Autor Thema: Stendhal: "Die Kartause von Parma"  (Gelesen 6225 mal)

Offline Hubert

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Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« am: 18. Juli 2011, 02:14 »
So, die lang ersehnte Leserunde ist eröffnet. Im Materialordner habe ich die üblichen Links hinterlegt. Allen Mitlesern wünsche ich viel Freude bei diesem bedeutenden Roman der Weltliteratur oder wie es Rolf Vollmann sagt: beim schönsten aller Romane. Ich bin gespannt ob Vollmann Recht hat..


Offline sandhofer

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #1 am: 18. Juli 2011, 19:42 »
Hallo zusammen!

Vor dem Wochenende komme ich nicht zum Lesen, tut mir leid. Ich lese auf Französisch, in der Ausgabe der Classiques universels, mit einem Vorwort von Michel Parfenov: En Stendalie. Ich habe das Buch schon vor 5 oder 6 Jahren einmal gelesen. Auf eine geglückte Leserunde!

Grüsse

sandhofer
Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus: Beim Wort genommen

Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #2 am: 19. Juli 2011, 12:37 »
Vor dem Wochenende komme ich nicht zum Lesen, tut mir leid.
same here. Ich lese die Edl-Übersetzung ;-). Wenn ich denn überhaupt zum Lesen komme 8-(
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FeeVerte

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #3 am: 19. Juli 2011, 21:06 »
Ich lese eine Ausgabe des Aufbau-Verlags von 1985. Die Übersetzung ist von Erwin Rieger, sprachlich weder sonderlich herausragend noch bemerkenswert schlecht. Bisschen schwerfällig vielleicht. Aber andererseits auch nicht völlig Glämmer: "Fabrizio war so schmutzig und feucht, als hätte man ihn aus dem Po gezogen".

Weil ich Ende letzter Woche lekürelos war, hab ich schon etwas früher mit der Kartause begonnen und bin jetzt ungefähr in der Mitte. Irre ich mich, oder ist Fabrizio, der abgesehen von seinem napoleonischen Abenteuer völlig fremdbestimmt ist,  ein Gegenentwurf zu dem kontrollsüchtigen Julien Sorel aus "Rot und Schwarz"?
« Letzte Änderung: 19. Juli 2011, 21:20 von FeeVerte »

Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #4 am: 19. Juli 2011, 22:44 »
In der Neuübersetzung gleich im ersten Absatz gestolpert: "… eine kleine Zeitung … gedruckt auf schmutziges Papier". Ich hätte da ein "schmutzigem" erwartet.
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Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #5 am: 19. Juli 2011, 22:45 »
(ja, ich hab doch schon mal angefangen ;-))
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Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #6 am: 19. Juli 2011, 22:46 »
In der Diogenes-Ausgabe (Übersetzt von Rieger) steht dann auch: "… auf schmutzigem Papier gedruckte Zeitung".
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Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #7 am: 19. Juli 2011, 23:38 »
Kurz drauf gibt es noch eine ungewöhnliche Deklination: "… die mich … der Inbegriff von Pracht dünkte". Ich hätte da ein "… die mir … dünkte" erwartet. Da Edl Österreicherin ist, könnte es sich bei diesen mir etwas schräg in den Ohren klingenden Deklinationen um Austriazismen handeln.
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Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #8 am: 19. Juli 2011, 23:41 »
Was die Erzählperspektive angeht, geht es schon auf den ersten Seiten etwas drunter und drüber. Das Buch beginnt mit dem üblichen "allwissenden Erzähler", der sagt dann plötzlich und recht unvermittelt "Ich", eine Figur erzählt ihm etwas, der Leser wird plötzlich direkt mit "Sie" angesprochen, als würde der Erzähler die Geschichte in geselliger Runde erzähle. Mal sehen, ob sich Stendhal entscheiden kann, welche Perspektive er wählen soll ;-).
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Offline Hubert

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Ich lese: Edl +
« Antwort #9 am: 20. Juli 2011, 02:44 »
Vor dem Wochenende komme ich nicht zum Lesen, tut mir leid.
same here.

„Dann schlage ich doch vor, dass wir den inoffiziellen Leserundenbeginn abweichend vom offiziellen Leserundenbeginn auf das kommende Wochenende verlegen“, wollte ich schon schreiben und jetzt hat unsere liebe Fee den halben Roman schon gelesen und der Giesbert hat jetzt auch schon angefangen – das wird schwer zu koordinieren sein!

Btw: Ich lese die Übersetzung von Elisabeth Edl, die ohne Anhang 654 Seiten hat und werde ab und an, um mein Französisch aufzufrischen, auch in die „Edition avec dossier (Flammarion, Paris): Stendhal – La Chartreuse de Parme“ schauen. Das sind 610 Seiten + Dossier:
1.   Sources
2.   Balzac et Stendhal
3.   Waterloo ou la naissance du héros ?
4.   La prison d’amour ou l’héroisme romanesque

Offline Hubert

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Austriazismen?
« Antwort #10 am: 20. Juli 2011, 02:47 »
Kurz drauf gibt es noch eine ungewöhnliche Deklination: "… die mich … der Inbegriff von Pracht dünkte". Ich hätte da ein "… die mir … dünkte" erwartet. Da Edl Österreicherin ist, könnte es sich bei diesen mir etwas schräg in den Ohren klingenden Deklinationen um Austriazismen handeln.

Hallo Giesbert,

schön, dass Du uns auf die grammatikalischen Besonderheiten der Übersetzung hinweist. Dass das Austriazismen sind, wäre für mich keine Entschuldigung, - der Carl Hanser Verlag sitzt in München und das ist nicht Österreich. Trotzdem wäre es natürlich interessant, ob das wirklich so ist, haben wir eine(n) ÖsterreicherIn in der Leserunde?

Offline Hubert

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Erzählperspektive?
« Antwort #11 am: 20. Juli 2011, 02:49 »
Was die Erzählperspektive angeht, geht es schon auf den ersten Seiten etwas drunter und drüber. Das Buch beginnt mit dem üblichen "allwissenden Erzähler", der sagt dann plötzlich und recht unvermittelt "Ich", eine Figur erzählt ihm etwas, der Leser wird plötzlich direkt mit "Sie" angesprochen, als würde der Erzähler die Geschichte in geselliger Runde erzähle. Mal sehen, ob sich Stendhal entscheiden kann, welche Perspektive er wählen soll ;-).

Na ja, das kennt man ja von den Franzosen, dafür ist ja auch Flauberts „Madame Bovary“ berühmt geworden. Bin nur froh, dass nicht ich diese Übersetzung vorgeschlagen habe.    :breitgrins:

Gruß

Hubert


Offline Lost

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #12 am: 20. Juli 2011, 08:28 »
Hallo an die Leserunde,

keine Angst, ich bin gleich wieder weg.  Den Roman habe ich auch vor wenigen Tagen begonnen, was dem Durcheinander meiner Zeiteinteilung geschuldet ist. Die Teilnahme an der Leserunde konnte ich mir deshalb nicht konkret vorstellen. Nun wäre das anders, aber nachdem ich eure ersten Beiträge gelesen habe bleibe ich doch lieber draußen.

Ihr seit so was von kleinlich!  Bei dieser lebendigen Geschichte, die quasi im freien Schreiben entstand, fast nichts als eine Debatte über eine sprachliche Unklarheit der Übersetzerin die überhaupt keine ist, das wird dem Buch einfach nicht gerecht. Wenn die deutsche Sprache so kleinlich ist, dann sollte man uns Deutsche alle gleich zu Beamten ernennen.

Offline mombour

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #13 am: 20. Juli 2011, 08:43 »
Ihr seit so was von kleinlich!  Bei dieser lebendigen Geschichte, die quasi im freien Schreiben entstand, fast nichts als eine Debatte über eine sprachliche Unklarheit der Übersetzerin die überhaupt keine ist, das wird dem Buch einfach nicht gerecht. Wenn die deutsche Sprache so kleinlich ist, dann sollte man uns Deutsche alle gleich zu Beamten ernennen.

Du sprichst mir aus dem Herzen, Lost. Mir sind die sprachlichen Eigenheiten auch gar nicht aufgefallen. In diesem Roman geht in erster Linie um Inhalte, weil es ein Actionroman ist, und zweitens  schimmert die damalige Zeit hindurch, deswegen  sich viel interessantere Diskussionsansätze auftun als deutschlehrerhafte Korrekturvorlieben. ich lese auch in der Übersetzung von Elisabeth Edl und stöbere  gerne in dem schönen Nachwort und Anhang.

Liebe Grüße
mombour

Offline Giesbert Damaschke

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Antw:Stendhal: "Die Kartause von Parma"
« Antwort #14 am: 20. Juli 2011, 09:21 »
Keine Sorge, ich kann noch viel kleinlicher werden.

Übrigens bin ich heute morgen beim "mich dünkte/mir dünkte" mehr als unsicher geworden bzw. meine mir spontan "richtiger" scheinende Formulierung ist wohl "falsch", und Edl liegt, Österreich hin oder her, einfach richtig.

(Falls es in diesen Dingen überhaupt ein falsch vs. richtig gibt, was ich bezweifeln möchte.)

Vielleicht ist die erste Auffälligkeit einfach nur ein Druckfehler ;-)
Giesbert Damaschke, München |  http://www.damaschke.de/