noch eine, von Zeitel eingefädelte, rührende Versöhnung mit Chawe, die zu ihren Leuten zurückkehrt.     

Das Musical heißt Anatevka, aber Tewje wohnt gar nicht dort, sondern der avisierte Ehemann für Zeitel, der wohlhabende Schlachter. Der Ort spielt im Roman kaum eine Rolle. Ich nehme an, dass er als Titel für das Musical genommen wurde, weil er aufgrund der Vokalkombination recht wohllautend ist.

Hallo finsbury,

im Roman wohnt Tewje nicht in Anatevka, im Musical schon. Wenn man eine epische Erzählung dramatisiert, muss man zwangsweise vereinfachen und so werden die verschiedenen Orte aus dem Roman im Musical zu Anatevka zusammen gefasst, sicher wie Du vermutest wegen des wohllautenden Namens im Unterschied zu z.B. Bojberik.

Sprinzes Schwangerschaft, da hast Du Recht, steht nicht im Text und ich habe mir das Kapitel noch mal angesehen, imo gibt das der Text auch nicht her. Natürlich ist wikipedia noch nicht fehlerfrei, aber ich ziehe wikipedia inzwischen dem Kindler Literaturlexikon vor.

Das Erscheinungsdatum, bzw. die – bleiben im Moment ein Rätsel, ich hoffe ja noch, dass meine Manesse-Ausgabe noch mal auftaucht, da gab es mehr Anmerkungen und auch ein Nachwort – vielleicht findet sich da des Rätsels Lösung.

Grüße

Hubert

Offline finsbury

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Antw:Scholem Alejchem: "Tewje, der Milchmann".
« Antwort #24 am: 24. Juli 2011, 20:12 »
Hallo Hubert und alle,

nun, wie ist dein Gesamteindruck des Buches?
Es hat mich aufgrund seiner Menschenfreundlichkeit und der traurigen Lebensschicksale vieler seiner Personen schon angerührt, aber wirklich mitgerissen hat es mich nicht.

Der Text ist eine merkwürdige Mischung aus Idyll und Sozialkritik, Demut vor Gott und Humoreske.
Ich habe im Umkreis der Lektüre einiges über die osteuropäisch-jüdische Kultur erfahren, ans Herz gewachsen sind mir die Personen, selbst Tewje, aber nicht. Vielleicht lese ich später noch einmal etwas von Scholem Alejchem, aber es drängt mich nicht unmittelbar dazu.

Vielen Dank für die muntere Diskussionspartnerschaft und die vielen hilfreichen Anmerkungen

finsbury
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